Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/316/
ausser in Wollgewinnung durch Bockverkauf
ausgenützt. Grassmann.
Schritt, s. u. Mechanik des Thierkörpers.
Schrön’sche Körper, Kernkörperchen,
Nucleolinus oder Nucleololus, ein oder mehrere
scharf begrenzte Körner, welche in den Kern
körperchen gelegen sind und von Schrön
zuerst entdeckt wurden. Sie stellen indessen
keine soliden Körper dar, sondern Hohl
räume, Vacuolen, welche mit Flüssigkeit an
gefüllt sind. Eichbaum.
Schröpfkopf-Schnäpperhörnchen, s. Sca-
rification.
Schrot, die bekannten, aus arsenhaltigem
Blei hergestellten Kügelchen von Erbsen-
(Rehposten) bis Hirsekorngrösse (Vogeldunst),
die in der Jagd, aus Flintenläufen ge
schossen, verwendet werden. Die Schrote
werden im sog. Schrotthurme erzeugt, indem
das geschmolzene Blei in ein kegelförmiges
Sieb aus Eisenblech gegossen wird, aus wel
chem das Metall in Tropfenform eine Höhe von
30 bis 45 m durchfällt, während des Fallens
erstarrt und unten in einem mit Wasser ge
füllten Behälter aufgefangen wird. Zur Tren
nung der vollkommen kugelförmigen Schrote
von den übrigen lässt man sie über eine ge
neigte Tafel laufen, wobei die schlechten
seitwärts, die guten geradeaus rollen. Die
Sortirung nach der Grösse geschieht mittelst
Sieben. Um sie zu glätten und gegen Oxy
dation zu schützen, werden sie in einer Trom
mel mit Graphit herumgetrieben. Blaas.
Schroten der Körner und Hülsenfrüchte,
s. Futterzerkleinerung.
Schroth'sche Cur. Sie gehört zu den
sog. Entziehungscure n, d. h. denjenigen
Heilmethoden, wobei dem Körper bestimmte
Stoffe, besonders Nabrungsbestandtheile vor
behalten werden (Entziehungsdiät, Abstinenz
en!), um entweder eine Verminderung der
Menge gewisser Stoffe im Körper hervorzu
rufen, einzelne Organe zu entlasten oder
überhaupt eine Aenderung des Stoffwechsels
herbeizuführen. Solche Stoffe sind insbeson
dere Wasser, Fett und Kohlehydrate (Curen
von Banting, Ebstein, Oertel, Schweninger
etc.), seltener Eiweiss. Bei dem Menschen
und den Allesfressern gehört auch die Ent
ziehung aller Fleischnahrung hieher (Vege
tarierkost). Bei der S ch roth’schen Cur
wollte der Erfinder, ein böhmischer Bauer
von Lindewiese, seinen Patienten, die aus
Menschen und Pferden bestanden, haupt
sächlich das Wasser entziehen, also den
Körper austrocknen, von der Ansicht aus
gehend, dass die Krankheiten vornehmlich
in verderbten Säften bestehen. Schroth entzog
seinen Kranken zu diesem Behufe nicht bloss
das Trinkwasser, sondern liess sie auch wo
chenlang durch feuchtwarme Einwicklungen
schwitzen und gestattete nur trockene Nah
rung (altgebackene Semmeln oder Brot). Alle
2—5 Tage kam ein Trinktag, um die zer
setzten Säfte aus dem Körper hinauszu
schwemmen. Im Allgemeinen haben derartige
Wasserentziehungen nur Werth, wenn es
sich darum handelt, eine Verminderung der

Säftemasse zu erzielen, wenn letztere krank
haft vermehrt ist, wie bei manchen wasser
süchtigen Zuständen und Exsudationsvor
gängen, um hier zugleich auch die Ein
schmelzung und Aufsaugung zu steigern und
den Stoffwechsel zu alteriren. Desgleichen ist
eine Verminderung der Wasserzufuhr ange
zeigt, um bei Herzschwäche die Blutmenge
zu verringern, dem Herzmuskel also eine ge
ringere Arbeit zuzumuthen. Eine derartige
Trockencur oder Bluteindickung wäre aber
entschieden schädlich, selbst gefährlich, wenn
dadurch Säfte vermindert werden wollten,
welche aus dem Körper ausgeschieden werden
müssen, wie dies z.B. bei excessiven Secre-
tionen (Durchsall, Harnruhr u. dgl.) der Fall
ist, welche genügend Wasser bedürfen, um
in Lösung zu bleiben, im anderen Falle
würde die Excretion gestört. Eine Vermin
derung der Säftemasse des Körpers in grös
serem Masse hat zunächst zur Folge, dass
das specifische Gewicht des Blutwassers
steigt, der specifisch schwerer gewordene
Harn seltener abgeht und die ganze Blut
masse jetzt das Bestreben hat, überall im
Körper Wasser aufzunehmen, wo es solches
findet, die Resorption erfährt daher eine be
deutende Steigerung. Dabei steigt dann die
Temperatur nicht unerheblich und es treten
die Erscheinungen eines leichten, remitti-
renden Fiebers auf. Während der Dursttage
nimmt nach Jürgensen, Winterich u. A. das
Körpergewicht entsprechend ab, steigt aber
an den Trinktagen wieder rasch an, um ein
vermehrtes zu bleiben, wenn die Entziehungs-
cur einige Zeit fortgesetzt wird. Vogel.
Schrotsuppen. Wässerige Mischungen aus
Getreideschrot u. dgl. mit Wasser oder an
deren Flüssigkeiten, welche entweder warm
oder kalt verfüttert werden. Werden häufig
an Schweine, auch an Milchvieh verfüttert.
Die Trockenverfütterung des Schrotes ist
im Allgemeinen vorzuziehen (s. auch Futter-
zerkleinerung und Einquellen der Futter
mittel). Pott.
Schrumpfung, retractio, brandiger Theile
kommt dadurch zu Stande, dass die in ihnen
enthaltenen wässerigen Bestandtheile, öfter
auch noch die gelösten Eiweissstoffe verdun
sten und aufgesaugt werden. Infolge des Ver
lustes an Wasser vermindert sich das Volumen
der Zellen, sie werden trockener und schrum
pfen zusammen, der geschrumpfte Theil wird
härter, runzlig, eckig und atrophisch, letz
teres besonders dann, wenn in Neubildungen
das hyperplastische Bindegewebe einschrumpft
(s. Mumification). Die Schrumpfung infolge
Aufsaugung der Gewebsflüssigkeiten hat man
auch als Inspissatio (von spissare, dicht
machen) bezeichnet, Anacker.
Schrundenmauke wird die Mauke bei
Pferden genannt, wenn sich die entzündete
Haut in der Köthe verhärtet und sich auf
ihr knotige Auftreibungen bilden, welche
durch Vertiefungen (Schrunden) von einander
geschieden sind. In den Schrunden findet
sich meistens eine eiterartige, stinkende
Flüssigkeit vor (s. Mauke). Anacker.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66