Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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cesse darüber wurden nach dem Civilrechte
verhandelt. Später fassten die Aedilen, römische
Magistratspersonen für Marktpolizei und Markt
gerichtsbarkeit, die auf den Thier- und Sclaven
bandei sich beziehenden Gesetze zu einem be
sonderen Edict, dem Edictum aediliticum zu
sammen (s.d.). Aus dem alten römischen und ger
manischen Recht entwickelte sich das römisch-
canonisch-deutsche oder das gemeine Recht,
das in allen deutschen Ländern und Städten Ein
gang fand, die nicht besondere Particularrechte
(Land-.Provincial- und Stadtrechte) besassen. Sr.
Römische Viehzucht. In der Provinz Rom,
welche 1870 aus dem bis dahin dem Kirchen
staate verbliebenen Gebiete gebildet worden
ist, werden im Verhältnise zu anderen italie
nischen Provinzen ziemlich viele Hausthiere
gehalten und deren Zucht an manchen Orten
recht umfangreich betrieben. Die ganze Pro
vinz besitzt nach den 1876—1881 gemachten
Erhebungen 44.326 Pferde, 33.598 Esel und
Maulthiere, 96.587 Rinder und Büffel, 708.165
Schafe,101.057 Ziegen und 33.258 Schweine. Die
Viehzucht bildet einen Haupterwerbszweig der
dortigen Landbevölkerung, ganz besonders in
der Campagna. Der Ackerbau ist aber an den mei
sten Orten noch sehr vernachlässigt und könnte
bei rationellerer Feldbestellung sicher weit
höhere Erträge liefern. Unter den Getreide
arten ist Weizen die wichtigste, solcher wird
am meisten cultivirt, ausserdem noch Mais,
Hafer und verschiedene Futterpflanzen.
Das Klima Roms ist mit Ausnahme der
öden Campagna mild und gesund; nur im
südlichen Theile, im pontinischen Sumpflande
ist das Klima ungesund zu nennen.
Die Provinz wird von den Ausläufern der
Apenninen, dem Albaner-, Volsker- und Sa
binergebirge, zum Theil auch von dem der
Berge von Viterbo und Tolfa durchzogen, und
es eignen sich die dortigen Weideflächen
vortrefflich zur Ernährung von Schafen und
Ziegen. Beide Thiergattungen schätzen die
römischen Hirten sehr hoch; sie liefern ihnen
schöne Milch, Fleisch, Wolle, Haare und
Felle, die stets guten Absatz finden. — Die
Schafe sind den spanischen Merinos ähnlich
und in früherer Zeit sicherlich durch diese
Rasse veredelt worden; in neuerer Zeit hat
man hin und wieder französische Rambouillet-
Böcke zur Verbesserung der Rasse benützt
Die Pferde der römischen Campagna
galten in früher Zeit mit für die besten Ita
liens; sie waren und sind auch zum Theil
noch heute grösser und stärker als viele an
dere; ausgewachsene Hengste erreichen eine
Höhe von 1 65 — l'70m bei hinreichender
Breite in Brust- und Hüftenpartie. Der Kopf
dieser Rasse erscheint gewöhnlich lang und
etwas schwer, ist in der Nasenlinie fast immer
convex gebogen; ihre Augen sind häufig
etwas zu klein — sog. Schweinsaugen —,
die Ohren ziemlich gross, sehr beweglich und
deuten auf ein lebhaftes Temperament. Ihr
Hals ist meist hübsch gebogen und ziemlich
lang. Der etwas lange Leib erscheint oftmals
aufgeschürzt, könnte gedrungener und besser
gefüllt sein. Besonders bei den im halbwilden

Zustande, d. h. gänzlich im Freien lebenden
Thieren dieser Rasse lassen die Leibesformen
manches zu wünschen übrig; ihre Kruppe ist
in der Regel abschüssig und der lange Schweif
tief angesetzt. Die Gliedmassen sind trocken
und gewöhnlich mit derben Sehnen und festen
Hufen bestens ausgestattet. Ihre Haarfarbe ist
sehr verschieden; die Rappen (cervinos) sind
sehr beliebt, aber auch Schimmel (gregios)
werden gerne gesehen.
Die Gangarten der fraglichen Rasse zei
gen manche Eigenthümlichkeiten, besonders
auffallend ist ihr Schritt mit der hohen Ac
tion; aber gerade solchen hat der Römer bei
seinen Pferden gern. Den sog. spanischen Tritt
sollen die römischen Pferde sehr schnell er
lernen. Für den Dienst der leichten Cavallerie
sind sie wohl brauchbar, jedoch in der Re
gel noch als Wagenpferde höher geschätzt.
Als hervorragende. Züchter werden die Herren
Silvestrelli und Tittoni genannt, die auch
mehrfach ausländische Hengste zur Veredlung
des heimischen Schlages kommen liessen.
Die Büffel haben für die Viehzucht der
römischen Campagna eine grosse Bedeutung
und sind sowohl als Last- wie als Milchvieh
nicht gering zu schätzen. Im pontinischen
Sumpfterrain gedeiht diese Hausthiergattung
vortrefflich, wohingegen an Orten, die im
Sommer sehr trocken und im Winter sehr
kalt sind, der Büffel nicht zur guten Ent
wicklung gelangt und oftmals kränkelt.
Aus der fetten Büffelmilch verfertigt man
Käsesorten, die unter den Namen „Prevole“
oder „Mazzarelle“ in den Handel kommen und
verhältnismässig theuer bezahlt werden. Das
Büffelkalbfleisch wird höher geschätzt als
das älterer Ochsen, weil letzteres meist hart
und zähe ist und gewöhnlich einen starken
Moschusgeruch besitzt.
Die Büffel sind genügsamer als die Rin
der, und schon aus diesem Grunde schätzt
der Bauer jener Gegenden dieselben hoch.
Es werden dort alljährlich viele Thiere dieser
Gattung aufgezogen, und es soll ihre Zucht
eher zu- als abgenommen haben.
Die Rinder der römischen Provinz sind
ziemlich grosse starke Thiere, tiefleibig und
breitrückig, mit kräftigen Gliedmassen und
starken Hufen bestens ausgestattet. Beide
Geschlechter haben ansehnlich lange Hörner,
welche am Grunde ziemlich dick sind. Mei
stens sind sie grauweiss gefärbt, das Flotz-
maul ist aber schwarz oder schiefergrau. Auch
diese Rasse wird wie die der Romagna von
den Italienern in der Regel Razza Pugliese,
Tipo da Podolia genannt und ist sicherlich
mit dem Steppenvieh Podoliens und Ungarns
stammverwandt. Möglicherweise sind schon zur
Zeit der Völkerwanderung Büffel und Rinder aus
dem fernen Osten nach Italien gekommen.
Die Mastfähigkeit der römischen Ochsen
ist nicht besonders zu loben; die Thiere ent
wickeln sich etwas langsam und gebrauchen
viele Monate, um fett zu werden. Gewöhnlich
setzen sie dabei viel inneres Fett (Talg) ah; ihre
Fleischqualität könnte aber wohl etwas besser,
d. h. feinfaseriger und zarter sein.

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