Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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philis und Tuberculose. Meist schützt aber
das Gesammtbild bei gleichzeitigem Nach
weis einer Rotzinfection vor Verwechslungen.
In zweifelhaften Fällen empfehlen sich hier
Probeimpfungen an Thieren (Pferden, Eseln,
Maulthieren, Hunden, Meerschweinchen) und
Färbungen der Rotzbacillen im Geschwür
und Pustelsecret.
Die Behandlung dos Rotzes ist bei
Pferden nur in einzelnen Fällen zulässig,
beschränkt sich bei den übrigen Hausthiereu
nur auf eine Localbehandlung der Infections-
stellen und Geschwüre mit antiseptischen
Mitteln und ist beim Menschen insbesondere
beim chronischen Rotz stets angezeigt und
oft erfolgreich.
Die Frage, ob der Rotz des Pferdes
überhaupt heilbar ist oder nicht, ist noch
immer nicht endgiltig entschieden. Schon
Bourgelat und Dupuy und nach ihnen Zündel,
Bouley und zahlreiche französische und
nichtfranzösische Autoren sprechen sich
dahin aus, dass der Rotz bei den Pferden
zu den unheilbaren Krankheiten gehöre und
die angeführten Genesungs- und Heilungs
fälle auf einer irrthümlichen Diagnose oder
auf sonstigen Täuschungen beruhen, und dass
die meisten angeblich geheilten Pferde nach
vorübergehender Besserung später doch am
Rotz eingegangen sind. Die angebliche Hei
lung des Rotzes beruht nach diesen Autoren
nur in einem Ueberführen desselben in ein oc-
cultes, symptomloses Stadium der Krankheit,
das mehr oder weniger lange andauern kann,
über kurz oder lang aber wieder in deutlich
ausgesprochenen Rotz übergeht. Die Alforter
Schule und mit ihr alle Nichtcontagionisten
hielten den Rotz für eine nicht ansteckende,
heilbare Localaffection. Decroix, Bouzom,
Brusasco führen zahlreiche Fälle von Heilung
des Rotzes an und Haubner, DieckerhofF,
Bollinger, Levi u. a. geben die Möglichkeit
einzelner Heilungsfälle beim Rotz zu. Den
noch haben fast alle bisher gegen den Rotz
angewandten Mittel meist im Stich gelassen.
Versucht und empfohlen gegen den Rotz und
Wurm sind: Nux vomica von Delorme, Ar
senik von Martin, arsenigsaures Strychnin
von Ercolani und Bassi, Wallnussblätter-
decocte von Radioff, Wiegel, Mathaei,
Falke u. A., Kochsalz von Re, Eisenpräparate
von Turner u. A., Chlor von Leblanc, Lelong
und Hugot, Jod und Brom von Morton,
Tabourin, Rey, Salzsäure von Galy, Schier
ling, Scilla und Colchicum von Gohier, Ar
gentum nitricum von Ercolani, Cuprum sul-
furicum von Sevell und Youatt, Jodkupfer von
Hengeweld, Morton und Van Damm, Anti
monpräparate von Barthelemy, Busse u. A.,
Arsenik von Seubert, Naumann Anginiard, Vi-
dal, Rinquet, Ledru, Chlorbarium von Carriole,
Schwefel von Collaine, Holzkohle von Waldin
ger, Adstringentia von Lafosse, Aderlässe von
Vitet, Debeaux, Gaulle!, Sage, gute Nahrung und
tonisirende Mittel von Bouley gegen Wurm, Ab
führmittel, schweißtreibende Mittel und Mer-
curialpräparate von Solleysel, Eisen und Anti
monpräparate von Garsault, Quecksilberpräpa

rate von Bourgelat, Haubner, Poliansky, Cantha-
riden von Vines und Wagenfeld, Jodkalium von
Sage, Carbolsäure und Theer von Schaak.
Von Percivall werden eine grosse Menge von
Metall- und Pflanzenpräparaten, Salzen, Säu
ren etc. empfohlen, von denen sich Chlor
barium, Copaivabalsam, Cubeben, Staphis-
agria und rother Pfeffer am besten be
währt haben sollen. Am häufigsten wurden
Quecksilberpräparate (Sublimat, Kalomel,
graue Salbe, Präcipitat), Jod- und Bromprä
parate angewandt, weil man den Rotz mit
der Syphilis verglich und die gleiche Wir
kung dieser Präparate wie bei der Syphilis
erwartete. Ausserdem wurden vielfach ge
braucht Abführmittel (Aloe, Gummigutti, Ri
cinus, Mittelsalze), empyreumatische Mittel
(Russ, Theer, Theerdämpfe, Carbolsäure),
Chlorpräparate (Chlorzink, Chlorgas, Chlor
kalk), salicylsaures Natron, Schwefligsäuregas,
Borsäure etc. verbunden mit Exstirpationen,
Excisionen und Cauterisationen der Rotz-
und Wurmknoten, Lymphdrüsen und Ge
schwüre.
Für die Localbehandlung werden von
den Franzosen verschiedene ätzende und
scharfe Salben und Pasten empfohlen, so von
Terra!, Chabert, Delabere-Blaine, Lelong und
Girard Mischungen aus Sublimat, Terpentin,
Canthariden, Euphorbium, Arsenik etc. sowie
das Glüheisen und die Exstirpation der
Wurmbeulen. Decroix will zahlreiche Pferde
in Algier durch einfache Cauterisation und
Bouzom durch Exstirpation der Wurmbeulen
geheilt haben. Brusasco stellte angeblich
neuerdings in Turin viele rotzige Pferde
(25—50%) mit grossen Gaben Carbolsäure,
verbunden mit Jod, Sublimat, Eisenvitriol,
Theer- und Terpentindämpfen, Glüheisen und
Canlhariden her. Die Cur begann mit Acid.
carbolic. 5 0, Alkohol 20 0, Aq. 100. Die Gabe
wurde täglich um 2 g gesteigert und schliess
lich bis auf 60—80 g pro die gebracht, so
dass im Ganzen 1%—2% kg Carbolsäure im
Laufe von l 1 /,—2 Monaten verbraucht wur
den. Brusasco’s Schüler Tollovio und Saletta
wollen in Italien mit denselben Mitteln die
gleichen Erfolge erzielt haben. Dagegen be
wirkte die Anwendung grosser Gaben von
Carbolsäure im Norden (Russland, Peters
burg von Helman) und Borsäure (in Polen
von Neumann) nur vorübergehende Besse
rung, aber keine Heilung bei rotzigen Pfer
den. Levi in Italien will 16 frische Rotzfälle
durch tracheale Injection von Jod-Jodkalium-
lösung 0'05—0'2 pro dosi geheilt haben,
Tretjakow in Kasan und einige französische
Autoren erhielten dagegen bei diesem Ver
fahren negative Resultate. Eine wirkliche
Heilung des Rotzes bei Pferden ist daher
zum mindesten im Norden zweifelhaft oder
gehört zu den Ausnahmen.
Die Behandlung des Rotzes beim Men
schen beginnt mit energischer localer Zer
störung des Giftes an der Einwirkungsstelle
durch Excision oder Cauterisation mit con-
centrirten Mineralsäuren, Carbolsäure, Chlor
oder anderen Aetzmitteln oder mit dem Glüh-

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