Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/346/
mit deD beiden mittleren (dritten und vierten)
Klauenbeinen auf den Boden.
Am Hinlergliede fehlt dem Ober
schenkel der dritte Rollfortsatz (Trochanter).
Das Wadenbein verläuft in ganzer Länge
neben dem Schienbein (Tibia). Das Fersen
bein trägt eine vordere Gelenkfläche (am
Sustentaculum Tali) und zwei innenseitige
Gelenkflächen zur Verbindung mit dem Roll
bein, sowie eine untere schmale Gelenkfläche
für das Würfelbein (Cuboideum). Das Roll
bein besitzt eine etwas schräg verlaufende
Doppelrolle zur Verbindung mit dem Schien
bein (Tibia) und eine gerad verlaufende
Doppelrolle, deren innerer Theil sich mit dem
Kahnbein (Naviculare), deren äusserer Theil
sich mit dem Würfelbein verbindet. Die
Alittelfussknochen sind länger als die Mittel
handknochen, übrigens aber von gleichen
Formverhältnissen; nur bei der Gattung Di-
cotyles sind die dritten und vierten Mittel
fussknochen bis auf die unteren Rollfortsätze
miteinander verwachsen.
Der Ernährungsapparat der Schweine
ist sowohl der Nahrung von Thieren wie von
Pflanzen angepasst. In beiden Kiefern sind
Schneidezähne, Eckzähne (Hauer), Vor- und
Hinterbackzäline vorhanden, doch ist ihre
Zahl bei den verschiedenen Gattungen der
Schweine verschieden. Der Magen hat einen
Blindsack und einen oder mehrere drüsen
reiche Ausbuchtungen (Divertikel). Die Leber
besteht aus zwei Haupt- und drei Neben
lappen (Mittellappen). Die Leberlappengänge
stehen durch den Blasengallengang mit der
Gallenblase in Verbindung. Der Blinddarm
ist klein und der ganze Dickdarm mit zahl
reichen taschenförmigen Ausbuchtungen (Po-
sehen) vorsehen, die durch ringförmige Ein
schnürungen von einander getrennt sind.
Die Nahrung der Schweine besteht aus
Gräsern, Halm-, Wurzel- und Baumfrüchten,
Pilzen und allen Arten des in der Erde le
benden Gewürmes, insbesondere aus Insecten
larven, endlich aus Aas; im Hausstande aus
allen möglichen thierischen und pflanzlichen
Küchenabfällen.
Der Hodensack, in welchem die Hoden
mit ihrer Längsachse aufrecht stehen, ist von
massiger Grösse. Die Ruthe (Penis) ist in
ihrem Verlaufe unter derBeckenhöhle S-förmig
gekrümmt; an ihrer, der Eichel entbehrenden
Spitze, mündet mit einem Schlitze die Harn
röhre. Der Schlauch erweitert sich vorn zum
Nabelbeutel, der von einer talgartigen
Masse erfüllt ist.
Der Eierstock ist von einer, durch das
breite Tragsackband gebildeten Tasche um
geben. Der Tragsack (Uterus) besteht aus
einem sehr kleinen Körper und aus sehr
langen, darmähnlich gewundenen Hörnern.
Die Milchdrüsen liegen zu 8—8 Paaren zu
beiden Seiten der Mittellinie des Bauches,
vom Schaufelknorpel des Brustbeines bis zur
Schamgegend. Die Milch enthält im Mittel
84% Wasser, 9% Eiweissstoffe, 4% Fett,
2% Milchzucker und 1% Mineralstoffe. Die
Trächtigkeit dauert durchschnittlich 120 Tage

und die Zahl der Jungen beträgt bei jedem
Wurf 4—16.
Die Haut ist dick und hart und überall
von schlichten oder schwach gekräuselten
Borsten besetzt, zwischen' denen im Winter
ein feines Flaumhaar auftritt; auf Nacken
und Rücken bilden die Borsten einen mehr
oder weniger langen Kamm. Die Farbe der
Borsten ist schwarz, rostbraun und weiss.
Bei dunkelfarbigen Wildschweinen haben die
Frischlinge hellfarbige Längsstreifen. Beim
Hausschwein ist die Bedeckung feinhaariger
und fehlt mitunter ganz.
Urgeschichte. Die Trennung derhöcker-
zähnigen von den halbmondzähnigen Paar
hufern geschah wahrscheinlich im unteren
Eocän des Tertiärs, wenigstens finden wir
hier Mittelformen, welche mit gleicher Be
rechtigung der einen wie der anderen Gruppe
der Paarhufer zugetheilt werden können.
Auf diesem eoeänen Grenzgebiete treffen
wir sogar Formen, welche die, den Unpaar
hufern angehörende Familie Lophiodon mit
den Familien unzweifelhafter Schweine zu
verbinden scheinen.
Als früheste Form der Schweinefamilie,
die auf der Erde erschienen ist, gilt die Gattung
Choferopotamus mit einem vollständigen
Schweinegebiss, nämlich in beiden Kiefern
jederseits mit 3 Schneidezähnen, 1 Eckzahn
und 7 Backenzähnen. Der Eckzahn (Hauer)
hat mehr die Form und die Grössenverhältnisse
desjenigen der Fleischfresser. Die Prämolaren
sind ziemlich dick, die hinteren Molaren bilden
auf der Krone zwei Reihen von Warzen oder
von abgestumpften Pyramiden, deren drei
vorn und zwei hinten stehen; der Winkel
des Unterkiefers ist vorragend. Die aufgefun
denen Knochenstücke von Choeropotamus
haben die meiste Aehnlichkeit mit denen der
heutigen Pekaris, doch mussten die Thiere
jener Gattung um etwa ein Drittel grösser
gewesen sein, als diese.
Der Stammbaum der eigentlichen Schweine
(der Gattung Sus), dessen Wurzeln wahr
scheinlich auf dem eoeänen Grenzgebiete
zwischen den höckerzähnigen und halbmond
zähnigen Paarhufern entsprangen, beginnt
für die europäischen Formen erst im Miocän
des Tertiärs mit Choerotherium und er
setzt sich durch Palaeo choerus fort bis zu
den Schweinen der Gegenwart. Neben dieser
Hauptlinie aber besteht eine Nebenlinie,
welche im unteren Miocän in Entelodon
ihren Gipfel erreicht und dann erlischt.
Jene Hauptlinie bezeichnet W. Kowa-
levsky (Palaeontographica. N. F. II, 3) als
die Linie der „adaptiven Redaction", die
andere, mit Entelodon endende, als die
Linie der „inadaptiven Redaction". Was Ko-
walevsky unter „adaptiver Redaction" (an
gepasster Vereinfachung der Füsse) versteht,
erläutert er an dem Fusse des gewöhnlichen
Schweines, wie folgt:
Die zwei Mittelzehen des Schweinefusses
sind im Vergleiche zu den zwei seitlichen
bedeutend entwickelt; auf sie fällt haupt
sächlich die ganze Last des Körpers, wäh-

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66