Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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W. v. Bornes züchtet Schweine, welche
aus der Kreuzung von Yorkshire-, Berkshire -
und Poland-China-Blut hervorgegangen sind.
Diese Thiere haben gefällige Körperformen mit
starker Lendenpartie und breiten Schenkeln.
Am kleinen Kopfe stehen ihre kurzen, spitzigen
Ohren aufrecht, und fast niemals kommen in
diesem Stamme Schweine mit grossen hän
genden Ohren vor. — Die in Eckendorf ab
gesetzten Ferkel männlichen und weiblichen
Geschlechts finden stets guten Absatz nach
Westfalen, wo bekanntlich alljährlich sehr
viele Schweine gemästet werden, deren Schin
ken — als echte westfälische — einen wich
tigen Exportartikel jener Provinz bilden und
meist besser bezahlt werden als ähnliche
Producte anderer Länder. Freytag.
Lippen. Die Lippen (labia oris) vervoll
ständigen am untersten (vordersten) Theile des
Kopfes die Wandungen der Maulhöhle und
umsäumen den in die letztere führenden Ein
gang— die Maulspalte, das Maul (os). —
Sie sind bei den verschiedenen Hausthieren
mehr oder weniger beweglich und wegen ihres
Nervenreichthums in hohem Masse empfind
lich; dieselben vermitteln nicht nur die Auf
nahme des Futters, dessen Herausfallen aus
der Maulhöhle durch den Lippenverschluss
verhindert wird, sondern müssen auch als
Gefühls- und Tastorgane angesehen werden.
Man unterscheidet eine Ober- oder Vorder
lippe (labium superius) und eine Unter
oder Hinterlippe (labiuminferius),von denen
sich die erstere an die Zwischenkieferbeine,
die letztere an den Körper des Unterkiefers
befestigt; beide Lippen werden durch den
Maulspalt von einander getrennt.
Die Lippen des Pferdes zeichnen sich
durch grosse Beweglichkeit und Empfindlich
keit aus, welche Eigenschaften der Oberlippe
in noch höherem Masse als der Unterlippe
zukommen. Die äussere Fläche wird von der
allgemeinen Hautdecke gebildet, welche sich
sehr fest mit den unter derselben gelegenen
Muskeln verbindet. Zwischen den feinen, kur
zen Haaren, welche die Haut bedecken, finden
sich in grösserer Zahl lange, borstenförmige
Haare, deren verhältnissmässig grosse Haar
säcke tief in das Unterhautbindegewebe reichen
und in die Muskeln eingebettet sind. Zu jedem
dieser Haarsäckchen geht ein feiner Nerven
zweig, so dass die langen, borstenförmigen
Haare der Lippen wirkliche Tast- oder Ge
fühlsorgane darstellen; sie werden demgemäss
zu den Tast- oder Fühlhaaren gerechnet. In
der Mitte der Oberlippe verläuft der Längen
richtung des Kopfes nach eine seichte, un
deutliche Vertiefung — Lippenrinne. An
dem oberen (hinteren) Theil der Unterlippe
findet sich eine unter der Haut von Binde
gewebe, Fett und Muskeln gebildete Wulst,
welche als Kinn (mentum) bezeichnet wird.
Die vollkommen glatte, röthliche oder gelb
lichrothe, nicht selten schwarzgefleckte Schleim
haut, welche die innere Fläche der Lippen
bekleidet, hat im allgemeinen denselben Bau
wie die Maulschleimhaut (s. d.) und vermittelt
hauptsächlich die Anheftung der Lippen an

den Zwischenkieferbeinen, bezw. am Unter
kiefer. An der Stelle, wo sich dieselbe in die
den Knochen bekleidende Schleimhaut um
schlägt, entstehen bei dem Zurückklappen der
Lippen unregelmässige, kleine, verstreichbare
Falten, welche wohl nicht als Lippenbänd
chen bezeichnet werden können. An dem freien
Rande der Ober- und Unterlippe stossen die
äussere Haut und die Schleimhaut der Lippen
zusammen; am Maulwinkel oder Lippen
Winkel (angulus oris) geht rechts und links
der freie Rand der Oberlippe in den der Unter
lippe über.
Die Hauptmasse der Lippen wird durch
die Muskeln zwischen der äusseren Haut und
der Schleimhaut gebildet (s. Lippenmuskeln).
An der inneren Fläche der Schleimhaut
finden sich zahlreiche, platte, gelbröthliche,
kleine bis reichlich erbsengrosse acinöse
Drüsen — Lippendrüsen (glandulae labia
les) — deren kurze Ausführungsgänge die
Schleimhaut durchbohren und an der freien
Fläche der letzteren mit kleinen, jedoch dem
blossen Auge noch deutlich erkennbaren Oeff-
nungen münden. Die Lippendrüsen sondern
Schleim ab; sie sind besonders zahlreich an
der Oberlippe vorhanden, während sich ihr
Vorkommen an der Unterlippe hauptsächlich
auf die Nachbarschaft der Maulwinkel be
schränkt.
Die Lippen erhalten arterielles Blut durch
die Kranzarterie der Ober-, bezw. der Unter
lippe und durch die Gaumenarterie, das Venen
blut strömt durch die gleichnamigen Kranz
venen ab. Die zahlreichen Lymphgefässe füh
ren nach den submaxillaren Lymphdrüsen.
Die Empfindungsnerven stammen vom Ober
und Unterkieferast des 8. Nerven, die Lippen
muskeln erhalten Zweige vom 7. Nerven.
Die Lippen des Rindes sind kürzer,
steifer, weniger beweglich als die des Pferdes;
die Oberlippe umfasst in der Nähe des Maul
winkels aussen die Unterlippe. Der zwischen
beiden Nasenlöchern gelegene und behaarte
Theil der Oberlippe wird Flotzmaul oder
Nasenspiegel genannt (s. Flotzmaul). Am
Rande der Lippen finden sich härtliche, un
regelmässige, flache Wärzchen, ähnliche be
decken in einem schmalen, unbehaarten Strei
fen die Haut der Unterlippe nahe dem freien
Rande. Die orangegelben Lippendrüsen finden
sich am zahlreichsten in der Nachbarschaft
des Maulwinkels.
Die sehr viel beweglicheren und längeren
Lippen des Schafes sind kurz behaart, und
zwischen den beiden Nasenlöchern besitzt die
Haut an einer kleinen Stelle eine ähnliche
Beschaffenheit wie am Flotzmaul des Rindes
(s. Flotzmaul). Am freien Rande der Lippen
erheben sich in einer Reihe grosse, harte
Warzen dicht neben einander. An der äusseren
Fläche der Oberlippe markirt sich die Lippen-
rinne in Gestalt einer sehr deutlich ausge
prägten Furche.
Die Oberlippe des Schweines verschmilzt
an ihrem vorderen Ende mit dem Rüssel
(s. d.). Beide Lippen sind kurz, wenig beweg
lich und sparsam behaart. Die Unterlippe

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