Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000284/634/
ein Beinpaar, oder deren höchstens fünf be
sitzen und am Kopfe sechs dreitheilige Punkt-
augen haben, während bei den Afterraupen
nebst den sechs Brustbeinen stets noch mehr
als zwölf, gewöhnlich im Ganzen zweiund
zwanzig Beine vorhanden sind, auch ausser
den sechs Punktaugen noch zwei deutlich
wahrnehmbare Nebenaugen zeigen. Die letzten
Beine werden Nachschieber genannt. Der
Körper der Raupen erscheint als lange, ge
wöhnlich gleich dicke, öfters vorne und hinten
etwas verdünnte, unten abgeflachte Walze,
mitunter auch von ei- oder schildförmiger
(asselförmiger) Gestalt. Bei den Minirraupen
ist er gewöhnlich ganz Hach gedrückt. Er
besteht aus dreizehn Ringen (Segmente) mit
mehr oder weniger deutlichen Einkerbungen
(Einschnitte) Der Kopf (Caput) bildet den
ersten Theil, die übrigen zwölf Segmente den
Rumpf. Der Kopf ist immer deutlich er
kennbar, von sehr verschiedener Form und
Grösse, sowie horniger Substanz. Es ist deut
lich abgesetzt, selten eingezogen, meist rund,
mitunter vorne abgeflacht, gestutzt oder drei
eckig und z. B. bei den Spannerraupen oben
in zwei seitliche Ausstülpungen auslautend,
in der Gattung Apatura mit zwei dreieckigen
Hörnern versehen. Der ganze Kopf erscheint
als aus zwei Halbkugeln bestehend, die am
Munde auseinandertreten und dabei das
sog. Stirndreieck (Clypeus) einschliessen. Die
Oberlippe (Labrum) stellt eine am Kopftheil
bewegliche Platte vor, von der die übrigen
Mundtheile von vorne bedeckt werden. Unter
der Oberlippe liegen die Oberkiefer (Mandi
bulae) die mit zwei Gelenkhöckern in der
Wange eingefügt sind und zwei tasterlose, ge
zähnte, gegeneinander bewegliche Platten dar
stellen, welche wegen ihrer Bestimmung zum
Zerreissen der Nahrung äusserst stark ausge
bildet sind. Neben der Wurzel der Oberkiefer
befinden sich die stets, meist viergliedrigen,
zugespitzten, beweglichen Fühler (Antennae);
sie dienen gewöhnlich als Tast- und Geruchs
organe, und in ihren Vertiefungen verlaufen
deshalb zahlreiche Nervenzellen. Unter den
Oberkiefern schliesst sich die häutige Unter
lippe (Labrum), oben mit den Unterkiefern
(Maxillae) sowie den an diese befestigten kleinen
viergliedrigen Unterkiefertastern (Palpi maxil-
lares), dagegen unten auf der Innenseite mit
den zweigliedrigen Lippentastern (Palpi la
biales) an. Am Ende der Unterlippe befindet
sich eine hohle hornige Verlängerung, Spinn
warze genannt, aus welcher das Secret der
Speicheldrüsen durch zwei Oeffnungen an die
Luft tritt und dort zu den bekannten Fäden
verhärtet, oder auch als Gift erscheint. Die
Unterkiefer zeigen nur leichte Formen, sind
daher nicht zu kräftiger Arbeitsleistung bei
Aufnahme von Futter ermächtigt. Die Spei
cheldrüsen der Mundtheile sind als sackartige
Gebilde in grosser Anzahl vorhanden und
sondern ebenfalls Speichel zur Umwandlung
der Stärke in Zucker sowie Lösung der Eiweiss
stoffe des Futters ab. Die Augen der Raupen
sind gegenüber den übrigen Sinnesorganen
hoch entwickelt. Es sind Punktaugen und

diese erscheinen im Imago manchmal als
Nebenaugen. Ihre Netzhaut erscheint becher
förmig, die Linse bildet als Verdickung der
Cornea die sog. Corneallinse. Der Gehörsinn
hat seinen Sitz noch nicht mit positiver
Sicherheit erkennen lassen. Der Geruchssinn
befindet sich in den Fühlern. Zu den Gefühls
oder Tastorganen gehören die Fühler, Taster,
Beine, besondere Borsten sowie auch die
Haut. Der Körper der Raupen ist von einer
Haut von verschiedener Structur umgeben,
die bald nackt, bald mit Haaren, bezw. Sta
cheln bedeckt ist, mehr oder weniger dichte
Nervenverzweigungen erkennen lässt, durch
sichtig oder auch matt erscheint. Sind Chitin
ablagerungen vorhanden, dann erhält die Haut
ein leder-, hörn- oder panzerartiges Aus
sehen. Der Cuticula entspringen die Haare,
Stacheln und Höcker, die im Innern in zahl
reichen Canälen auslauten und wohl auch
als Athmungsorgane anzusehen sind. In der
Subcuticularschicht sind die den Raupen ihre
Farbenpracht verleihenden Pigmente in Form
ganz kleiner Schüppchen abgelagert, eben
falls befinden sich an dieser Stelle die Haut
drüsen, die ihr Secret durch Hautporen er-
giessen. Die ersten drei Ringe, Brustringe,
entsprechen dem Vorderleibe des ausgebil
deten Schmetterlings, u. zw. der erste dem
Vorderrücken, der zweite dem Mittelrücken,
der dritte dem Hinterrücken; die anderen bis
zum elften Ringe bilden den Hinterleib und
das zwölfte Segment den After. Auf dem
ersten Ringe liegt oft eine hornige Platte,
Schnecken- oder Halsschild genannt, die fol
genden Ringe zeigen nur bei wenigen Gat
tungen ähnliche Gebilde; häufiger ist der
Afterring mit einer meist hornigen drei
eckigen oder halbmondförmigen Klappe, der
sog. Afterklappe bedeckt. Die Brustringe
tragen auch die drei Paar fünfgliedrigen Brust
beine. Seitlich am Leibe sitzen an jedem
Ringe, den zweiten, dritten und zwölften aus
genommen, die Tracheen, welche sich äusser
lich durch Oeffnungen (Stigmen) zu erkennen
geben und oft durch ihre Farbe bemerkbar
machen. Diese Tracheen, die eigentlichen
Athmungsorgane der Raupen, stellen sich im
Körper als baumartig verzweigte Röhren mit
zahlreichen Bifurcationen dar und münden
als Stigmen paarweise zwischen den Verbin
dungshäuten der Körperringe. Die Stigmen
selbst sind kreisrund, auch spaltförmig, um
geben von einem ihrer Form entsprechenden
Wellrande, und tragen sehr complicirt gebaute
Verschlussvorrichtungen. An den Bewegungen
des Hinterleibes der Raupen erkennt man
das Einpumpen der Luft in die Tracheen.
Die Stigmen des ersten und elften Segmentes
sind gewöhnlich grösser als die anderen.
Manche Raupen, z. B. die der Equitiden, tra
gen auf dem ersten Ringe eine fleischige,
zurückziehbare Gabel, oder auf dem vor
letzten ein nach hinten gebogenes Horn (Ein
hornraupen). Die Brustfüsse, auch Klauenfüsse
genannt, sind in der Basis dicker, verengen
sich gegen das Ende zu und Schliessen mit
einer hornigen Klaue ab; es sind dies die

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