Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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Münsterkäse. Ist ein mit Lab aus Voll
milch im jetzigen deutschen Eisass in der
Umgegend der Stadt Münster hergestellter
Weichkäse von 3 cm Höhe und einem Gewicht
von ca. 300 g. Feser.
Münsterlandschaf. In älterer Zeit wurden
auf den weit ausgedehnten Haiden im nörd
lichen und nordwestlichen Theile des Münster
landes (Westfalen) eigentlich nur Heid
schnucken — wie uns solche heute noch
überall in dem Lüneburgischen begegnen —
gehalten, und nur in den Landschaften mit
besserem Boden wurde und wird jetzt eine
Rasse gezüchtet, die unter dem Namen „Mün-
sterisches Landschaf“ bekannt ist und von
den westfälischen Bauern geschätzt wird.
Die Thiere der fraglichen Rasse besitzen
einen etwas groben Knochenbau und tragen
lange, grobe Wolle, welche zur Herstellung
ordinärer Stoffe und Strumpfgarne ganz ge
eignet erscheint. Bei gutem Weidegang und
hinreichender Winterfütterung liefern diese
Schafe jährlich 2%—3 kg Wolle.
Das Münsterlandschaf ist ziemlich gross,
d. h. langbeinig, aber nicht sehr breit gebaut,
nur selten erreichen die gemästeten Hammel
ein Schlachtgewicht von mehr als 30 kg. —
Die dortigen Bauern rühmen stets die grosse
Genügsamkeit ihrer Schafe, und sagen, dass sie
wegen ihrer starken Bedeckung gegen Wit
terungseinflüsse weniger empfindlich wären,
als die in der neueren Zeit dort eingeführten
kurzwelligen Schafe. — Die früher von Pallas
u. A. gelieferte Beschreibung des Münster
schafes ist für die jetzt in jener Landschaft
vorkommende Rasse nicht mehr zutreffend;
dieselbe hat weder lange, schlaff herabhän
gende Ohren, noch einen langen, dünnen
Schwanz, sondern besitzt mittellange Ohren,
die meist aufrecht stehen; auch ist ihr Schwanz
nicht besonders lang zu nennen.
Das Münsterschaf der Neuzeit unter
scheidet sich in keiner Weise vom lippischen
oder alten Teutoburger Waldschafe. Dieses wie
jenes gehört zur Gruppe der norddeutschen
schlichtwolligen Landschafe, bei welchen Bock
und Zibbe in der Regel ungehörnt erscheinen
und fast ausnahmlos eine sehr dauerhafte
Constitution besitzen. Freytag.
Munter J. K. E., Docent der Rechte in
Göttingen, gab 1791 „Das Rosstäuscher-Recht“
heraus. Semmer.
Münze, Minze (Krause- und Pfefferminze),
s. Mentha.
Mürzthaler Vieh. Dieser im Stromgebiet
der oberen und unteren Mürz in der nordöst
lichen Steiermark verbreitete Rinderschlag ent
stammt der Kreuzung von Steppenvieh mit
Schlägen der kurzhornigen Rasse. Obschon der
Typus der letzteren den Ausschlag gab, zeigen
die verhältnissmässig derben und langen Hörner
sowie die besonders bei Stieren öfters zu be
obachtenden ramsnasigen Köpfe die stattge
habte Kreuzung an. — In der allerjüngsten
Zeit bringt es die veränderte Wirthschaftsweise
in vielen Gegenden mit sich, dass wieder
Kreuzungen mit dem Steppenrinde vorge
nommen werden, und dass auf diese Weise die

Kreuzungsproducte auch im Körperbau Merk
male des Steppenviehes zeigen. Bei vielen
kleineren Züchtern hat sich nämlich der Ge
brauch eingebürgert, an Stelle der gut ver
kauften Kühe des Mürzthaler Schlages solche
des ungarischen Steppenviehes einzustellen,
welche leicht und billig zu beschaffen sind.
Die Farbe des Mürzthaler Viehes ist
grau bis grauschwarz. Auch die Haut ist bei
diesem Schlage in der Regel pigmentirt und
besitzt eine schwarzgraue Farbe. Betrachtet
man die Haare für sich, so findet man, dass
sie meist zweifarbig sind. In der Mitte sind
sie am dunkelsten, schwarz oder schwarzgrau,
an der Spitze und am Grunde heller (hell
grau). Heller gefärbt als der übrige Körper
sind die Ohrmuscheln und der oft gelbe bis
rostrothe Stirnschopf. Das Flotzmaul ist grau
schwarz und hat zwischen den Nasenlöchern
jenes hellgraue, „Schnippe“ genannte, mit der
Spitze nach oben gekehrte Dreieck, auf dessen
Vorhandensein grosser Werth von Seite der
Züchter gelegt wird.
Von den Schlägen der kurzhornigen Rasse
unterscheidet sich der Kopf der Mürzthaler
durch seine grössere Breite in der Stirnenge
und durch seine Schmalheit in der Stirnbreite.
Das Vorkommen der dem Steppenvieh eigen
thümlichen gebogenen Nase wurde bereits
erwähnt. Der Kopf der Kühe ist lang und
schmal und lässt eine für das Mürzthaler Vieh
charakteristische Einschnürung zwischen Wan
genhöcker und Flotzmaul erkennen. An dem
meist schmal und eckig gebauten Körper
sind häufig schmale Hüften, ein spitzes Kreuz
und flache Hinterschenkel auszusetzen. Schöne
Formen sind verhältnissmäsig selten. Die
Beine sind lang, aber derbknochig und kräftig.
Nur dort, wo, wie beispielsweise im unteren
Mürztbale, in der Regel auch im Sommer
Stallfütterungbetrieben wird, lässt ihre Stellung
und ferner auch die Entwicklung der Sprung
gelenke zu wünschen übrig. — Die dicke
Haut, die enggestellten Rippen und das wenig
entwickelte Euter lassen auf keine reich
liche Milchproduction Schliessen. In der That
beträgt der mittlere jährliche Milchertrag
nur 1300 1. Qualitativ hingegen ist die pro-
ducirte Milch ganz vorzüglich. Während die
Mürzthaler Rinder für die Mast nur wenig
geeignet sind, liefern sie vorzügliche Zug
thiere. Die mittlere Stockhöhe beträgt 130 bis
134 cm. Bezüglich des Lebendgewichtes muss
man zwischen dem leichteren im oberen Mürz-
thale gezüchteten Schlage und dem schwereren
an der unteren Mürz unterscheiden. Das mitt
lere Lebendgewicht des ersteren macht 300 bis
380 kg, des letzteren 400—450 kg aus. Zum
Schlüsse mögen noch die von Prof. Wilckens
bei 4 Stieren und 5 Kühen ermittelten Durch
schnittskopfmassen mitgetheilt werden:
Stiere Kühe
Zwischenhornlinie .. . 20 4 cm 17'2 cm
Stirnenge 22'5 „ 18'7 „
Stirnbreite 24'4 „ 22 6 „
Wangenbreite 17'6 „ 16 7 „
Kopflänge 48'1 „ 46 8 „
Adametz.

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