Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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können, erkennen wir noch durch ihre
chemischen Wirkungen. So spricht der
Physiker von Wärmestrahlen und chemischen
Strahlen der Aetherschwingungen. Die meisten
Erscheinungen des Lichtes lassen sich wohl
nach beiden Theorien erklären; doch lassen
sich die Erscheinungen der Interferenz des
Lichtes — z. B. das Entstehen von Farben
ringen beim Durchgänge von weissem Licht
durch dünne Plättchen — leichter nach der
Undulationstheorie wie nach der Emanations
theorie verstehen, daher jene jetzt allgemein
angenommen ist.
Die Quelle alles Lichtes mit Ausnahme
des Fixsternlichtes ist die Sonne. Nach Bou-
guer (1723) ist das Sonnenlicht gleich dem
von 11.664 Wachskerzen in 43 cm Entfer
nung. Das stärkste irdische Licht, das elek
trische Kohlenlicht, hat bei Anwendung
von SO Bunsen’schen Elementen % Stärke
des Sonnenlichtes. Mittelst der neuen mag
netoelektrischen Maschinen kann man elek
trisches Lieht von 30.000 Normalkerzen Licht
stärke, also stärkeres wie Sonnenlicht erzeu
gen. Stark ist auch das künstliche Licht des
in reinem Sauerstoff brennenden Phosphors,
sowie das Magnesiumlicht; das Drummond-
sche Kalklicht erreicht nur */ l6 Stärke des
Sonnenlichtes.
. Die irdischen Körper werden zu Licht
quellen, wenn sie bis zu einer gewissen Tem
peratur erhitzt werden; nach Draper fangen
alle Körper bei 323° C. an zu glühen u. zw.
mit rothem Lichte und erreichen bei 1170° C.
die Weissgluth. Auch der elektrische Strom
und der elektrische Schlag, sowie die chemi
sche Vereinigung können so heftige Erschütte
rungen, bezw. so hohe Temperaturen erzeu
gen, dass hiedurch Licht entsteht. In allen
Fällen aber sind es die Schwingungen der
Moleküle der Körper, welche, nachdem die
Schwingungszahl derselben durch die Wir
kungen der Elektricität oder der Erwärmung
auf 400 Billionen und darüber in der Secunde
gestiegen ist, die leuchtende Wirkung der
selben erzeugen.
Das Leuchten eines Körpers bei gewöhn
licher Temperatur, welches so schwach ist,
dass es nur in der Dunkelheit sichtbar ist,
bezeichnet man als Phosphorescenz (s.d.).
Das Licht pflanzt sich sowohl durch den
Weltraum wie auch durch die Körper fort,
weil der Aether überall verbreitet ist; die
Körper, welche das Licht durchlassen, werden
je nach der Menge des durchgehenden Lichtes
durchsichtig, durchscheinend genannt: Körper,
die kein Licht durchlassen, heissen undurch
sichtig. Die Linien, in welchen sich das Licht
fortpflanzt, sind die Lichtstrahlen. Von
einem leuchtenden Punkte gehen die Licht
strahlen in allen Richtungen. Ist der Körper,
das Mittelmedium, in welchem sich das Licht
fortpflanzt, ein gleichartiges — isotropes
oder homogenes — dann sind die Licht
strahlen gerade Linien, trifft aber das Licht
auf ein Mittel von anderer Beschaffenheit
(verschiedene Dichtigkeit), z. B. wenn es von
Luft in Wasser übertritt, so erleidet es eine

mehrfache Veränderung. Ein Theil des Lichtes
wird in das erste Mittel zurückgeworfen
(Reflexion des Lichtes), ein Theil geht in
das neue Mittel über und wird in diesem,
wenn dasselbe durchsichtig ist, sowohl von
seiner Richtung abgelenkt (Brechen oder
Refraction des Lichtes) als auch in Licht
arten von verschiedener Beschaffenheit (Far
ben) zerlegt (Farbenzerstreuung, Dispersion).
Demnach zerfällt die Lehre vom Licht in:
1. die Lehre von der Fortpflanzung des
Lichtes in einem homogenen Mittel —- Orth-
optrik;
2. die Lehre von der Reflexion des Lichtes
— Katoptr ik;
3. die Lehre von der Refraction des
Lichtes — Dioptrik:
4. die Lehre von der Dispersion des
Lichtes — Chromatik oder Farbenlehre.
Hieran schliesst sich noch 3. die Lehre
von dem Sehen und den wichtigsten opti
schen Instrumenten, und 6. die Lehre von
der Beugung — doppelten Brechung und
Polarisation des Lichtes.
Aus der Thatsache, dass die Fortpflan
zung des Lichtes in einem homogenen Mittel
eine geradlinige ist, lassen sich die folgen
den Erscheinungen erklären:
Ad 1. a) Lässt man Licht, welches von
einem leuchtenden Körper herkommt, durch
eine beliebig gestaltete kleine Oeffnung in
einer undurchsichtigen Wand gehen, so er
hält man auf einem dahinter gehaltenen Schirm
ein umgekehrtes Bild des Körpers. Die Licht
strahlen, die durch einen Punkt nach allen
Richtungen gehen, schneiden sich daselbst,
und ihre Lage ist nach dem Schnitte gerade
die umgekehrte als vorher. Diese Erscheinung
findet in der Camera obscura — optischen
Kammer — ihre Anwendung. Auf der gerad
linigen Fortpflanzung desLichtes inhomogenen
Medien beruht die Lehre von der Perspective,
als Grundlage der Zeichenkunst, das Fixiren
von geraden Linien in der Messkunst.
b) Befindet sich in einem von einem
leuchtenden Körper erhellten Raume ein
undurchsichtiger Körper, so wird von einem
Theile des dahinter befindlichen Raumes
das Licht abgehalten. Dieser Raum ist der
Schatten.
Ist die Lichtquelle ein leuchtender Punkt,
so ist die Schattengrenze die den dunklen
Körper umhüllende Mantelfläche eines abge
stumpften Kegels, dessen Spitze in dem leuch
tenden Punkte selbst liegt. Der von der Schatten
grenze umschlossene Raum erhält gar kein
Licht und heisst deshalb Kernschatten. Eine
wichtige Anwendung findet die Lehre vom
Schatten bei den Sonnen- und Mondfinster
nisse». Die Stärke der Lichtwirkung einer
Lichtquelle oder die Intensität des Lichtes
an irgend einer Stelle hängt ab 1. von der
Entstehungsstärke des Lichtes und ist der
selben direct proportionirt, 2. von dev Ent
fernung von der Lichtquelle. Die Licht
stärke nimmt ab im Verhältnisse des
Quadrates der Entfernung von der
Lichtquelle; 3. von dem Winkel, unter dem

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