Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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field zum Verkauf gebrachten Pferde um die
Wette laufen liess. Als dann durch die langen
Kriege die Pferdezucht vernichtet war, ver
suchten die Herrscher dieselbe durch Rennen
zunächst zu Chester und dann auf der Haide
zu Epsom zu heben. Rev. R. Rodgers sagt
im Jahre 1595, dass seit Menschengedenken
alljährlich auf dem noch heutigen Rennplatz
zu Chester, Roodee genannt, ein Rennen um
eine silberne Glocke stattgefunden habe.
Unter dem 10. Januar des dritten Jahres der
Regierung Heinrich VIII., welcher 1509 den
Thron bestieg, wird in einer von der Stadt
vertretung zu Chester erlassenen Verordnung
bestimmt, dass alljährlich um eine Glocke
im Werthe von 3 Shillings 4 Pence auf dem
Roodee gelaufen werde. Jedoch erst unter
Jacob I. (1603—1625) nahmen die Rennen
festere Gestalt an. Die Preise blieben aber
nur unbedeutend und bestanden meist aus
kleinen silbernen Glocken. Erst unter Karl II.
(1660—1685) wurde ein Preis an Silbergeräth
im Werthe von 100 Pfd. Sterling gegründet.
Von der Zeit wachsen in England mit den Be
strebungen der Pferdezucht auch die Rennen.
Bereits im Jahre 1780 wurde das jetzt grösste
Rennen, das Derby zu Epsom, gegründet.
In Frankreich haben - die ersten form
losen Rennen in der Bretagne, der Auvergne
und in Burgund stattgefunden, und im letzten
Viertel des XVIII. Jahrhunderts fing man
an, regelmässige Rennen bei Fontainebleau,
Vincennes und in der Ebene von Sablons ab
zuhalten. Dann griff Napoleon I. wie in die
Pferdezucht so auch in den Rennsport fördernd
ein, indem zu Pin, Paris und Saint-Brieuc
regelmässig gelaufen wurde, doch wurden die
Rennen erst erfolgreich, als sich 1833 die
Societö d’encouragement pour l’amdlioration
des races de chevaux en France gebildet
hatte.
In Deutschland und Oesterreich-Ungarn
fing man zu Ende des ersten Viertels
des XIX. Jahrhunderts an, sich den regel
rechten Rennen zuzuwenden, und erst in den
Vierzigerjahren gewannen dieselben an Be
deutung. Deutschlands Derby wurde 1869
und das österreichische ein Jahr früher ge
gründet. In Deutschland ruht die Thätigkeit
des Union-Clubs, in Oesterreich-Ungarn die
des Jockey-Clubs besonders wohlthätig und
fördernd auf der Entwicklung des Rennsports,
für welchen beide Körperschaften sehr be
trächtliche Summen verwenden.
Auch Amerika und Australien haben ihre
Rennen und gleichfalls auch Asien. Hier sind
nach dem Vorausgange in Britisch-Indien,
in Persien im Jahre 1890 die ersten, nach
europäischem Muster eingerichteten Rennen
abgehalten worden. Grassmann.
Rennen nennt man es, wenn Hochwild
stark läuft oder flüchtig ist. Ableitner.
Renner, Th. (1779—1850), studirte Thier
heilkunde in Berlin bis 1802, wurde in Moskau
frei prakticirender Arzt und Thierarzt am
Schlachthof, studirte daselbst Medicin, wurde
1810 zum Doctor promovirt und als Professor
für Thierheilkunde an der Universität angestellt,

machte 1812—1814 die Feldzüge in einem
Kosakenregimente mit, siedelte dann nach
Berlin und 1816 nach Jena über, wo er eine
Thierarzneischule gründete und derselben als
Director 33 Jahre (bis 1849) vorstand. Schrieb
über Influenza, Wuth, Neurotomie, Hufgelenks
lahmheit und übersetzte D’Arboval’s Wörter
buch für Veterinärmedicin ins Deutsche. Sr.
Renngesellschaft, auch Renncompagnie
genannt, ist eine Vereinigung von zwei oder
mehreren Besitzern von Rennpferden, welche
diese auf gemeinsame Kosten unterhalten und
für Rennzwecke ausnützen.
Besteht die Renngesellschaft aus nur
zwei Mitgliedern, so pflegt eines derselben
als eigentlicher Besitzer, das andere als
Manager für dieselbe thätig zu sein, ist die
Gesellschaft dagegen aus mehreren Mit
gliedern zusammengesetzt, so hat sie meist
einen eigens besoldeten Manager und die
Gesellschaft nimmt einen besondern Namen
wie General Peel, Capitain Blue u. s. w. an,
dessen Form sich aber auch einzelne Renn
pferdebesitzer als Pseudonym bedienen. Gn.
Rennkalender werden die jährlich in
Buchform erscheinenden Zusammenstellungen
der für den Rennbetrieb wichtigen Angelegen
heiten genannt, welche theils dem verflos
senen Jahr angehören, theils für das künftige
in Betracht kommen. So gibt der Rennkalender
die Statistik der Rennen des abgelaufenen
Jahres, einen Nachweis der gestarteten
Pferde, die Siegerlisten der grossen Rennen,
die Propositionen für das nächste Jahr, die
Namen der für die Zuchtrennen genannten
Pferde, die Rennfarben der einzelnen Renn
pferdebesitzer, die Namen der Mitglieder des
Schiedsgerichtes u. s. w. Fast jede Nation,
die Vollblutzucht und Pferderennen treibt,
hat ihren besonderen Rennkalender. Gn.
Rennpferde (engl. Race horses oder
Thoroughbreds, frz. Chevaux de course) nennt
man gewöhnlich alle diejenigen Pferde, wel
che hauptsächlich, d. h. in erster Linie
dazu bestimmt sind, auf der Rennbahn im
Rennlauf (carriöre) ihre grössten Leistun
gen zu zeigen. Das Rennpferd wird auch oft
mals Vollblutpferd (engl. Full-blood, franz.
Pur-sang) geöannt, und es soll hiemit an
gedeutet werden, dass selbiges ein rein -
blütiger Nachkomme des edlen arabischen
Pferdes ist, doch konnte der Beweis für diese
.Annahme bislang noch nicht beigebracht
werden ; man war meist nur im Stande, ge
schichtlich nachzuweisen, dass diese Thiere
grösstenteils aus der orientalischen
Rasse hervorgegangen sind; immerhin kann
auch etwas anderes Blut in ihnen Hiessen.
Der König Jakob I. von England liess
im Jahre 1620 einen weissen orientalischen
Hengst, „the white turc“ genannt, impor
tiern! und denselben zur Paarung mit den
etwas später eingeführten arabischen Stuten
verwenden.
Ueber die daraus hervorgegangene Nach
zucht ist wenig bekannt geworden, immerhin
soll dieselbe bei grossen Volksfesten zu Wett
rennen benützt worden sein.

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