Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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der Urethra in die Scheide, an jener Stelle,
die die engste und zugleich die am wenigsten
ausdehnungsfähige Partie des Scheidencanales
darstellt.
Die Schleimhaut der Vagina ist eine
Schleimhaut mit cutanem Charakter. Ihr
Stratum proprium besteht aus einem ziemlich
dichten Geflecht fibrillären Bindegewebes,
welches von elastischen Fasern durchzogen
wird. In unmittelbarer Nähe der Oberfläche
der Schleimhaut bekommt dieses Gewebe ein
mehr reticuläres Aussehen, indem die Binde
gewebsfasern feiner werden, sich durchflechten
und in ihren Maschen zeitige Einlagerungen
enthalten. Beim Rinde und Schweine kommen
ferner Lymphfollikel in dieser Schicht der
Schleimhaut zur Beobachtung.
Im Uebrigen ist die Schleimhaut der
Vagina vollkommen drüsenlos. Die Oberfläche
derselben, die mit niedrigen, unregelmässig
gestalteten Papillen ausgestattet ist, wird
von einer ziemlich starken Lage geschich
teten Plattenepithels überzogen. Eichbaum.
Scheidencysten, Blasencysten, kommen
beim Rinde nicht selten als sogenannte Colloid-
cysten vor (s. Blasencysten). Strebei.
Scheidendrüsen, Bartholini’sche, Du-
verney’sche oder Cowper’sche Drüsen
sind zwei, zu beiden Seiten des Scheiden
vorhofes der Kuh gelegene, ovoide Drüsen,
welche mit einem für eine Sonde passir-
baren Ausführungsgange etwa 4 cm hinter
der Harnröhrenmündung an der Seitenwand
des Vestibulum münden. Sie werden an ihrer
Aussenfläche tbeilweise vom Schamschnürer
(Constrictor cunni) bedeckt und stellen, wie
die Cowper’schen Drüsen des männlichen
Thieres zusammengesetzte acinöse Drüsen
dar, die durch breite Züge interstitiellen,
mit glatten Muskelfasern ausgestatteten Binde
gewebes in mehrere Lappen zerfallen, welche
letzteren dann wieder aus grösseren ■ und
kleineren Läppchen zusammengesetzt sind.
Die Läppchen bestehen aus einer Anzahl
ovaler oder rundlicher Acini, welche durch
dünne Züge eines fein streifigen, mit spindel
förmigen Kernen versehenen Gewebes von
einander geschieden sind. 'Die Drüsenepitbe-
lien, welche aus fein granulirten keilförmigen
oder cylindrischen Zellen mit rundem wand
ständigen Kern bestehen, sitzen diesen intersti
tiellen Gewebszügen unmittelbar auf. In den
Ausführungsgängen kleinsten Kalibers ist das
Epithel ein cubisches, wird aber mit der
grösseren Weite derselben zunächstcylindrisch,
dann ein geschichtetes cylindrisches. Das
Epithel sitzt einer verdichteten und aus mit
der Längsachse der Gänge parallel verlaufen
den Fibrillen bestehenden Wandschicht auf.
— Eine ähnliche Structur besitzen auch die
bei der Katze vorkommenden Bartholini’schen
Drüsen.
Bei dem Schweine findet sich 3—4 cm
proximalwärts von dem Eingänge in den Vor
hof, auf jeder Seite desselben eine Grube
vor, in welche die Ausführungsgänge von oval
geformten, mehrere Millimeter grossen Drüsen
einmünden. Dieselben bestehen aus mehreren

Läppchen, deren runde oder polygonale Ter
minalbläschen von einer dünnen Basalmem
bran begrenzt und von einem niedrigen
cylindrischen Epithel ausgekleidet werden.
Sie stellen ein Analogon der Bartholini’schen
Drüsen dar.
Bei den übrigen Hausthieren sind die
Scheidendrüsen durch die an dem Boden und
und der oberen Wand des Scheidenvorhofes
vorkommenden Lacunen angedeutet, lange,
schwach gewundene Schläuche, welche mit
reihenförmig angeordneten papillenartigen
Erhebungen münden und von einem niedrigen
cylindrischen Epithel ausgekleidet werden.
Eichbaum.
Scheideneingang, s. Scheide.
Scheidengänge, s. Gartner’sche Gänge.
Scheidenhäute. Die Scheidenhäute
bilden bei allen Säugethieren, deren
Hoden ausserhalb der Bauchhöhle im Ho
densacke ihre Lage haben — mithin bei
allen Haussäugethieren — die den Hoden
und Nebenhoden unmittelbar umgebende Hülle
(s. Hoden). Man unterscheidet die gemein
schaftliche und die besondere Scheiden
haut.
Die gemeinschaftliche Scheiden
haut (Tunica vaginalis communis testis et
funiculi spermatieijist eine beutelförmige, oben
am inneren Bauchring anfangende und dort
enge Ausstülpung der bei dem Pferde nur an
deutungsweise vorhandenen Querbauchbinde
(s. u. Hoden Fig. 787 u. 758). Sie wird von einer
sehnig-fibrösen Membran gebildet, welche am
Hoden die bedeutendste, am inneren Bauch
ring die geringste Stärke besitzt. Die äussere
Fläche ist zum grossen Theil von dem
Hodenmuskel (s. Muskeln der Geschlechts
organe) bedeckt und steht an der dem
Schweife des Nebenhodens entsprechenden
Stelle, wo sich eine kleine zur Aufnahme
des letzteren dienende Ausbuchtung vor
findet, fest, im Ueb.igen nur locker mit der
Fleischhaut des Hodensackes (s. Hodensack)
in Verbindung.
Die besondere Scheidenhaut (Tu
nica vaginalis propria testis) ist eine Aus
stülpung des Bauchfells, welches sich am
inneren Bauchring in die von der gemein
samen Scheidenhaut gebildeten Höhle fort
setzt und dadurch bedingt, dass die letz
tere mit dem freien Raum der Bauchhöhle
in offener Communication steht. Indem das
Bauchfell sich am innerfen Bauchring auf
die innere Fläche der gemeinsamen Scheiden
haut umschlägt, bildet es zunächst ein
Parietalblatt, welches mit der gemein
schaftlichen Scheidenhaut untrennbar ver
bunden ist, und geht sodann am hinteren
Rand der von der Scheidenhaut hergestellten
Höhle in den Samenstrang (s. d.) — in das
Hodengekröse — und durch letzteres in das
Visceralblatt über, welches den Hoden und
Nebenhoden überzieht. Auf diese Weise werden
in der Höhle der Scheidenhäute glatte — aus
nahmsweise mit einzelnen kleinen Zotten
besetzte — feuchte Flächen hergestellt. Die
Scheidenhäute umgeben Hoden, Nebenhoden

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