Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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die sofortige Impfung nicht zweckmässig ist.
Auch kann auf den Antrag des Besitzers oder
dessen Vertreters von der Anwendung der
Impfung ganz Abstand genommen werden,
soferne Massregeln getroffen sind, welche die
Abschlachtung der noch seuchenfreien Stücke
der Heerde innerhalb 10 Tagen nach Fest
stellung des Seuchenausbruches sichern (siehe
§ 47 des Gesetzes).
§ 99. Gewinnt die Seuche eine grössere
Ausdehnung oder ist nach den örtlichen Ver
hältnissen die Gefahr einer Verschleppung in
die benachbarten Schafheerden nicht auszu-
schliessen, so kann die Polizeibehörde die
Impfung der von der Seuche bedrohten Heer-
den und aller in demselben Orte befindlichen
Schafe anordnen (s. § 47 des Gesetzes).
§ 100. Hie geimpften Schafe sind rück
sichtlich der polizeilichen Schutzmassregeln
den pockenkranken gleich zu behandeln
(s. § 48 des Gesetzes).
§ 101. Die polizeilich angeordnete Im
pfung muss in allen Fällen unter Aufsicht
des beamteten Thierarztes erfolgen, soferne
sie nicht von ihm selbst ausgeführt wird. Die
Polizeibehörde hat im ersteren Falle den
beamteten Thierarzt zu beauftragen, die
geimpften Schafe in der Zeit vom 9. bis zum
12.'Tage nach der Impfung zu untersuchen
und soweit erforderlich, die sofortige Nach
impfung derselben anzuordnen.
§ 102. Ausser in dem Falle polizeilicher
Anordnung darf eine Pockenimpfung nicht
vorgenommen werden (s. § 49 des Gesetzes).
§ 103. Im Falle des § 99, wenn die
Seuche im Orte selbst oder in dessen Um
gegend eine grössere Verbreitung gewinnt,
oder wenn die Impfung der bedrohten Heer-
den angeordnet ist, sind an Stelle der in den
§ 94 bis 98 dieser Instruction bezeichneten
Schutzmassregeln für die von der Seuche be
fallenen Orte und deren Feldmarken nach
folgende Verkehrsbeschränkungen anzuordnen :
1. Die Ausführung von Schafen, von
Schafdünger und von Rauhfutter oder Stroh,
welches nach dem Orte seiner Lagerung als
Träger des Ansteckungsstoffes anzusehen ist,
darf nicht stattfinden.
2. Die Ein- oder Durchführung von
Schafen darf nur mit Erlaubniss der Polizei
behörde unter Beobachtung der von derselben
vorzuschreibenden Schutzmassregeln erfolgen.
3. Wolle darf nur mit Erlaubniss der
Polizeibehörde und nur dann ausgeführt wer
den, wenn sie in festen Säcken verpackt ist.
4. Häute von gefallenen oder getödteten
pockenkranken Schafen dürfen nur in voll
kommen getrocknetem Zustande ausgeführt
werden, sofern nicht die directe Ablieferung
derselben an eine Gerberei erfolgt.
8. Der Weidegang der Schafe innerhalb
der Feldmark ist zwar zu gestatten, jedoch
hat die Polizeibehörde rücksichtlich desselben
diejenigen Einschränkungen anzuordnen, welche
erforderlich sind, um eine Uebertragung der
Seuche in die seuchenfreien Schafstände der
benachbarten Ortschaften zu verhindern.
Bei Seuchenausbrüchen in grossen Ort

schaften können die Vorschriften dieses Para
graphen auf einzelne Theile des Ortes oder
der Feldmark beschränkt werden.
§ 104. Wird die Seuche bei Treibheerden
oder bei*Thieren, welche sich auf dem Trans
port befinden, festgestellt, so hat die Polizei
behörde das Weitertreiben zu verbieten und
die Absperrung der Thiere anzuordnen.
Beim Transport auf Eisenbahnen kann
die Weiterbeförderung bis zu dem Orte ge
stattet werden, an welchem die Thiere durch
seuchen oder abgeschlachtet werden sollen;
jedoch ist dafür Sorge zu tragen, dass eine
Berührung mit anderen Schafen ausgeschlos
sen wird.
§ 105. In allen Fällen eines Seuchen
ausbruches hat die Polizeibehörde den Be
sitzer der von der Pockenseuche befallenen
Schafe oder dessen Stellvertreter anzuhalten,
von der erfolgten Abheilung der Pocken
eine Anzeige zu machen. Auf diese Anzeige
hat die Polizeibehörde ohne Verzug eine
Untersuchung der Schafe durch den be
amteten Thierarzt anzuordnen.
§ 106. Nach Abheilung der Pocken kann
die Polizeibehörde die Ausführung der den
Absperrungsmassregeln unterworfenen Schafe
zum Zwecke sofortiger Abschlachtung ge
statten :
1. nach benachbarten Ortschaften;
2. nach in der Nabe liegenden Eisen
bahnstationen behufs der Weiterbeförderung
nach solchen Schlachtviehhöfen oder öffent
lichen Schlachthäusern, welche unter gere
gelter veterinärpolizeilicher Aufsicht stehen,
vorausgesetzt, dass die Thiere diesen An
stalten direct mittelst der Eisenbahn oder doch
von der Abladestation aus mittelst Wagen
zugeführt werden.
Durch vorgängige Vereinbarung mit der
Eisenbahnverwaltung oder durch unmittel
bare polizeiliche Begleitung ist dafür Sorge
zu tragen, dass eine Berührung mit anderen
Schafen auf dem Transporte nicht stattfinden
kann. Auch ist der Polizeibehörde des
Schlachtortes zeitig von der Zuführung der
Schafe Kenntniss zu geben.
Das Abschlachten der Schafe muss unter
polizeilicher Aufsicht geschehen.
Desinfection.
§ 107. Die Desinfection der Stallungen
und Räumlichkeiten, in welchen pockenkranke
oder geimpfte Schafe gestanden haben, muss
nach Angabe des beamteten Thierarztes und
unter polizeilicher Ueberwachung erfolgen.
Der Besitzer der Stallung und dessen
Vertreter ist anzuhalten, die erforderlichen
Desinfectionsarbeiten ohne Verzug ausführen
zu lassen.
Ueber die erfolgte Ausführung der Des
infection hat der beamtete Thierarzt der Poli
zeibehörde eine Bescheinigung einzureichen.
Aufhebung der Schutzmassregeln.
§ 108. Die Seuche gilt als erloschen und
die angeordneten Schutzmassregeln sind auf
zuheben:

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