Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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köpf wird leicht Eiter in die Luftröhre und
Bronchien aspirirt, die Thiere verenden als-,
dann unter hochgradiger Dysphagie und Dys-
pnöe an Verjauchung des Lungenparenchyms. 1
Obscbon selten, so kommt die Schlundkopf-
flstel noch am häufigsten bei drusenden Pferden
vor. Fremdkörper, welche wegen ihrer Grösse
den Schlundkopf nicht passiren können, bleiben
in ihm festgekeilt, es passirt nun bei den Ver
suchen zur Entfernung des Fremdkörpers oder
wenn der Gegenstand ein spitzer, scharfkan
tiger ist, dass die Häute des Schlundkopfes
von innen her perforirt werden; in solchen Fällen
schwillt der Hals und der Kehlgang emphyse
matos und phlegmonös an, die Kehlkopfgegend
wird gegen Druck sehr empfindlich, das be
treffende Thier speichelt viel und athmet
röchelnd.
Paralyse des Pharynx ist bisher nur
selten bei Pferden beobachtet worden. Stabs
thierarzt Ringheim beschrieb sie zuerst 1818
in Veter.-Selskabels Skrifter, später Wagen-
feld (vgl. Stockfieth, Die chirurgischen Krank
heiten). Die Paralyse tritt meistens plötzlich
ein. Trotz guten Appetits und reger Futter
aufnahme sind diese Thiere mit gelähmtem
Schlundkopfe nicht im Stande, den Bissen
oder das Getränk zu verschlucken, beides
kommt wieder aus dem Maule und der Nase
zurück, öfter bleibt das genossene Futter einige
Zeit lang in der Rachenhöhle liegen, ohne
dass sich Schmerz in der Kehlgegend oder
die entzündlichen Erscheinungen der Bräune
bemerkbar machen, wohl aber bleibt der
Schlundkopf bei Annäherung des Bissens un
beweglich. Da Nahrungsmittel dem Körper
nicht einverleibt werden können, so macht
dieAbmagerung rapide Fortschritte, die Zeichen
der Inanition tieten mehr und mehr hervor,
die Schwäche nimmt zu, nach 18—28 Tagen
erliegen die Pferde dem Hungertode, wenn
sie nicht schon früher einer Fremdkörper
pneumonie erlegen sind, die sich nach den
Versuchen einzustellen pflegt, dem Patienten
Nährstoffe einschütten zu wollen; statt in den
Schlund gelangen die Einschütte in die Luft
röhre und Bronchien. Nur bei unvollständiger
Paralyse, also bei paretischer Schwäche des
Pharynx ist Wiederkehr zur Norm möglich.
Ist die Paralyse eiwseitig, so wird zwar noch
Nahrung verschluckt, aber trotz langen Kauens
doch in so geringen Quantitäten, dass die
Nutrition erheblich darunter leidet und die
Thiere dienstuntauglich werden. Mitunter tritt
allmälig wieder die Muskelthätigkeit im
Schlundkopf ein, Heilung erfolgt dann in 3 bis
7 Wochen. Ueber die ursächlichen Verhält
nisse ist nichts Zuverlässliches bekannt; chroni
sche entzündliche Zustände im Pharynx und
in der Rachenhöhle und Läsionen des Gehirns
oder der Schlundkopfnerven werden als Ur
sachen der Paralyse angesehen. In therapeuti
scher Hinsicht sind folgende Gesichtspunkte
massgebend: Stärkung der Patienten durch
Ernährung mittelst des Schlundrohres oder Kly
stiere; Reinigung des Mauls mit angesäuertem
Wasser oder einer Solution von Kalium hyper-
mangan.; zur Belebung der.Schlundkopfthätig-
Koch. Encyklopädie d. Thierheilkd. IX. Kd.

keit scharfe Einreibungen, subcutane Injec-
tionen von Strychninsolution in der Umgebung
des Larynx, oder Einwirkung des Inductions-
stromes.
Bei Pferden haben sich hin und wieder
Bremsenlarven in der Rachenhöhle und im
Schlundkopf angesaugt, sie bewiiken hier
Schling- und Athembeschwerden, Husten mit
Auswurf von Larven, Juckgefühl in der Kehl
gegend, so dass sich die Thiere dort zu reiben
oder zu kratzen versuchen. Die Larven sind
so viel als möglich mit einem mit Werg um
wickelten Stock zu entfernen, den man unter
Zuhilfenahme des Maulgatters in die Rachen
höhle bringt, und ihn daselbst vorsichtig nach
verschiedenen Richtungen bewegt, um die
Larven von der Schleimhaut abzustossen.
Von Neubildungen innerhalb des Schlund
kopfes sind noch zu erwähnen: kleine, rund
liche, bläschenartige Retentionscysten der
Schleimbälge, Lipome und Polypen; letztere
gehen mitunter von der Nasen- oder Rachen
höhle aus und ragen nur mit ihrem freien
Ende in den Larynx hinein. Anacker.
Schlundkopfmuskeln. Die Muskeln, welche
die Grundlage des Gaumensegels — der
vorderen Wand des Schlundkopfes — bilden
helfen, sind bereits in dem Artikel „Gau
mensegel“ (s. d.) beschrieben worden. Von
denselben sind der Gaumensegelmuskel und
die Gaumenschlundkopfmuskeln die haupt
sächlichsten Erweiterer der Rachenhöhle;
sie entsprechen der Längsfaserschicht der .
Schlundkopfmuskulatur und werden in ihrer
Wirkung etwas durch die oberen Zungen
beinschlundkopfmuskeln (M. stylo-
pharyngei) — obere Zungenbeinastmuskeln
der Rachenhöhle — unterstützt, welche je
doch in erster Linie bestimmt scheinen, den
Schlundkopf zu heben und dessen Seitenwand
zu spannen. Die genannten Muskeln ent
springen jederseits an der inneren Fläche
des grossen Zungenbeinastes, laufen, sich
allmälig zuspitzend, vom oberen Drittel des
letzteren nach unten (vorn) und innen, um
mit ihren Fasern in die der beiderseitigen
Gaumen- und Flügelschlundkopsmuskeln ein
zustrahlen.
Die übrigen ebenfalls paarigen Muskeln
des Schlundkopfes entsprechen den Querfasern
des Schlundes, bilden die Grundlage für die
Seitenflächen und für die hintere (obere)
Wand der Rachenhöhle, werden zusammen
als Schlundkopfschnürer (constrictores
pharyngis) bezeichnet und sind Verengerer
der Rachenhöhle. Die Muskeln der rechten
und der linken Seite vereinigen sich hinten
(oben) in der Mittellinie durch einen Sehnen
streifen — mediane Schlundkopfsehne,
Naht des Schlundkopfes. Derselbe wird
nach unten breiter und spaltet sich über dem
Kehlkopf in zwei mit den Sehnen der Ring-
Schlundkopfmuskeln verschmelzende Schenkel,
zwischen welche sich der Anfang des Schlun
des einschiebt. Die Schlundkopfschnürer be
stehen aus drei Muskelpaaren, welche von
oben nach unten in der nachstehend genannten
Reihenfolge angeordnet sind:

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