Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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eröffnet, bildet im Grundriss ein Bechteck
von 415 m Länge und 13 25 m Breite, be
sitzt ani südöstlichen Ende einen abge
grenzten Hörsaal und ein Bureau, während
der westliche Theil 2 Kammern für die
Kleider der Schüler, sowie 1 Kohlen- und
1 Eisenvorrathsraum mit Giebelthüren ent
hält. Der grosse, in der Mitte gelegene
Baum, dem eigentlichen Betriebe gewidmet,
ist durch verschiebbare Wände der Länge
nach in zwei Abtheilungen geschieden, in
eine vordere grössere für das Beschlagen
der Pferde und das Eichten und Passend
machen der Hufeisen und in eine hintere
kleinere, in welcher nur Hufeisen geschmie
det werden. Der vordere Eaum enthält die
3'40 m breite, mit Holzfliesen gepflasterte
„Beschlagbrücke“ mit Eaum für 15 Pferde.
15 Dosen mit Ketten befinden sich an der
Wand. Um Unglücksfällen vorzubeugen, sind
die Ketten so eingerichtet, dass sie bei
heftigem Zurücktreten die-P/erde frei lassen.
Hinter dem Pferdestande befindet sich in
dem asphaltirten Fussboden eine gedeckte
Jaucherinne. Der Beschlagraum erhält Licht
vorzugsweise durch 7 grosse und 7 kleine
Oberlichtfenster, sowie durch 7 Wandfenster
über den Köpfen der Pferde und 2 Thür
fenster. Der Eaum zum Schmieden der Huf
eisen, bedeutend kleiner wie der Beschlag
raum, erhält Licht durch 6 grosse Wand
ernd 3 Thürfenster. An der Wand befinden sich
Feilbänke mit Schraubstöcken und eine Bohr
maschine.
Im Ganzen sind 16 Feueressen vorhan
den, 8 im vorderen und 8 im hinteren
Schmiederaum. Je 4 Feuer münden in einen
Schornstein. Die bequemen Essenherde sind
mit Löschtrog, Schlackeneinwnrf und Kohlen
behälter versehen und in überaus praktischer
Weise mit einer Art Steindach überwölbt,
welches Hitze und Bauch vollständig in den
Schornstein leitet. Die Blasebälge ruhen ca.
4 m hoch auf Eisenträgern neben den Schorn
steinen. Das flache Pappdach ist ebenso wie
die Seitenfenster mit Jalousie Ventilation ver
sehen.
An jedem Ende des Beschlagraumes, also
an der Längsseite der Schmiede, führt eine
Thüre nach Aussen auf die Pferdevorführbahn,
welche so lang als die Schmiede (41 5 m)
und 185 m breit ist. Dieselbe liegt völlig
horizontal und ist aus gerippten Mettlacher
Klinkern hergestellt. Neben dieser Bahn ist
einerseits Pflaster, andererseits weicher Sand
boden, zum vergleichsweisen Führen der
Pferde bestimmt.
Aus dem Eaum zum Schmieden der Huf
eisen führen drei Thüren auf den Hof, wel
cher am Bande gepflastert, in der Mitte be-
kiest ist und hauptsächlich zum Auffahren
und Ausspannen der Wagen bestimmt ist.
Zur Seite ist ein Schuppen, welcher in der
Mitte eine offene Beschla^halle darstellt;
diese dient zum Unterstellen wartender oder
zum Beschlagen widerspenstiger und un
ruhiger Pferde. Diese Beschlagbrücke hat
einen Fussboden von Lehmschlag. An den

Seiten des Schuppens ist ein zweistündiger
Pferdestall und ein Geräthraum. .v.i!'
Aehnliche Lehrschmieden bestehen in
Breslau, Königsberg in Preussen, Gottesaue
bei Karlsruhe und in München, doch Werden
in denselben nur Fahnenschmiede für die
Armee ausgebildet. In der Berliner hingegen
erhalten nicht nur Schmiede, sondern auch
die Militär-Eossarztaspiranten Beschlagunter-
richt und endlich werden daselbst auch
Lehrer für die übrigen preussischen Lehr-
schmiedeu ausgebildet. Die preussischen Lehr
schmieden sind dem Inspector des Militär
veterinärwesens, die bayerische dem Inspector
der Cavallerie unterstellt. Jede besitzt einen
militärischen Vorstand und einen technischen,
welcher den Unterricht leitet, und 1 bis
3 Assistenten. In Berlin werden jährlich
128 Beschlagschüler ausgebildet, u.zw. viertel
jährig je 32; davon sind 10—12 Eossarzt
aspiranten, die übrigen Schmiede. Der Lehr-
curs dauert 6 Monate, mithin sind beständig
64 Mann vorhanden, 32 in der ersten, 32 in
der zweiten Hälfte des Curses. Nur die letz
teren werden zum Beschlagen zugelassen;
die jüngeren müssen schmieden und sich an
todten Hufen üben. Neben praktischen
Uebungen finden statt: Demonstrationen,
theoretischer Unterricht, Zeichnen etc., am
Schlüsse eine Prüfung.
Literatur: Fr. Gute n äck er, Die Lehre vom
Hufbeschlag. Stuttgart 1884. — Illustrirte Wiener Sport
zeitung. 1878. Ableitner.
Schmiedeeisen. Das Eisen kommt in der
Natur, angesehen vom Meteoreisen, nicht
gediegen vor. Sämmtliches technisch ver
wendete Eisen wird aus den Eisenerzen ge
wonnen. Die Hochöfen, in denen das Eisen
ausgeschmolzen wird, liefern das sog. Boh-
eisen. Dasselbe enthält 3—5% Kohlenstoff
und etwas Silicium; es schmilzt bei 1400 bis
1600“, ist sehr hart und spröde, hat einen
körnigen Bruch, in einer Abänderung, als
weisses Eoheisen, wird es beim Schmelzen
breiig, füllt die Gussform nur unvollständig
aus und zieht sich beim Erstarren unregel
mässig zusammen, in der anderen Abände
rung, als graues Eoheisen, lässt es sich bohren,
hobeln, drechseln, wird beim Schmelzen
dünnflüssig, füllt beim Erstarren die Guss-
form vollständig aus und wird als Guss
eisen verwendet. Keine von beiden Ab
änderungen des Eoheisens dagegen ist
hämmerbar, keine lässt sich schmieden und
schweissen (vgl. Schweissen).
Soll es schmied-und schweissbar werden,
so muss das Eoheisen einem Processe unter
worfen werden, der auf die Entkohlung des
selben hinausgeht. Hat das Eoheisen seinen
Kohlenstoff bis auf ungefähr 0'2% verloren,
so erhält es wesentlich andere Eigenschaften.
Vor Allem steigt sein Schmelzpunkt bis gegen
2000“; es ist weicher als Eoheisen, dabei
sehr fest und zähe, geschmeidig, hat beson
ders nach der Bearbeitung mit Hammer und
Walze einen hackigen Bruch und isthämmerbar
und schweissbar, das heisst, es lassen sich
zwei Eisenstücke, welche eine oxydfreie Ober-

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