Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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Knötchen findet sich häufig auch eine diffuse
lymphoide Infiltration.
Die Milz ist in den meisten ( 4 / s ) Fällen
hypertrophisch, geschwellt (erreicht in ein
zelnen Fällen ein Gewicht von 30 kg [Hering]
bis 46 kg [Cunningham] bei Pferden, von 2 kg
bei Schweinen und 1 kg bei Hunden), von
festerConsistenz, bläulich-opalescirender Farbe,
glatt oder uneben knotig, auf der Schnittfläche
trocken glänzend, körnig, von braunrother
Farbe, die Malpighischen Körperchen hyper
trophisch, die Kapsel und die Trabekeln ver
dickt, die Capillaren erweitert, mit farblosen
Körperchen gefüllt, das Parenchym zuweilen
von lymphoiden Knoten (Lymphadenomen)
und hämorrhagischen Herden durchsetzt. Die
Lymphadenome erreichen oft Wallnuss- bis
Kindskopfgrösse und stellen eine umgrenzte
Hyperplasie des Milzgewebes dar. Neben der
Hyperplasie und Schwellung der Milz findet
sich meist eine Hyperplasie und Vergrösserung
der Lymphdrüsen; eine solche kann auch ohne
eine Milzschwellung die alleinige Ursache
der Leukämie (lymphatische Leukämie) dar
stellen. Es werden entweder sämmtliche
Lymphdrüsen von der Hyperplasie ergriffen
oder nur einzelne Regionen, wie die Darm
follikel, die Mesenterialdrüsen, die Brorchial-
drüsen, Mandeln, Schilddrüsen etc. Die hyper
plastischen Lymphdrüsen werden erbsen- bis
wallnuss-, bei grossen Thieren sogar bis gänse
eigross, von weicher Consistenz, auf der Schnitt
fläche von weisser, grauweisser, gelblicher
oder röthlicher Farbe; es lässt sich auf der
Fläche ein dicker rahmartiger Saft abstreichen,
der aus mehrkörnigen Lymphzellen, freien
Kernen und Körnchen besteht. Eine Ver
eiterung oder eine käsige und kalkige Ent
artung der Lymphdrüsen kommt weder bei
der wahren noch bei der Pseudoleukämie vor.
Von Ranvier (1867) und Neumann (1869)
wurde bei einigen Fällen der Leukämie eine
Veränderung des Knochenmarks constatirt,
wobei dieses die Beschaffenheit des embryo
nalen Marks angenommen hatte, und aus
einem grünlichgelben, an der Luft grauröth-
lich werdenden lymphzellenreichen Gewebe
bestand. Der Zustand wurde von Neumann
als myelogene oder medulläre Leukämie be
zeichnet. Eine selbstständige myelogene Leu
kämie ist bei unseren Hausthieren nicht con
statirt worden, wohl aber fanden Fürstenberg,
Siedamgrotzky und Kölsch bei leukämischen
Thieren mit Schwellung der Milz und Lymph
drüsen eine ähnliche Veränderung des
Knochenmarks, wie sie von Ranvier und Neu
mann beschrieben wurde. Das schwammige
Gewebe der Wirbel, des Brustbeins, der
Rippen und der Epiphysen der Röhrenknochen
ist grobmaschig, von graurother Farbe, die
Maschenräume ausgefüllt mit einem lymph
zellenreichen reticulären, adeoniden Gewebe.
Eine diffuse leukämische Infiltration oder
Bildung umgrenzter leukämischer Neubil
dungen (Lymphome) findet statt in der Leber,
den Nieren, den Schleimhäuten, serösen
Häuten, Hirnhäuten, Gefässwänden, in den
Lungen, Geschlechtstheilen (Uterus, Hoden, |

Ovarien), in der Harnblase, im Bindegewebe
(Submucosa, Subserosa). Bei der Pseudoleu
kämie oder Adenie sind die Veränderungen
ganz dieselben, wie bei der wahren Leukämie,
nur fehlt im Blute eine Vermehrung der farb
losen Blutkörperchen.
Die Diagnose ist aus der Vergrösserung
der Milz und Lymphdrüsen, insbesondere aber
aus der enormen Zunahme der farblosen Blut
körperchen, der Beschaffenheit des Blutes und
der Blutgerinnsel leicht zu stellen. Verwechs
lungen der essentiellen wahren Leukämie mit
der symptomatischen Leukämie oder Leu-
kocythose und mit der Adenie oder Pseudo
leukämie, ferner mit Rotz, Tuberculose und
Scrophulose können vorkommen. Die bei der
wahren Leukämie sich bildenden Lymphome
und die Hyperplasien der Milz und Lymph
drüsen zeichnen sich aber dadurch wesentlich
von Rotz, Tuberculose und Scrophulose aus,
dass in ihnen keine fettige, käsige oder kal
kige Entartung und kein eitriger Zerfall vor
kommt. Die Abwesenheit jeglicher Infections-
krankheit schützt vor Verwechslung mit der
symptomatischen Leukämie. Die Pseudoleu
kämie, Adenie, progressive Drüsenhyper
trophie, Hodgkinsche Krankheit, malignes
Lymphom, Anämia s. Cachexia splenica s.
splenico-lymphatiea zeichnet sich durch Hyper
plasien der Milz, Lymphdrüsen und des Knochen
marks und Neubildungen lymphoiden Ge
webes in der Leber, den Nieren, der Lunge
und anderen Organen und Geweben aus, ohne
eine entsprechende Zunahme der farblosen
Blutkörperchen. Unter rapider Abmagerung
und allgemeiner Anämie erfolgt der Tod der
Patienten in 2—-6 Monaten. Nocard theilt
mehrere Fälle von Pseudoleukämie bei den
Hausthieren mit. Die Prognose bei der Leu
kämie ist stets ungünstig, da der Ausgang
der Krankheit in der Regel der Tod ist. Nur
ausnahmsweise, wenn die Patienten in den
ersten Stadien der Krankheit in Behandlung
kommen, kann eine vorübergehende Besserung
erzielt werden. Meist werden die Thiere, nach
dem die Diagnose gestellt, als unheilbar ge-
tödtet oder geschlachtet und theilweise ver
werthet.
Die Therapie der Leukämie ist eine
rein symptomatische, gegen die Schwellungen
der Lymphdrüsen, den Kräfteverfall, die Ab
magerung und Blutentmischung gerichtete
und besteht in Verabfolgung von Jod, Brom
und Quecksilberpräparaten, Fischleberthran,
Eisen, Chinapräparaten, Arsenik, Eucalyptus,
Bluttransfusionen, reichlicher guter Nahrung,
bitteren Mitteln. Eine Localbehandlung, sowie
eine Exstirpation der geschwellten Milz und
Lymphdrüsen hat sich dagegen nicht bewährt.
Literatur: Virchow, 1845. — Med. Centralztg.
1846. — Ges. Abh. I. — Archiv Iu.II. — Benett. 0.
leueocythemia. Edinb. med. J. 1845, 1851 u. 1852. —
Vogel, Virchows Archiv IN. — Uhle, Virchows Archiv V.
— Vidal, Gaz. hebd. 1856. — Thierfelder und Uhle
Archiv f. phys. Heilk. 1856. — Mos ler, Berl. «kl.
Wochensch. 1867. — Die Path. und Therap. d. Leuk. 1872.
— Ziemssens, Handbuch, 1875 VIII. — Neumann,
Archiv der Heilk., 1869. — Leise ring, Bericht über
das Veterinärw. in Sachsen pro 1858 u. 1865, — Bruck
mül I e r, Wiener Vierteljahresschrift XXXIV u. XXXXII.
— Siedamgrotzky, Sächs. Bericht pro 1871, 1872,

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