Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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zuge ab über ihr normales Volumen ausge
dehnt; sie wird deshalb als ein Organ von
hervorragender und vollkommener Elasticität
fort und fort das Bestreben äussern, sich
auf ihre natürliche Grösse (den Retractions-
umfang) zurückzuziehen. Wenn ihr das auch,
so lange wenigstens dieBrustwandungen intact
sind, nicht gestattet wird, so erzeugt sie doch
vermöge ihrer elastischen Widerstandskraft
einen intrapleuralen Saugdruck, welcher um
so grösser werden muss, je mehr sie inspira
torisch gedehnt wird. Die Grösse dieses nega
tiven Druckes innerhalb des Cavum pleurae
beläuft sich entsprechend der Höhe des elasti
schen Widerstandes im Zustand der höchsten
Exspiration auf — 7 mm Hg, im Zustande der
tiefsten Inspiration auf — 28 mm Hg (s. o.).
Die directe Messung desselben unter Zuhilfe
nahme eines luftdicht in den Intrapleural-,
bezw. Intrapericardialraum eingeführten Mano
meters ergab etwas geringere Zahlen (— 8
bis — 5 mm Hg bei Schafen, Hunden und
Kaninchen). Dieser Saugdruck veranlasst ein
Eingesaugtwerden von Luft durch kleine Stich
öffnungen, welche bis in das Cavum pleurae
vordringen, wie er andererseits ein wichtiges
Hilfsmittel in dem Rückströmen des Blutes
gegen die intrathoracalen Blutkreislaufsorgane
darstellt (s. Kreislauf).
9. Die luftleitenden Theile bethei
ligen sich am Athmungsgeschäfte nicht bloss
als solche, sondern sie functioniren gleich
zeitig als Schutzvorrichtungen des Körpers
und speciell der Lunge. Indem die in sie ein
gefügten Endorgane des Geruchssinnes die
Luft auf ihre riechenden Bestandtheile prüfen,
können sie eventuell den Körper vor dem
Eintritte schädlicher Geruchsstoffe schützen;
der Kehlkopf besitzt die Vorrichtung zum
Verschluss des Respirationsorganes und hält
dadurch „irrespirable“ Gase von der Aus
übung deletärer Wirkungen auf dasselbe ab.
Auch körperliche Partikelchen, welche der
Athmungsluft zufällig beigemischt sind,
werden von den Stimmbändern an weiterffii
Vordringen verhindert und nachfolgend im
Anschluss an einen reflectorisch durch die
sensiblen Kehlkopsnerven ausgelösten Exspira-
tionsstoss, „Husten“ (s d.), ausgestossen, wenn
sie nicht schon in der Nasenhöhle durch den
deren Wand befeuchtenden Schleim abge
fangen und mittelst des Wimperstromes oder
mittelst des „Niesens“ herausbefördert wurden.
Im fiebrigen dienen die luftleitenden Wege
vorzugsweise der Vorwärmung und Anfeuch
tung der eventuell kalten, trockenen und da
durch reizend wirkenden Luft, ein Act, der
meist schon in der Nasenhöhle vollzogen wird
(Aschenbrandt, Kayser). Die glatte Musculatur
in der Wand der Alveolen. Bronchien und
Trachea soll nach Landois diesen Abschnitten
des Respirationsapparates grössere Wider
standskraft gegen plötzliche Drucksteigerung
in den Luftwegen verleihen, wie sie bei hef
tiger In- und Exspiration (forcirtem Niesen,
Husten etc.) vorkommt. Für gewöhnlich soll
diese Musculatur durch den N. vagus in einer
Art dauernder Erregung, also mittleren Con-

tractionszustandes, „Lungentonus“, erhalten
werden.
10. Eigenartige, abgeänderteAthem-
bewegungen, so bezeichnet man eine Stimme
von theils willkürlichen, theils reflectoHsch
erregten, also unwillkürlichen Athemacten,
welche meist mit Geräuschbildung einher
gehen und einen ganz bestimmten Zweck ver
folgen. Es zählen hieher das Husten, Niesen,
Keuchen, Gähnen, Schnauben und Prusten,
das Wittern oder Schnüffeln, das Seufzen,
Schnarchen, das Spinnen der Katze, das
Drängen etc. Die Besprechung derselben siehe
je unter dem betreffenden Stichivorte. Be
züglich des Niesens, sternutatio, sei hier
noch hinzugefügt, dass es einen gewaltsamen
Exspirationsstoss darstellt, der nach vor
gängiger heftiger, oft krankhafter Inspiration
durch die Nase geschickt wird, behufs Hin
ausbeförderung des niesenerregenden Reizes.
Als reflectorischer Act wird es durch Reize
hervorgerufen, welche die Verbreitungen des
N. ethmoidalis und N. nasalis posterior Tri
gemini in der Nase treffen, sowie durch
plötzlichen Lichtreiz etc. Hunde und Katzen
zeigen die Erscheinung zuweilen, Schafe bei
der Anwesenheit von Stirnhöhlenparasiten.
c) Die Innervation des Athmungs-
mechanismus. Die Thätigkeit des Ath-
mungsapparates wird augenscheinlich in aller
erster Linie durch die Beschaffenheit des
Blutes als des Trägers der durch die Athmung
zu wechselnden Gase ausgelöst; die Grösse
des Athmungsbeclürfnisses gibt daher den wich
tigsten Antrieb für die Athmung ab. Aber
auch ganz andere Reize vermögen die Ath
mung zu beeinflussen, so die Temperaturver
hältnisse, sensible und psychische Erregungen
etc. Da alle diese differenten Momente wegen
der für sie mangelnden directen Zugänglich
keit des Athmungsorganes nicht unmittelbar
auf dieses zu wirken vermögen, so muss ein
gemeinsamer Angriffspunkt für diese Reize
vorausgesetzt werden, von dem aus der Ath-
mungsorganismus in Action versetzt wird.
Die experimentelle Untersuchung hat als sol
chen das Centralnervensystem und als
Ueberträger der von diesem ausgehenden
Impulse die Athemnerven festzustellen ver
mocht.
«) Die Nerven der eigentlichen
Respirationsorgane entstammen vorzugs
weise dem Gehirn; der Ramus ophthalmicus
und Ramus maxillaris superior Trigemini sind
die Innervatoren der Nasenhöhle; der N. vagus
übernimmt die Versorgung der übrigen luft
leitenden Theile und der Lunge, mittelst des
Ram. pharyngeus (vielleicht zusammen mit
dem gleichnamigen Aste des N. glosso-pha-
ryngeus) im Bereiche des Schlundkopfes, mit
telst des R. laryngeus superior in dem des
Kehlkopfes, mittelst des R. laryngeus inferior
s. recurrens in dem der Luftröhre und durch
seine Lungenzweige der Lunge selbst. Alle
die genannten Nerven sind die centripe-
talen Leitungsbahnen der Athmungsorgane
und vermitteln somit die Uebertragung der
Erregungen von der in diesen gelegenen

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