Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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des Unterkiefers, wie dies bei den Viverriden
(Zibethkatzen) sich zeigt. Auch die Prämo
laren reduciren sieb, u. zw. so, dass der erste
Prämolar des Unterkiefers, dann der dem
selben entsprechende des Oberkiefers ausfällt;
die Rückbildung der zurückgebliebenen Mo
laren erfolgt von hinten nach vorne vor
schreitend. Auf diese Art zeigen sich bei den
Musteliden (marderartige R.) die Zahnformeln:
Mustela (Marder) ^ ^ ^ , Lutra (Fischotter)
il 1 äTY S ^ 6n ^ e ^ en (katzenartige R.)
Hyaena (Hyäne) Fehs g - - - , ferner
dem Machairodus (ein im Pliocän vorkommen
des Raubthier, welches in seiner Entwicklung
die Mitte hält zwischen den Mardern und
3 12 1
Katzen) — — ■ a — . Die Gleichförmigkeit
im Milchgebiss der verschiedenen Gattungen
der Carnivoren zeigt sich durch die entspre
chende Form des letzten Milchbackenzahnes
mit dem ersten bleibenden Molar, der später
den ersteren zu vertreten scheint.
Dieses starke Gebiss wird in seinen
Functionen noch wesentlich durch die mäch
tigen Kaumuskeln unterstützt. Zum Ansatz
derselben besitzt der Schädel einen hohen
Kamm; die hohe Kämiuung der Zahnbogen
gestattet den Durchtritt der Kaumuskeln, um
gleichsam die Hebelkraft der Kiefer zu ver
stärken. Eine Seitenbewegung der Kiefer
wird durch die quere Gelenkgrube des
Schläfenbeines und den walzenförmigen Ge
lenkskopf des Unterkiefers verhindert; die
Kiefer klappen ganz senkrecht aufeinander,
wodurch die erfasste Beute desto weniger
dem Räuber entrinnen kann. Das Schlüssel
bein fehlt entweder ganz oder ist nur rudi
mentär entwickelt; das Kahnbein und Mond
bein ist gegenseitig miteinander verwachsen,
aber nur bei den ausschliesslich fleisch
fressenden Raubthieren. Die Endglieder der
Vorder- und Hintergliedmassen sind Füsse,
enden überall, an den vorderen Extremitäten
mit fünf, den hinteren mit vier freibeweg
lichen Zehen, die je mit einer starken,
schneidenden Kralle versehen sind. Man kann
die Zehen als Hilfsorgane der Zähne be
trachten, indem dieselben zum Ergreifen und
Festhalten der Nahrung verwendet werden.
Uebrigens besitzen sie auch die Eigenschaft
einer fürchterlichen Waffe. Die Fuss- und
Zehenbildung bedingt die Gangart der ver
schiedenen Raubthiere und unterscheidet sie
demgemäss in Sohlen- und in Zehenläufer. Die
Verdauung erfolgt schnell und leicht, trotz
dem ihr Magen einfach, der Darmcanal ver-
hältnissmässig kurz ist und höchstens einen
kurzen, aber meist gar keinen Blinddarm
aufweist. Die Weibchen haben mehr als zwei
(bis 6) Milchzitzen am Bauche, werfen auch
mehr als ein Junges, die mit grosser Sorgfalt
von den Elternthieren gepflegt werden. Der
Uterus ist zweihörnig; die Placenta erscheint
als ringförmiges Gebilde. Bei vielen Thieren

dieser Gruppe ist das Vorkommen von Haut
drüsen charakteristisch, u. zw. gehören diese
zu den Talgdrüsen; ausser dem bekannten
Zwecke der Drüsenexcretion verbreiten sie
noch einen intensiven Geruch. Es sind dies
die Analdrüsen gewisser Species (wie die
Einzelbeschreibung hervorhebt) sowie die
Zibethdrüse der Viverren.
Vorherrschend sind die Raubthiere
Landbewohner, nur wenige (die Bären, Fisch
ottern) vermögen schwimmend im Wasser
sich aufzuhalten. Viele sind gute Kletterer,
halten sich demgemäss vorwiegend auf Bäumen
auf, andere verleben die Zeit, während welcher
sie nicht auf Raub ausgehen, in unter
irdischen Höhlen oder auch in Baumstämmen.
Ihre Fortbewegung erfolgt schleichend sowie
springend, kletternd oder schwimmend. Manche
Raubthiere leben als Einsiedler, die aller
meisten jedoch paarweise und nur selten in
Familien bei einander. Gewöhnlich werden
die jungen Thiere schon während der Raub
zeit mit ihrer räuberischen Bestimmung be
kannt gemacht, werden später von ihren
Eitern verstossen und müssen ihrem räube
rischen Triebe folgend sich ihren Nahrungs
bedarf selbst erringen. Im Gegensatze zu den
übrigen Säugethieren sind die Raubthiere
sog. Nacht- oder Dämmerungsthiere, d. h.
sie verschmähen das Tageslicht, indem sie
des Tages der Ruhe pflegen, dagegen während
der Dämmerung oder des Nachts beutesuchend
oft weite Districte unsicher machen. Ihren
Nahrungsbedarf entnehmen sie mit wenigen
Ausnahmen dem Thierreiche und bevorzugen
davon besonders die Warmblüter, sind also
carnivor; einige daneben auch insectivor oder
omnivor. Die dem Katzengeschlecht ange-
hörigen Raubthiere (Felis Leo, Felis Lynx
u. a.) sind auf frisches Fleisch angewiesen,
ihre Zunge ist mit rückwärts gestellten Horn
stacheln bedeckt, wodurch sie beim Belecken
des Fleisches das Blut aufzunehmen vermögen.
Häufig begehen sie nur des warmen Blutes
wegen einen Raub, das Fleisch ihres Opfers
verzehren sie nur bei quälendem Hunger;
Thiere derartigen Charakters sind die gefähr
lichsten Raubthiere. Andere Arten verzehren
nicht nur das Fleisch selbsterlegter Thiere,
sondern auch ältere Cadaver. Unter Umstän
den sind dem Menschen solche Raubthiere
(aus dem Hunde- und Hyänengeschlecht) in
hygienischer Beziehung unstreitig dienstbar;
durch Vertilgung der Menschen- und Thier-
leichen in tropischen Klimaten wird durch
sie die Entstehung von Miasmen beeinträch
tigt, sie vermindern demnach vermöge ihrer
Gehässigkeit die Verbreitung ansteckender
Krankheiten. Dies mag aber nur als eine
kleine Entschädigung für den sonst angerich
teten Schaden gelten. Während der kalten
Jahreszeit verfallen verschiedene Raubthiere
dem Zustande der Kältestarre, welche ge
wöhnlich als Winterschlaf bezeichnet wird.
Die bekanntesten derartiger Thiere sind die
Dachse und Bären; der Eisbär jedoch nicht,
weil derselbe infolge unausgesetzten Aufent
haltes im Eismeere, sowie seiner dadurch

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