Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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sich durch starkes Krümmen oder Einlassen
des Rückens sowie durch Bocken u. dgl. m.,
Momente, welche bei der Dressur sehr
in Betracht gezogen werden müssen. Auf
etwaigen Schmerz im Rücken muss bei solcher
Art sich benehmenden Pferden stets geachtet
werden, und empfiehlt es sich überhaupt bei
im Rücken empfindlichen (kitzlichen) Pferden,
vorsichtig und nicht übermüdend vorzugehen,
weil sie sonst durch rohe Behandlung, un-
nöthige Strenge und Ueberdauer in der Arbeit
verdorben werden.
Brände, verfärbte Haare, Narben, Sattel
drücke, Quetschungen, knorpelige und knö
cherne Verdickungen und Auftreibungen, Wun
den etc. kommen in ganz ähnlicher Art vor,
wie die diesseitigen Defecte am Widerriste
aufzutreten pflegen. Lechnir.
Rückenbinde, Lenden-Rückenbinde, Fascia
lumbo-dorsalis, ist die Umhüllungsaponeurose
der Rückenmusculatur. Sie zerfällt in ein
oberflächliches Blatt, welches den M. lon-
gissimus dorsi von aussen bedeckt und ein
tiefliegendes, welches den Raum zwischen
der letzten Rippe und dem vorderen Rande
des Darmbeins ausfüllt. Die Grundlage des
oberflächlichen Blattes wird von der Insertions-
aponeurose des M. latissimus dorsi gebildet
und inserirt sich am äusseren Darmbeinwinkel
und an den Dornfortsätzen der Rücken- und
Lendenwirbel mit Ausnahme der ersten drei
oder vier Rückenwirbel. Caudalwärts setzt
sich dasselbe auf die Kruppe fort und über
zieht diese. Nach vorne geht es auf die laterale
Fläche des M. rhomboideus und des Schulter
blattknorpels über. Von der unteren (inneren)
Fläche dieser Ursprungsaponeurose löst sich
in der Nähe der Dornfortsätze vom Widerrist
bis zur Lendengegend eine ziemlich starke
Fascie los, welche in der Lendengegend mit
den ersteren verschmolzen ist und hier auch
mit dem tiefen Blatte der Lenden-Rücken
binde in Verbindung steht. Sie liegt dem
M. longissimus dorsi unmittelbar auf, verleiht
dem vorderen und hinteren gezahnten Muskel
Ursprung, tritt in der Gegend des Schulter
blattes unterden hinteren rautenförmigen Muskel
und verschmilzt unter dessen vorderer Ab
theilung mit der handbreiten, sehr starken
Ursprungsaponeurose des M. splenius capitis
et colli und des M. complexus.
Das tiefe Blatt der Fascia lumbo-dorsalis
(Darmbeinlendenband, Günther) wird von
einer etwa drei Finger breiten, starken
Aponeurose dargestellt, welche an den Enden
der Querfortsätze der Lendenwirbel gelegen
ist und sich von den letzten Rippen bis zum
lateralen Darmbeinwinkel hinzieht. Am late
ralen Rande des M. longissimus dorsi ver
bindet sich die Fascie an ihrer oberen Fläche
mit dem oberflächlichen Blatte der Fascia
lumbo-dorsalis, an ihrer unteren Fläche am
lateralen Rande des M. psoas major mit der
die Psoasmuskeln überziehenden Aponeurose,
der Fascia iliaca. Eichbaum.
RUckenbiut nennt man bei Rindern
die Hämorrhoiden (s. d.), d. h. eine Erwei
terung und Ausbuchtung der Mastdarmvenen,

welche mit der per anum eingeführten Hand
als weiche, leicht blutende Wülste und Knoten
zu fühlen sind, so dass die Hand nach der
Untersuchung gewöhnlich mit blutigemSchleim
bedeckt ist. Die Knoten veranlassen öfter
heftigen Drang, wobei die Mastdarmschleim
haut hervorgepresst wird, wohl auch blutige
Excremente oder einzelne Blutgerinnsel ab
gesetzt werden. Häufigere Blutentleerungen
per anum führen zu allgemeinem Kranksein,
die Fresslust lässt nach, der Puls zeigt sich
aufgeregt, es geben sich selbst Bauchschmerzen
durch Unruhe und Schlagen mit den Füssen
zu erkennen; mit der Zeit kann es zur Hy-
- drämie und allgemeiner Schwäche kommen,
so dass die Thiere verenden. Alte Lungen
oder Herzfehler, Anschwellungen und Dege
nerationen der Milz oder der Leber, Ge
schwülste im Hinterleibe etc. • können die
Ursache des Rückenblutes abgeben, indem
diese die Bluteirculation im Hinterleib, speciell
in den Mastdarmvenen erschweren; in letz
teren staut sich das Blut zwischen den Venen
klappen an und buchtet hier die Venenhäute
knotig und ränkenförmig aus; in der Umge
bung der Knoten bildet sich in den Darm
häuten Hyperämie, seröse Durchfeuchtung und
Verdickung, mitunter selbst Entzündung aus.
In therapeutischer Hinsicht sorge man
für genügende Mistentleerungen durch Ab
führmittel und Klystiere. Zur Tonisirung der
Schleimhaut beriesele man den Mastdarm
mit kaltem Wasser oder adstringirenden
Solutionen.
Mitunter kommt es beim Milzbrand der
Rinder zu Blutungen aus den Mastdarmvenen,
die man früher ebenfalls als Rucken- oder
Lendenblut kennzeichnete (s.Lendenblut). Anr.
Rückenformen, s. Rücken.
Rückengänger ist eine in der Reiter
sprache, u. zw. zum Gegensatz von Schenkel-
gänger (s. d.) gebräuchliche Bezeichnung für
ein in gewisser Körperhaltung (ausgebildetes)
sich bewegendes Pferd. Diese Körperhaltung
besteht darin, dass das Pferd in unbedingter,
unausgesetzter, freiwilliger Beizäumung ver
harrt, d. h. den Kopf mit senkrechter Nasen
linie trägt. Eine nothwendige Folge hievon
ist aber die Aufwölbung des Rückens. In
solcher Haltung kann sich ein Pferd nur
unter steter Anspannung der Hals- und vor
züglich der Rückenmuskeln tragen und bei
Verstärkung der Bewegung zu dieser sich
nur durch den Rücken vorschieben. Ebenso
wird auch die Parade mit dem Rücken aus
geführt, wie überhaupt alle Bewegungen vom
Rücken aus, bezw. durch denselben geregelt
werden, weshalb ein solches Pferd auch
Rückengänger genannt wird.
Ob nun der Rücken- oder Schenkel
gänger für den praktischen Reitgebrauch ge
eigneter ist, darüber herrscht in Fachkreisen
grosse Meinungsverschiedenheit. Sicher aber
dürfte sein, dass der Rückengänger für kurze
Zeit eine weit höhere Leistungsfähigkeit als
der Schenkelgänger zu entwickeln im Stande
ist, der Reiter aus dem Rückengänger Alles,
was in ihm ist, herauszubringen vermag

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