Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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form, und Klystiere von verdünnter Blau
säure (4:300 lauwarmem Wasser) oder einer
Lösung von Chloralhydrat. Zuweilen hebt
das Einführen der Schlundröhre den Krampf.
Eingekeilte Fremdkörper sind mittelst des
Schlundschnittes zu entfernen. Anacker.
Schlundkrankheiten. Von ihnen sind die
Schlundentzündung, die Schlunderweiterung
und Verengerung, die Schlundlähmung, der
Schlundkrampf und die Schlundzerreissung
als besondere Krankheitsformen beschrieben
worden (s. d.). es bedarf somit nur noch der
Erwähnung der nachfolgenden Schlundab
normitäten:
Die Schlundfistel geht gewöhnlich
aus einer Läsion des Schlundes von Seiten
verschluckter spitzer oder scharfränderiger
Gegenstände oder auch derartiger von aussen
eingedrungener Dinge hervor. Die im Schlunde
befindlichen Fremdkörper durchbohren nicht
immer sofort die Häute, sie erzeugen auch
Druck, Eiterung und Verjauchung der
Schlundwandung; betrifft dies die Halspor
tion des Schlundes, so versetzt sich der Eiter
gern nach unten, er kann in die Brusthöhle
eindringen, wo er durch Pleuritis zum Tode
führt. Ist einmal ein Fistelcanal gebildet, so
gelangen Futtertheile und Luft in das sub-
cutane Bindegewebe, sammeln sich in ihm
geschwulstartig und emphysematös an und
rufen auch hier Eiterung und Verjauchung
hervor. Schlingbeschwerden und Regurgitiren
des Futters sind unter Umständen, welche
das Abschlucken erschweren, begleitende Er
scheinungen der Fistel. Das Emphysem breitet
sich von der Fistel aus öfter über das Vor
dertheil, selbst bis zum Kopfe hin aus. Falls
der Fistelgang direct in die Brusthöhle
mündet, ist eine tödtliche Pleuritis die un
ausbleibliche Folge. Die Fistel an der Hals
portion des Schlundes kann, falls sie nach
aussen mündet, durch Aetzmittel oder
Brennen mit dem Glüheisen zur Verheilung
gebracht werden, andernfalls ist oberhalb
der Anschwellung am Halse die Haut zu
durchschneiden, die Wunde von dem einge
drungenen Futter etc. zu reinigen und die
Schlundöffnung zu heften, nachdem zuvor die
gerissenen, ungleichen Ränder derselben ab
getragen worden sind. Während der Heilung
hat möglichste Futterenthaltung platzzu
greifen.
Steckengebliebene Fremdkörper im
Schlunde rufen oft sehr beängstigende
Symptome hervor. Am häufigsten kommen
sie bei Rindvieh und Hunden vor, bei ersterem
sind es meistens Wurzelgewächse, Knollen,
Rübenstücke, Obst, Kartoffeln, Eier etc., die
bei gierigem Fressen im Schlunde sitzen
bleiben, wohl auch Holzstücke. Blech- oder
Drahtstücke, Dornen, Aehren, Nägel, Nadeln
etc., die mit dem Futter verschluckt wurden,
bei Hunden gewöhnlich Knochenstücke, aber
auch alle möglichen Gegenstände, welche sie
apportiren sollten oder mit denen sie spielten,
z. B. Bälle, Korkpfropfen, Zwirnknäuel, Steine,
Kugeln, Kastanien, Geldmünzen. Pferden
bleiben öfter zu grosse Bissen im Schlunde

stecken. Hunde benehmen sich unter den ge
nannten Umständen äusserst aufgeregt, sie lau
fen unruhig hin und her, geifern, würgen,
toben, wälzen sich, zeigen Beisssucht und
machen sich derart der Wuth verdächtig;
wird der Fremdkörper durch Erbrechen eli-
minirt, so lassen die beunruhigenden Sym
ptome, die hauptsächlich durch die Athem
noth hervorgerufen worden, nach, denn der
Fremdkörper drückt auf die Luftröhre und
beengt deren Lumen. Anderweite Sym
ptome sind bei den übrigen Hausthieren:
sofortiger Nachlass im Fressen, Strecken des
Kopfes und Halses, Geifern, Brechanstren
gungen, erschwertes Abschlucken von Flüssig
keiten oder breiartigen Futterstoffen, wenn
der Fremdkörper nur zum Theil das Schlund
lumen beengt, nicht völlig ausfüllt (das Ge
nossene wird dann auch theilweise unter
Aufstossen aus dem Maule ausgeworfen), Kau
bewegungen, grosse Unruhe, stierer Blick,
Angst, beschleunigte Respiration, Athemnoth,
Anfälle von Erstickung und tympanitische
Auftreibung des Hinterleibes. Mitunter er
sticken die Thiere schnell. Sitzt der Körper
in der Halsportion des Schlundes, so ist er
in der Drosselrinne als eine harte, bewegliche
Geschwulst zu fühlen. Das Befühlen verur
sacht den Thieren in vielen Fällen Schmerzen,
besonders dann, wenn der verschluckte Gegen
stand die Schleimhaut des Oesophagus lädirt
und entzündet, die Entzündung kann so
heftig werden, dass die Schleimhaut an
der Druckstelle brandig wird oder verjaucht
und zerreisst; die Folgen sind dann die
gleichen, wie sie bei der Schlundfistel
angegeben wurden. Spitze Gegenstände,
besonders Nadeln, durchbohren gern den
Schlund und gelangen schliesslich nach aus
sen oder werden eingekapselt. Bei Pferden
gelangen die anfgestossenen Nahrungsmittel
öfter in die Luftröhre und Lunge, wo sie
Verjauchungsprocesse und den Tod herbei
führen. Bei Verjauchungen im Schlunde und
in den Bronchien nimmt die ausgeathmete
Luft einen fötiden Geruch an. Die kleineren
Thiere machen an der verstopften Stelle
kratzende Bewegungen mit den Pfoten, sie
möchten gern das Corpus delicti damit ent
fernen. Bei Rindern tritt der in das Rumen
hinabgestossene Fremdkörper mitunter bei der
Rumination in den Schlund zurück und verur
sacht auf diese Weise Recidive.
Bezüglich der Entfernung der eingekeilten
Fremdkörper ist Folgendes zu bemerken:
Wenn die Zufälle nicht gefahrdrohend sind,
lässt man die Thiere 12—24 Stunden ruhig
stehen; in dieser Zeit erweichen die fest
sitzenden Futterstoffe durch den zufliessenden
Schleim und Speichel, sie unterliegen einer
Art Verdauung, auch lässt dann der Krampf
in der Schlundmusculatur nach und der
Gegenstand geht von selbst in den Magen
hinunter oder lässt sich leicht hinabdrücken.
Zur Schlüpfrigmachung des Schlundes benützt
man Einschütte von Schleim oder Oel, worauf
man die Thiere bewegt.- Als Einschütte
hat man auch Lösungen von Medicamenten

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