Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Lebensart der Thiere vielfach eine so überaus
verschiedene nach den verschiedenen Zonen
und Regionen, dass man dieselben Thier
familien in den eigenthümlichen Lagen, in
denen sie durch klimatische und ökonomische
{ihren Haushalt betreffende) Verhältnisse sich
befinden, kaum wieder erkennt; sogar die
Stunde ihres Wachens und Schlafens, ihrer
glücklichen, reich gesegneten und ihrer vom
Mangel begleiteten Jahreszeit ist eine andere.
Mit der Entwicklung, Verbreitung, Be
nennung, Classificirung der Thiere, mit ihrer
Fortpflanzung, mit ihrer Organisation und che
mischen Beschaffenheit beschäftigen sich die
Zoologie, Physiologie, Anatomie und Chemie.
Die Verbreitung der verschiedenen Ar
ten des Menschengeschlechtes auf der Erde
nach gewissen Bezirken und die Ueberein
stimmung dieser Verbreitungsart mit ganz
ähnlichen Vorgängen unter den Thieren
führten Naturforscher zu der Annahme, dass
die verschiedenen Menschenarten Autochtho-
nen sind. (s. Darwinismus und vgl. Tabelle
auf pag. 301).
Wurde im Vorstehenden, so gut es mög
lich ist,"das Entstehen, Werden, besonders des
Organischen, das fortwährende Schöpfen der
Natur beleuchtet, so erübrigt noch, das Schaffen
der Natur im Bestehen, im Leben kurz zu be
trachten.
Zuerst wurden die Elemente, Kohlen
stoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff,
bei den Thieren noch Kalk und Schwefel,
bei den Pflanzen Kiesel (zur Bildung der
festeren Theile, Knochen, Rinde), in Zellen
verwandelt, um den Körper zu nähren, wachsen
zu machen; man nennt dies Leben; ein or
ganischer Körper bleibt nicht eine Stunde,
nicht eine Secunde, wie er ist, es findet ein
unaufhörlicher Stoffwechsel statt, es geht un
aufhörlich ein Theil dessen, was den jetzt
vorhandenen organischen Körper bildet, für
ihn verloren, es wird fortwährend Anderes
dafür aufgenommen; mit dem Aufhören dieses
■Stoffwechsels ist ein Aufhören dieses organi
schen Körpers als solcher nothwendig ver
bunden, er wird anorganisch. Da aber von
der Materie im Welträume nichts verloren
geht, so hört auch die Materie des organi
schen Körpers so wenig auf, wie die des an
organischen Körpers, welcher nicht stirbt,
sie verwandelt sich nur rückwärts; die Zelle
geht wieder über in Stickstoff, Kohlenstoff
u.s. w., der Zusammenhang verliert sich, der
Körper vermodert, verwest, und man findet
in den Ueberbleibseln und entweichenden
Gasen sehr leicht die Urstoffe.
Darum bedeutet selbst dieser Vorgang,
welcher durch äussere Einflüsse oder durch
innere Unordnungen hervorgerufen wird und
so einschneidend in das Menschen-, wie Thier
leben eingreift, weil er eben den Tod bedeutet,
trotz alledem, wenn er auch nicht ein Er
schaffen, ein Schöpfungsact genannt werden
will, doch ein Schaffen der Natur. Air.
Schöps heissen die Schafshammel oder
verschnittenen männlichen Thiere. Ableitner.
Schöpsentalg, Hammeltalg, s. Sebum.

Schokolade, s. Chocolate und Gacaoab-
kochung.
Schonzeit, s. Schusszeit und Laichzeit.
Schopf, s. Haarschopf.
Schoppen, früheres Hohlmass, theils 4,
theils 5 dl.
Schorf, Eschara, ist eine abgestorbene,
zusammenhängende, halbtrockene oder ein
getrocknete Gewebsmasse, oder der Schorf
besteht aus eingetrockneten, mit eitrigen
oder anderen Exsudaten gemengten Gewebs
resten, oder auch nur aus eingetrockneten
Exsudaten. Schorfe entwickeln sich durch
Mortification der Gewebe der Haut und
Schleimhäute infolge von Contusionen, von
Einwirkung hoher Hitze- und Kältegrade
und Aetzmittel, von Verwundungen, entzünd
lichen Infiltrationen und anderen Ernährungs
störungen. Nach Abstossungen der Epidermis
trocknet das Exsudat auf der Hautoberfläche
bei freiem Luftzutritt gewöhnlich zu einem
Schorf ein, und dasselbe geschieht mit den
Wund- und Geschwürssecreten und Entzün-
dungsproducten. Zu Schorfbildungen kommt
es, abgesehen von Abschilferungen der Epi
dermis, Verwundungen, Quetschungen, Ver
brennungen, Erfrierungen und Gangrän der
äusseren Haut, noch bei den meisten nässen
den, vesiculösen und pustulösen Hautexan
themen, Flechten, Räude, Pocken etc. und
auf den Schleimhäuten bei Diphtheritis, Dys
enterie, Cholera, Typhus, Rinderpest, Milz
brand, durch Einwirkung von Aetzmitteln etc.
Die durch Einwirkung von Aetzmitteln, durch
Verbrennungen, Erfrierungen, Quetschungen,
Diphtherie, Typhus, Milzbrand entstandenen
Brandschorfe werden durch eine demarkirende
Entzündung und Eiterung abgestossen. Bei
oberflächlichen Schorfen, einfachen Abstossun
gen der Epidermis und des Epithels, bei
croupösen Auflagerungen auf den Schleim
häuten und bei den Hautexanthemen werden
die Schorfe nach Wiederersetzung der Epi
dermis und des Epithels auch ohne Eiterung
abgestossen. Bei Verwundungen, Abstossungen
der Epidermis und Geschwürsbildungen auf
der Haut erfolgt oft unter den Schorfen, die
gewissermassen eine schützende Decke bil
den, normale Heilung per primam. Daher
ist die Entfernung der Schorfe nur da ange
zeigt, wo unter denselben sich Eiter oder
Jauche ansammelt oder wo es sich um speci
fische Geschwüre handelt, die eine antisep
tische Behandlung erfordern. Im Uebrigen
sind die Schorfe dem Heilungsprocesse eher
förderlich als störend. Semmer.
Schorlomit (Ferrotitanit), ein aus Kiesel
säure, Titansäure, Eisenoxyd, Kalk, Eisen-
oxydul und Magnesia bestehendes, regulär
krystallisirendes Mineral, das eine grosse
Aehnlichkeit mit Granat hat und von Man
chen auch für einen titanhältigen Granat
gehalten wird. Blaas.
Schosshund. Mit diesem Namen belegt
man kleine Hunde verschiedener Rassen, ge
wöhnlich Seidenhunde, welche vermöge ihrer
Kleinheit und Schönheit am Schoss der Damen
gehalten werden. Koch.

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