Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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BIND.

Steppenvieh, 2. das nordische oder Niederungs-
vieh und 3. das Alpenvieh. Da aber unter
letzterem sehr verschiedenartige Schädel- und
Körperformen vorkommen, so ist diese dritte
Abtheilung Baranski^s nicht genügend, um
alle Rinderrassen zu umfassen, welche nicht
dem Steppenvieh und nicht dem Niederungs-
vieh angehören, ja es gibt zahlreiche Rinder-
rassen, welche man in jene drei Baranski-
schen Abtheilungen nicht unterbringen kann,
weil sie weder dem einen noch dem anderen
Abtheilungsbegriff entsprechen.

C. Freytag („Tabellarische Uebersicht
der europäischen Kinder“, Halle a. d. Saale
1890) hat kürzlich in seiner tabellarischen
Uebersicht der europäischen Kinder sechs
Kassengruppen aufgestellt, die er wie folgt
benennt: 1. Gruppe der Niederungsrassen,

2. Gruppe der Land- und Höhelandrassen,

In der That ist ein solches Unternehmen
auch völlig unnöthig, weil das, was man
„Rinderrasse“ nennt, ein ziemlich willkürlicher
und unbestimmter Begriff ist. Wenn man
sich nur an die Körperform des Kindes hält,
dann sind z. B. Algäuer, Montavoner und
Schwyzer gar nicht von einander zu unter-
scheiden. Man kann 20 verschiedene Namen
wählen für die Rinder der Niederlande, Ost-
frieslands und Oldenburgs, aber selbst ein
Kenner wird keinen wesentlichen Unterschied
unter ihnen finden. Häufig wird aus rein ge-
schäftlichen Rücksichten ein neuer Name
aufgestellt, der mit einer Verschiedenartigkeit
der Körperform gar nichts zu thun hat. Die
252 von Freytag ausgezählten Rassen und
Schläge lassen sich demnach mit Leichtigk< it
auf 300 bringen, aber sie lassen sich auch
sehr leicht auf einige fünfzig vereinfachen,

Fig. 1525. Aberdeen-Angus-Färse (Holzschnitt).

3. Gruppe der breitstirnigen Gebirgsrassen,

4. Gruppe der kurzhornigen Gebirgsrassen,

5. Gruppe der kurzköpfigen Gebirgs- und
Höhelandrassen, 6. Gruppe der Steppenrassen.

In diesen sechs Gruppen hat Freytag
252 Rassen und Schläge ausgezählt. Rechnet
man dazu die englischen Holderness und das
von Spanien nach Nordamerika ausgeführte
Texasvieh, trennen wir die englischen Guern-
seys von den Jerseys und Alderneys und er-
gänzen noch einige andere von Freytag nicht
angeführte Schläge, so bekommen wir gegen
300 in Europa und Amerika (die amerika-
nischen Binder stammen sämmtlich aus Europa)
einheimische Rinderrassen und Schläge.

Das ist eine grosse Zahl, die den grössten
Reiz bietet, sie durch Zusammenfassen ver-
schiedener Formen zu vereinfachen und so
ihre Uebersichtlichkeit zu erleichtern. Bis jetzt
gibt es kein wissenschaftliches Werk. welches
alle diese verschiedenen Formen beschreibt
und von einander unterscheidet.

wenn man nur wirkliche Körperunterschiede
ins Auge fasst.

Man darf nicht vergessen, dass der Be-
griff „Rasse“ ein menschlicher Ordnungs-
begriff ist und dass sich so viel Rassen auf-
stellen lassen, als es das menschliche Ord-
nungsbedürfniss erfordert. In der Natur gibt
es keine Rassen, sondern diese bestehen nur
im Geiste des Menschen, wo die Rassen den
Fächern gleichen, in denen man verschieden-
artige Naturkörper unterbringt. Je grösser
die Zahl dieser Fächer ist, desto schwieriger
aber ist die Uebersicht derselben.

Um der Streitfrage aus dem Wege zu
gehen, ob irgend eine Körperform des Rindes
diejenigen Eigenthümlichkeiten bietet, welche
sie berechtigt zu einem Rassennamen oder
nur zu dem Namen eines „Schlages“, will
ich den Namen „Rasse“ in der folgenden
Uebersicht ganz vermeiden und — nach eng-
lischem Vorbilde — nur von „Zuchten“ oder
„Schlägen“ und von „Zuchtgruppen“ sprechen

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