Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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welche dem Respirationsapparate obliegen,
fordert 1. die Beschaffung einer möglichst
grossen Berührungsfläche zwischen Luft und
Blut und 2. die Ermöglichung einer zweck
entsprechenden Lüftung oder Ventilation der
Lunge. 3. Nebenher finden gewisse untergeord
nete Functionen in dem Respirationsapparate
ihre Berücksichtigung, welche mit jenen zusam
men dem Athmungstractus sein eigenartiges
Gepräge aufdrücken, wie die Stimmbildung.
1. Die Beschaffung einer dem Respi
rationsbedürfnisse entsprechend grossen,
athmenden Oberfläche bewerkstelligt
beim Säuger und Vogel der drüsenartige Bau
der Lungen. Während diese bei den niederen
Lungenathmern nichts als blasige Säcke mit
reicher Gefässverbreitung in deren Wand sind,
gestalten sie sich bei jenen zu vielfach sep-
tirten Hohlorganen, deren Einzelräume durch
die luftleitenden Wege mit der Aussenwelt in
Verbindung gesetzt werden; bei unseren
Haussäugern werden die eigentlich respiri-
renden Theile der Lunge durch eine Unzahl
(Hunderte von Millionen) kleiner polygonaler,
ovoider und sphärischer Bläschen von 0'06
bis 0'2 mm Durchmesser, die sog. „Lungen
bläschen“ oder „Alveolen“ gebildet, welche
in Gruppen einen je von ihnen aus durch
eine kleine Oeffnung (Alveolarzugang) zu
gänglichen röhren-, bezw. trichterförmigen
Gang, den Terminalbronchus oder das Infun-
dibulum umlagern; dieser setzt die zu einem
Läppchen, Lobulus, vereinten Alveolen als
der Endausläufer eines weitverzweigten Ast
systemes des Luftröhrenstammes (Bronchial
baumes) mit diesem in Communication. Durch
die Falten- und Septenbildung erlangt die
innere Lungenoberfläche eine ganz enorme
Grösse (81—90 qm beim Menschen [Marc
Söe, Zuntz], ca. 300 qm beim Pferd und Rind,
50 qm beim Hunde, 12 qm bei der Katze, d. i.
das ca. 54fache der Körperoberfläche, wogegen
sie Colin beim Pferde nur etwa auf das
ö‘/ s fache derselben veranschlagt). — Bei den
Wasserthieren wird die athmende Oberfläche
von den Kiemen gebildet; das sind rippen
artige Spangen in der Wand des Kopfdarmes,
welche von der gefässreichen, in zahllosen
Falten und Zotten sich erhebenden Schleim
haut bekleidet sind; zwischen ihnen liegen
die Kiemenspalten, die dem Wasser den
Durchtritt gewähren behufs Abgabe seines 0
und Aufnahme der Blut-C0 2 . — In der Lunge
sind Luft und Blut einzig durch die dünnen
Wandungen der Alveolen und Capillaren von
einander geschieden; beide Membranen zu
sammengenommen messen in der Dicke etwa
2—3 p., gleichen also einer zarten Seifenblasen
haut und vermögen deshalb ebenso wenig wie
diese dem Diffusionsverkehr von Gasen einen
irgend erheblichen Widerstand entgegenzustel
len; da durch 1cm 2 einer Flüssigkeitslamelle
von der Dicke der Seifenblasenhaut nach Exner
in 1' ca. 0 5—0‘64 cm 3 Luft hindurchtreten, so
würde die Lunge bei ihrer immensen Oberfläche
einem selbst um das 5—600mal grösseren Quan
tum O den Durchlass gestatten, als in der ge
gebenen Zeit wirklich die Alveolarwand passirt.

2. Die Lunge, das eigentliche Organ des
Gasaustausches, besitzt in sich nicht die
Kräfte, die in ihm zur Verwendung gekom
mene Luft durch neue O-reiche und CO s -
arme Luft zu ersetzen, d. h. ihren eigenen
Innenraum zu lüften. Zur Ermöglichung der
Ventilation bedarf sie vielmehr der Mit
wirkung eines besonderen Saugdruckappa
rates, welcher mit ihr derart in Verbindung
gebracht ist, dass durch seine Action Luft in
die Lunge eingesaugt, bezw. aus ihr ausge-
stossen wird. Bei den Tracheenathmern reicht
der einfache Diffusionsstrom, welcher zwischen
der in den Tracheen (s. d.) befindlichen und
der atmosphärischen Luft unterhalten wird,
zur Stillung des O-Bedürfnisses aus. Bei den
Bronchialen dient der Kiemenapparat sowohl
dem Gaswechsel (s. o.), als dem Durchtriebe
des Wassers durch die Kiemenspalten; letzte
ren bewirkt das Ineinandergreifen musculöser
und elastischer Kräfte; die zwischen den
Kiemenbögen quer ausgespannten Muskeln
verengern durch ihre Contraction die Kiemen
spalten und treiben so das in ihnen befindliche,
der Athmung gedient habende Wasser aus
(Exspiration); die Elasticität der Kiemenknor
pel dilatirt, wenn jene Muskeln erschlafft sind,
die genannten Räume und setzt dadurch die
inspiratorische Saugkraft zur Füllung der
selben mit neuem Wasser. Bei den Vögeln
und Säugern wohnen die Triebkräfte für den
Luftein- und Austritt zum und vom Athmungs-
organ dem die Lungen beherbergenden Brust
körbe inne. Indem ihm die Lungen herme
tisch eingefügt sind, so dass die Luft auf
deren äussere Oberfläche nirgends irgend
welchen Einfluss auszuüben vermag, während
dieselbe mit ihrer ganzen Last auf deren
innere Oberfläche, zu welcher sie dank den
luftleitenden Wegen Zutritt findet, drückt,
bringt sie die Lungen in directe Abhängig
keit von der Brustwand; sie weist dadurch
zunächst den in hohem Grade dehnbaren
Organen die Wandungen der Brusthöhle einer
seits und die sonstigen Brusteingeweide ande
rerseits als directeste unmittelbare Nachbarn
an, und zwingt sie so, den von den letzteren
übriggelassenen Raum der Brusthöhle gänz
lich auszufüllen; sie veranlasst auf diese
Weise weiterhin die absolute Unterordnung
der Lunge in ihrem Umfange unter die
Weite des Cavum pleurae; jede Ausweitung
dieses erfordert als unabweisliche Consequenz
eine Umfangszunahme der Lungen, jede Ein
engung jenes eine Verkleinerung dieses. Da
nun jede Umfangsvermehrung eines gashal
tigen Raumes mit Tensionsabnahme Hand in
Hand geht, so wird vermöge der allgemeinen
Eigenschaften der Gase, sich in communici-
renden Räumen auf hier und dort durchaus
gleichen Druck einzustellen, von der Atmo
sphäre so lange Luft in die Lungen eindringen,
bis der durch Lungenausweitung erzeugte
Druckunterschied ausgeglichen ist. Umgekehrt
comprimifi die Verkleinerung der Lunge ihren
Inhalt; die Lungenluft wird somit unter
höheren Druck versetzt als die atmosphärische
Luft; Folge ist ein Ausweichen jener, ein Strö

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