Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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gefährliche Seuchen, wie die Rinderpest, bis
an die Grenze vorgerückt und in den jensei
tigen Grenzgebieten weit verbreitet sind; sie
beschränken sich, da sie viel Mannschaften
erfordern, kostspielig und lästig sind, nur
auf die wirklich verseuchten Grenzgebiete,
dagegen werden Quarantainen überall da ein
gerichtet, wo der Import von Vieh aus Län
dern, in denen irgendwo weit von der Grenze
ab Seuchen herrschen, nicht unterbrochen
werden kann oder wo es sich um einen Tran
sitverkehr handelt. Die in der Quarantaine
befindlichen Thiere werden während der ge
setzlich vorgeschriebenen Quarantainezeit einer
strengen thierärztlichen Controle unterzogen
und nur vollkommen gesunde und unverdäch
tige Thiere dürfen aus den Contumazanstalten
die Grenzen des Landes nach Ablauf der
Prüfungszeit überschreiten. Erfolgt der Vieh
transport unter permanenter thierärztlicher
Begleitung und Controle und wird das so
importirte Vieh per Eisenbahn direct in
Schlachthäuser gebracht, so sind in solchen
Fällen Quarantainen überflüssig, ebenso wenn
direct auf den Eisenbahnen transportirtes Vieh
laut Ursprungs- und Gesundheitszeugnissen
aus vollkommen seuchenfreien Gegenden
stammt und unterwegs nirgends mit seuche
kranken Thieren in Berührung gewesen ist.
Durch Veröffentlichungen von Gesundheits-
bulletias und Publicationen über Seuchenaus
brüche in benachbarten Ländern und Gegen
den werden die Behörden in den Stand ge
setzt, zeitig alle erforderlichen Massregeln
gegen den Import von Seuchen zu ergreifen.
Die Anzeigepflicht von Seite der Thier
besitzer, Pächter, Thierärzte, Thierhändler,
Fleischer und aller Personen, die bei Aus
übung ihrer Berufspflichten mit seuchekranken
Thieren in Berührung kommen, ermöglicht
die zeitige Absendung von Thierärzten in den
Seuchenort, die Erhebung der Seuchen und
Ernennung von Seuchencommissionen behufs
Anordnung und Durchführung strenger,
veterinärpolizeilicher Massregeln zur schnellen
Tilgung der ausgebrochenen Seuche.
Durch rechtzeitige Absonderung und
Isoliruiig der erkrankten oder der Ansteckung
ausgesetzt gewesenen verdächtigen Thiere,
sowie durch Tödtung solcher Thiere und Ver
nichtung ihrer Cadaver kann oft die Seuche
auf einzelne wenige Erkrankungen beschränkt
oder von einer Heerde oder einem Stall ganz
ferngehalten werden. Durch Einschränkungen
des Verkehres und durch Anwendung von
Flur-, Weide-, Gehöft- oder Stallsperre wird
die Seuche auf gewisse Ortschaften, Gehöfte
oder Ställe isolirt oder solche werden von in
der Umgebung herrschenden Seuchen abge
schlossen und verschont.
Da auf Viehmärkten, Viehauctionen,
Thierausstellungen Thiere aus den verschie
densten Gegenden zusammengebracht und von
dort wiederum in die verschiedensten Gegen
den abgetrieben werden, so tragen solche
Märkte häufig zur schnellen Verbreitung einer
Seuche über eine ganze Gegend bei und sind
daher während des Herrschens von Seuchen

in der Gegend polizeilich zu verbieten.
Eine thierärztliche Ueberwachung eines jeden
Viehmarktes und Jahrmarktes ist auch in
seuchenfreien Zeiten angezeigt, weil dorthin
auch aus entfernten Gegenden immerhin
seuchenkranke Thiere gebracht werden können.
Alle irgendwie erkrankten oder verdächtigen
Thiere sind vom Jahrmärkte fern zu halten.
Eine Ausnahme ist nur bei directer Ablie
ferung zum sofortigen Schlachten unter thier
ärztlicher Controle zu gestatten.
Die Desinfection aller Gegenstände, die
aus Seuchenorten stammen oder solche passirt
haben, verhindert häufig das Einschleppen
einer Seuche in bis dahin gesunde, verschont
gebliebene Ortschaften.
Schutzimpfungen als Schutzmassregel
gegen die Schafpocken werden nur noch in
den Steppengegenden Südrusslands mit Erfolg
durchgeführt, dagegen sind Präcautions- und
Nothimpfungen gegen diese Seuche beim
Herrschen derselben in unmittelbarer Nach
barschaft nach dem deutschen und österrei
chischen Viehseuchengesetz obligatorisch.
Schutzimpfungen gegen die Rinderpest sind
allgemein aufgegeben worden und es werden
nur noch ab und zu Nothimpfungen in infi-
cirten Heerden der grauen Steppenrasse aus
geführt, wo das Tödten solcher Heerden un
zweckmässig oder ökonomisch undurchführ
bar ist.
Schutzimpfungen gegen die Lungenseuche
sind in beständig verseuchten Gegenden in
Holland und Frankreich obligatorisch und
werden auch in Belgien und Australien in
grösserem Massstabe erfolgreich durchgeführt.
Nothimpfungen dieser Seuche wären in jeder
verseuchten Heerde angezeigt.
Schutzimpfungen gegen den Milzbrand
sind in den Milzbranddistricten Frankreichs
und Ungarns vielfach im Gebrauch.
Schutzimpfungen gegen den Rauschbrand
wurden in Frankreich, Baden, Salzburg,
Schweiz und Oesterreich erfolgreich ausge
führt und sind in einzelnen Cantonen der
Schweiz obligatorisch.
Schutzimpfungen gegen den Schweine
rothlauf wurden in Frankreich, Baden, der
Schweiz und in Ungarn mit einigen günstigen
Resultaten ausgeführt.
Nothimpfungen gegen die Hundswuth
werden an von tollen Hunden gebissenen
Menschen und Hunden im Pasteur’schen In
stitut in Paris und ausserdem in dergleichen
Zweiginstituten in Petersburg, Moskau, Samara
und Odessa vorgenommen.
Weniger in Gebrauch sind bisher die
Schutz-, Präcautions- und Nothimpfungen
gegen Hühnercholera, Maulseuche, Staupe.
Die thierärztliche Behandlung als Mass-
regel gegen die Ausbreitung der Krankheit ist
in den meisten Ländern bei der Räude obliga
torisch. Dagegen ist eine derartige Behandlung
bei Rinderpest, Rotz, Wurm und Hundswuth
als unnütz und gefährlich untersagt. Semmer.
Schutzmauke nannte man die Pferde-
mauke, weil man mit Jenner annahm, dass
durch Ueberimpfung der in den Bläschen an

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