Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/153/
möglich die Parcellirung der letzteren zu ver
anlassen; für beide Abtheilungen ist die Stall
sperre anzuordnen.
2. Der Weidegang der noch gesund er
scheinenden Schafe kann unter Verhältnissen,
welche eine Verschleppung des Ansteckungs
stoffes aussehliessen, gestattet werden.
3. Aus dem gesperrten Stalle darf Schaf-
dünger unter Einhaltung aller gebotenen Vor
sichtsmassregeln nur auf solchen Wegen und
auf solche Grundstücke gebracht werden,
welche von den Schafen gesunder Höfe nicht
betreten werden.
4. Rauhfutter und Streumaterial, welches
in dem Schafstalle und auf dessen Boden
lagert, darf während der Seuchendauer nicht
aus dem Gehöft gebracht werden.
5. Schafwolle, die in verseuchten Ge
höften lagert, darf nur im desinficirten Zu
stande und in Säcken verpackt mit Bewilli
gung der Seuchencommission oder der poli
tischen Behörde aus dem Gehöft gebracht
werden. Personen, welche mit der Wartung
pockenkranker Schafe beschäftigt sind oder
mit ihnen in Berührung kommen, dürfen an
dere Schafställe nicht betreten. Vor dem
Verlassen des Seuchenhofes haben sie ihre
Kleider zu reinigen und ihr Schuhwerk ab-
zuwafchen.
6. Fremden unberufenen Personen ist
der Zutritt in die Seuchenställe nicht ge
stattet.
7. Gemeinschaftliche Brunnen. Tränken,
Schafwäschen dürfen von den der Sperre
unterworfenen Schafen nicht benützt werden.
8. Die im Falle der Unmöglichkeit einer
Absonderung der kranken von den gesunden
Schafen, oder im Falle einer grösseren Ver
breitung der Seuche durchzuführende Noth
impfung der noch seuchenfreien Stücke muss
stets unter Aufsicht des Amtsthierarztes statt
finden.
9. Dasselbe hat zu geschehen, wenn von
der politischen Bezirksbehörde die Vorbauungs-
impfung der der Ansteckungsgefahr ausge
setzten, bisher seuchenfreien Heerden ange
ordnet wird.
10. Der Impfstoff zur Vornahme der
Noth- und Vorbauungsimpfung wird am ge
eignetsten von gutartig blätternden, eine
mässige Pockeneruption und massiges Fieber
zeigenden Schafen, deren Pocken im Stadium
der Reife sich befinden, abgenommen. Als
Impfstelle kann ein Ohr oder die untere
Fläche des Schweifes benützt werden.
11. Bei einer grossen Verbreitung der
Pockenseuche in einer Ortschaft oder wenn
der ganze Schafviehbestand derselben der
Impfung unterzogen wurde, hat die Orts-
bezw. die Flursperre einzutreten. Die Ort
schaft ist als gesperrt zu bezeichnen. In
diesem Falle ist:
a) Die Ausfuhr von Schafen, von Rauh
futter und Streu, welche in Seuchenställen
gelagert waren, und von Schafdünger aus dem
Seuchenorte, sowie
b) die Ein- und Durchfuhr von Schafen
in und durch den Seuchenort verboten.
Koch. Encyklopädie d. Tkierheilkd. IX. Bd.

Ausnahmen von der Bestimmung zu b
dürfen von der politischen Bezirksbehörde
nur dann gestattet werden, wenn durch aus
reichende Sicherheitsmassregeln die An
steckungsgefahr hintangehalten werden kann.
c) Der Weidegang der Schafe innerhalb
der Feldmark darf unter der Voraussetzung
gestattet werden, dass Vorkehrungen getroffen,
werden, um die Verschleppung des An
steckungsstoffes auf die seuchenfreien Schafe
der angrenzenden Ortschaften hintanzuhalten.
12. Wird die Seuche bei Thieren auf
dem Triebe oder Transporte constatirt, so ist
der Weitertrieb einzustellen und die Absper
rung der Schafe zu veranlassen.
13. Schafe, welche mit pockenkranken
in mittelbare oder unmittelbare Berührung
gekommen sind, sind durch 14 Tage unter po
lizeiliche Beobachtung zu stellen.
14. Die Erlaubniss zur Vornahme der
Schutzimpfung darf von der politischen Be
zirksbehörde wegen der Gefahr einer Ver
schleppung des Ansteckungsstoffes nur aus
nahmsweise bei isolirten Höfen ertheilt
werden. In Höfen, in welchen die Schutz
impfung, welche nur unter Ueberwachung
des Amtsthierarztes stattfinden darf, durch
geführt wird, sind die Sperrmassregeln streng
stens zu handhaben.
15. Von den Pocken nicht befallene Schafe
einer unter Sperre stehenden Heerde dürfen
unter thierärztlicher Aufsicht zum Zwecke
des Fleischgenusses geschlachtet werden.
16. Die Cadaver gefallener oder getödteter
pockenkranker Schafe sind auf thermischem
oder chemischem Wege oder durch tiefes
Vergraben zu beseitigen.
Die abgenommenen Häute sind zu des-
inficiren und dürfen erst in vollkommen ge
trocknetem Zustande und nach Beendigung
der Seuche ausgeführt werden.
17. Die verseuchten Stallungen und
Standorte sowie die bei pockenkranken
Schafen im Gebrauch gestandenen Geräthe
sind zu desinficiren.
18. Während der Dauer der Pockenseuche
ist der Amtsthierarzt in Zwischenzeiten von
8 Tagen zur Revision in den Seuchenort zu
entsenden.
19. Die Pockenseuche ist als erloschen
zu erklären, wenn die von der Krankheit
ergriffenen oder geimpften Schafe durchge-
seucht oder gefallen, die Pocken völlig abgeheilt
sind und dieDesinfection der Stallungen, Stand
orte und Geräthe durchgeführt ist. Der freie
Verkehr mit Schafen der verseucht gewesenen
Heerden darf jedoch erst 6 Wochen nach dem
Erlöschen der Seuche wieder gestattet werden.
Das deutsche Reichsviehseuchengesetz
vom 23. Juni 1880 enthält in Bezug auf die
Schafpocken folgende Bestimmungen:
§ 46. Ist die Pockenkrankheit in einer
Schafheerde festgestellt, so muss die Impfung
aller zur Zeit noch seuchenfreien Stücke der
Heerde angeordnet werden. Auf den Antrag
des Besitzers der Heerde oder dessen Ver
treters kann für die Vornahme der Impfung
eine Frist gewährt werden, wenn nach dem
10

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66