Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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Umständen auch 19, wobei die 19. bei feh
lendem 19. Rückenwirbel eine sog. Fleisch
rippe oder Costa fluctuans darstellt); von
diesen sind 8 Paare wahre und 10 Paare fal
sche Rippen. Die Hauswiederkäuer besitzen
13 Rippenpaare, und zwar 8 wahre und 5 fal
sche. Das Schwein 14—17, von denen 7 wahre,
die Fleischfresser endlich 13 Rippenpaare,
von denen 9 wahre und 4 falsche sind.
An jeder Rippe unterscheidet man ein
oberes Ende, ein Mittelstück und ein unteres
Ende. Das obere Ende trägt die beiden Ge-
lenkhervorragungen zur Articulation mit der
Wirbelsäule, das Rippenköpfchen (Capi-
tuluin) und Rippe» bücke r eben (Tuber
culum costae). Beide sind durch einen von vorn
nach hinten an Tiefe immer mehr abnehmenden
Einschnitt von einander getrennt und ver
schmelzen an den beiden letzten Rippen mit
einander. Sie articuliren mit Gelenkvertiefun
gen, die theils gemeinschaftlich von den
Körpern zweier aufeinander folgenden Wir
bel (Pfanne für das Rippenköpfchen) ge
bildet werden, theils an der unteren Fläche
der Querfortsätze (Querfortsatzpfanne) sich
vorfinden. Das Mittelstück oder der Körper
der Rippe läuft zuerst nach aus- und rück
wärts, biegt dann nach abwärts um und bil
det hiebei den Rippenwinkel. Es zeigt
zwei Flächen, eine äussere und eine innere
oder Brusthöhlenfläche. Die letztere erscheint
meist platt, die erstere besitzt in der Nähe
ihres vorderen Randes eine nach dem unteren
Ende der Rippe sich mehr und mehr ver
flachende rinnenartige Vertiefung. Ferner zwei
Ränder, einen vorderen scharfen, der Median
ebene zugewandten, und einen hinteren stum
pfen. Das untere Ende zeigt eine schmale,
höckerige Fläche zur Verbindung mit den
Rippenknorpeln.
Die Betrachtung der Rippen eines Brust
korbes ergibt, dass dieselben hinsichtlich
ihrer Form, namentlich ihrer Länge, Breite
und Krümmung, ferner hinsichtlich ihres
Verlaufes nicht unwesentliche Verschieden
heiten zeigen. Bei dem Pferdethorax nimmt
die Länge der Rippen bis zur XI. progressiv
zu, dann wieder ab, so dass die Länge der
letzten Rippe etwa der der III. gleichkommt;
die Breite und damit die Stärke der Rippe
nimmt von der I.—VII. Rippe zu, von hier
ab. Die hinteren sechs Rippen sind die
schmälsten und nur etwa halb so stark wie
die vorderen. Die Krümmung der Rippen,
von welcher neben der Richtung derselben
die Qnerdurchmesser der Brusthöhle abhängig
sind, ist an der I. Rippe fast Null, von der
VII.—XL Rippe am bedeutendsten. Von der
XII. Rippe ab werden die Rippenbogen
flacher. Der Scheitel der Rippenkrümmung
liegt an der ersten Rippe etwa in der Mitte
derselben; im weiteren Verlaufe des Brust
korbes nach hinten rückt derselbe immer
höher nach dem Rippenwinkel hinauf und
fällt schliesslich fast mit diesem zusammen.
Was die Lage und den Verlauf der
Rippen an den verschiedenen Stellen des
Thorax anbelangt, so ist die I. Rippe mit
K oe li. Encyklopädie d. Thierheilkd. VIII. Bd.

ihrem oberen Drittel senkrecht gestellt und
verläuft mit ihrer unteren Abtheilung schwach
gekrümmt nach unten und vorne und zugleich
medialwärts. Die II. Rippe verläuft ähnlich;
doch ist dieselbe mehr gestreckt und liegt
mehr parallel zur Medianebene; die Conver-
genz der unteren Rippenenden ist geringer.
Die darauf folgenden sieben Rippen verlaufen
in nach hinten zunehmendem Grade von ihrer
Verbindung mit der Wirbelsäule lateral-
und rückwärts, wobei sie sich etwas nach ab
wärts senken. Von dem Rippenwinkel ab
ziehen sie fast senkrecht nach abwärts, wo
bei sie nach der Kante schwach gekrümmt
sind, so dass sie einen vorderen, schwach
concaven, der Medianebene näher liegenden,
und einen hinteren, entsprechend convexen
Rand zeigen. Bei den hinteren acht Rippen
endlich nähert sich das obere Endstück in
seinem Verlaufe immer mehr der Horizontal
ebene; bei den letzten Rippen steigt dasselbe
sogar in nach rückwärts zunehmendem Grade
zunächst in schräger Richtung in die Höhe,
um dann mehr horizontal nach dem Rippen
winkel zu verlaufen. An letzterem erfährt die
Richtung der Rippen eine Abänderung in der
Weise, dass dieselben in schräger Richtung
nach ab- und rückwärts verlaufen, um sich
mit ihrem unteren Ende etwas nach vorne
zu krümmen. Eine Folge des beschriebenen
Verlaufes der Rippen ist die Thatsache, dass
die Lage des oberen und unteren Endes einer
jeden Rippe gegenüber einer Frontalebene
verschieden ist.
Die Achse, welche die Mittelpunkte der
Capitula und Tubercula der Rippen verbindet,
die Drehachse derselben, verläuft in schrä
ger Richtung von unten und medialwärts nach
oben und lateralwärts und zugleich von unten
und vorne nach oben und hinten. Der Grad
der Neigung dieser Achse ist jedoch bei den
verschiedenen Rippen verschieden. Die Winkel,
welche die Drehachsen der Rippen mit der
Median- und Horizontalebene bilden, nehmen
von vorn nach hinten an Grösse ab, so dass
die Drehachse der letzten Rippen sich stark
der Sagittal- und noch mehr der Horizontal
ebene nähert und mit dieser fast zusammen
fällt.
Die Rippen haben die Bestimmung, die
Wirbelsäule nach beiden Seiten zu stützen, ferner
die Seitenwände des Brustkorbes zu bilden,
die, in ihrer Stellung veränderlich, bei der Re
spiration einander genähert oder entfernt
werden können. Die verschiedene Richtung
der Rippen, ihre verschiedene Stärke, ihre
verschiedene Anschlussweise an die Wirbel
säule und das Brustbein bedingen indessen
eine verschiedene Inanspruchnahme und
Leistung derselben an den einzelnen Partien
des Brustkorbes.
Es unterliegt in dieser Hinsicht keinem
Zweifel, dass die vordere Abtheilung des
Brustkorbes etwa bis zur VIII. Rippe, also
der Bereich der wahren Rippen, vorzugsweise
den Trag- und Stützapparat für die Wirbel
säule darstellt. Die mehr senkrechte Stellung
der Rippen, ihre bedeutende Stärke sowie die
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