Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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anderen zum grösseren Theile gebunden ist.
Andererseits ist die Dauer des Entladungs
schlages bei der Leydener Flasche nicht eine
unmessbar geringe, wie hei der Elektrisir-
maschine, sie kann auch durch die Vergrösserung
der Schlagweite, durch die Vergrösserung der
Oberfläche der Flasche und durch die Ein
schaltung von langen Stücken gut leitender
Substanzen vergrößert werden. Die Entladung
geschieht durch einen doppelten Strom, näm
lich der Elektricität vom positiven und
der — Elektricität vom negativen Belege
aus; sie ist nicht eine einzige, sondern be
steht aus einer Reihe von Partialentladungen.
Wenn bei der Entladung einer Leydener
Flasche der Entlader schliesslich auch eine
vollständig leitende Verbindung zwischen
den beiden Belegen hergestellt hat, so er
hält man nach einiger Zeit noch einen
zweiten, dritten, sogar vierten schwachen
Entladungsschlag. Es ist also trotz der un
unterbrochenen metallischen Verbindung der
Belege noch Elektricität in ihnen zurück
geblieben, die man als elektrischen
Rückstand — Residuum — bezeichnet. Ist
ein thierischer Körper in den Schliessungs
bogen einer Leydener Flasche eingeschaltet,
so empfindet derselbe im Augenblicke der
Entladung Schläge besonders in den Gelenken,
welche soweit verstärkt werden können, dass
sie den Tod bewirken. Die chemischen Wir
kungen des Entladungsschlages sind im All
gemeinen viel schwächer als die des Gal
vanismus, jedoch ist derselbe immerhin im
Stande, die Vereinigung von Sauerstoff und
Wasserstoff zu Wasser, die von Chlor und
Wasserstoff zu Salzsäure, ebenso die Bildung
von activem Sauerstoff-Ozon zu bewirken. Lh.
Leyh F., studirte Veterinärmedicin in
Stuttgart, Wien und Berlin, wurde 1838
Prosector an der Stuttgarter Schule und 1846
Professor für Anatomie, pathologische Ana
tomie und später auch für die Klinik. Leyh
gab 1830 ein Handbuch der Anatomie der
Hausthiere mit in den Text gedruckten Holz
schnitten (2. Auflage 1889) heraus. Semvier.
Llberati Francesco, schrieb 1639 zu
Rom eine Hippiatrik, in einer zweiten 1669
erschienenen Ausgabe sind die Gestütsbrände
der vorzüglichsten italienischen Gestüte ent
halten. Koch.
Libourne, in Frankreich, Departement
Gironde, liegt am Einfluss der Isle in die
Dordogne. Hier wird vom Staate ein schon
im ersten Viertel dieses Jahrhunderts gegrün
detes Hengstenddpöt unterhalten. Grassmann.
Libr. auf Recepten, bedeutet Libra, Pfund.
Licenziren der Hausthiere. Man versteht
darunter die Erlaubniss oder Befugniss er
theilen, gewisse, gewöhnlich durch eine Kör
commission (s. Kören) ausgewählte männliche
Zuchtthiere (Hengste und Stiere) in einem
näher bestimmten Zuchtgehiete oder in Ort
schaften decken oder springen zu lassen. Fg.
Lichen s. Herpes, die Flechte (von
ki'yecv, lecken; gpimv, kriechen), ist ein chroni
scher, ansteckender, um sich fressender, nach
der Peripherie hin weiter um sich greifender

Hautausschlag, der sich durch Abschuppung
der Epidermis, Verdickung der Haut, öfter
auch durch Bläschenbildung auf der Haut,
Bildung kleiner Schorfe, hervorgegangen aus
der Eintrocknung des Bläscheninhalts, und
Ausfallen der Haare auf begrenzten Haut
stellen zu erkennen gibt. Als Ursache dieses
Hautausschlages kann in vielen Fällen die
Einwanderung eines Pilzes in die Haut, in
die Schweissdrüsen und in die Haarfollikel nach
gewiesen werden. Trichophyton tonsurans ruft
auf diese Weise die sog. kahlmachende oder
Schwindflechte und die Ringflechte,
Herpes decalvans s. tonsurans und Her
pes circinatus hervor. Auf den haarlosen
Stellen trifft man Knötchen oder Bläschen,
Pusteln und dünne Borken an. Mittelst der
Flechteborken lässt sich der Ausschlag auch
auf andere Thiere, selbst auf Menschen über
tragen, nach ca. 14 Tagen erreicht der her
petische Ausschlag den Umfang einer Erbse
(Gerlach); er kann vom Rind auf neben
stehende Pferde übergehen (Oreste). Von
Schweiss erweichte und hyperämische Haut,
Genuss scharfer reizender Nahrung, Fluxionen
zur Haut, schlechte Hautpflege und heisse,
dunstige Stallungen bedingen die Disposition
zu Lichen. Rinder, Kälber und Hunde leiden
am häufigsten an Lichen, seltener Pferde,
Katzen, Ziegen, Schweine und Schafe. Tricho
phyton erweitert die Haarfollikel, entzündet
die Haarscheide, zerstört und zerfasert den
Haarschaft, so dass die Haare ausfallen oder
abbrechen (vergl. „Herpes“). Lichen hat seinen
Lieblingssitz am Kopf und Hals, befällt aber
auch die Rippen, den Rücken, Bauch, die
Schenkel und den Schwanz. Die von Flechte
heimgesuchten Stellen kennzeichnen sich als
rundliche, scharf abgegrenzte, kahle, geröthete
Flecke, auf denen sich die Epidermis ab
schuppt; nicht selten bilden sich auf ihnen
Bläschen, Schorfe und Borken mit gewölbter
Oberfläche — bei Favusborken ist die Ober
fläche vertieft, — die sich hin und wieder
durch eitrig-seröses Transsudat ablösen, so
dass das wunde, angenagte Corium freiliegt.
Das Reiben der wunden, juckenden Haut
stellen ruft weitere Degenerationen der Haut
hervor. Durch Umsichfressen vergrößern sich
die herpetischen Stellen, auch vereinigen sich
benachbarte. Bei der Ringflechte, Herpes
circinatus, bilden die kahlen Stellen Ringe,
weil das Exanthem im Centrum abheilt. Nach
1—3 Monaten, bei Schafen oft erst nach
6—12 Monaten, pflegt Herpes überhaupt von
selbst zu heilen, jedoch im Frühjahr wieder
zukehren, was es wahrscheinlich macht, dass
Pilzkeime in der Haut liegen bleiben. Beim
Abheilen stellt sich der Haarwuchs wieder
ein. Das Eczem (s. d. und unter „Hautent
zündung“) unterscheidet sich von Herpes nur
durch das Fehlen der pathogenen Pilze, in
vielen Fällen ist seine Heilung leichter zu
erreichen als bei Herpes, öfter kommt es bei
ihm auch nicht zum Ausfallen der Haare,
sondern die Haare werden nur verklebt.
Behandlung. Die herpetischen Stellen
sind des Tags über öfter mit folgenden Mitteln

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