Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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rend die seitlichen den Boden kaum be
rühren. Um diese Last besser zu tragen,
haben sich die Mittelzehen (III und IV) nicht
nur -verdickt, sondern sich auch an die un
tere Fläche aller Fusswurzelknochen an
gepasst.
In der Gruppe der Paarhufer stellt sich
ein Gegensatz heraus zwischen solchen For
men, deren Füsse ungemein hartnäckig an
den typischen Verhältnissen festhalten und
solchen, welche diese Treue zum Typus nicht
bewahren, sondern je nach den Bedürfnissen des
Organismus in die veränderten Verhältnisse
sich fügen und sich an die Bedingungen einer
Bewegung auf zwei Zehen anpassen. Nach
Kowalevsky zeigen alle ausgestorbenen Gat
tungen, welche keine unmittelbaren Nach
kommen hinterlassen haben, die Nichtanpas
sung in ihrem Knochenbau, während alle
diejenigen Gattungen, welche unmittelbare
Nachkommen hinterliessen, sich der Bewe
gung auf zwei Zehen angepasst hatten.
Zu der Gruppe der hückerzähnigen Paar
hufer, deren Füsse jene Anpassung nicht er
langt haben, gehört allein die uutermiocäne
Gattung Entelodon, die für die Vorge
schichte der lebenden Schweineformen weiter
keine Bedeutung hat.
Die Stammlinie der Schweine, deren
Füsse die angepasste Vereinfachung zeigen,
lässt Kowalevsky ausgehen von den For
men mit fünfhöckerigen Molaren des mitt
leren und oberen Eocäns, welche er unter
dem Familiennamen der Adapiden ver
einigt. Die fünfhöckerigen Molaren der
eocänen Schweineformen wurden dann in der
Miocänzeit vierhöckerig, wie sie bei Choero-
therium, Palaeochoerus und selbst bei
den heutigen Schweinen vorkommen, bei
denen aber die vier Haupthöcker der Grund
form durch eine Wucherung von Neben
höckern verdeckt werden.
In der Gruppe der Schweine mit ange
passter Vereinfachung der Füsse stellt
Choerotherium die älteste gut bekannte
Form dar von unzweifelhaft schweineähnlicher
Gestalt. Die ersten Knochenreste dieser von
Ed. Lartct („Notice sur la Colline de
Sansan.“ 1851, 8. 32) benannten Gattung
wurden gefunden im mioeänen Lager zu
Sansan (Gers) im niederpyrenäischen Becken.
Gervais nannte sie Choeromorus.
Als zweite Stufe der angepassten Gruppe
der Schweine bezeichnet Kowalevsky die
Gattung Palaeochoerus Pomel (Hyothe-
rium Herrn, v. Meyer). Die Ueberreste dieser
Gattung wurden in den mioeänen Schichten
der Auvergne aufgefunden und zuerst von
Pomel (Catalogue. S. 85) beschrieben. Das
Gebiss ist ein vollständiges Schweinegebiss,
d»r Kopf ist kurz.
Karl F. Peters („Zur Kenntniss der
Wirbelthiere aus den Miocänschichten von
Eibiswald in Steiermark“ im 19. Bde. der
Denkschriften der k. Akademie d. Wiss. in
Wien 1868) hat die Gattungen Choerotherium
Lartet, Choeromorus Gervais, Palaeochoerus
Pomel unter dem Gattungsnamen Hyothe-

rium vereinigt und diesem auch unterge
ordnet Anthracotherium minutum. Von Glie
derknochen des Hyotherium beschreibt
Peters den grössten Theil des Ellenbogen
gelenkes vom rechten Oberarm, dessen innere
breitere Abtheilung der Rolle eine verhält
nismässig weit grössere Breite und eine viel
geringere Wölbung und demzufolge eine ge
ringere Ausdehnung nach abwärts hat, als
bei Dicotyles und Sus. Nach einigen Knochen
vom Hinterfuss, welche miteinander voll
kommen gelenken, urtheilt Peters, dass der
Mittelfuss aus getrennten Metatarsen ge
bildet sei. also nicht die bei Dicotyles so
ausgezeichnete Verschmelzung zeigt. Der
vorliegende Rest des Mittelfusses lässt sich
nur den schlankesten Gliedmassen der Gat
tung Sus beiordnen: in Uebereinstimmung
damit steht die schlanke Beschaffenheit des
Zehenknochens. Das Sprungbein trägt den
allgemeinen Charakter der Schweinefamilie
ziemlich unvermischt an sich. Entsprechend
dem schlanken Bau des ganzen Fusses ist
der Längendurchmesser im Verhältniss zur
Quere gross zu nennen.
Ueber die systematische Stellung von
Hyotherium spricht sich Peters dahin
aus. dass es eine jener fossilen Sippen sei,
welche im innigsten Anschlüsse an Sus, zu
nächst an Sus scrofa und Sus penicillatus,einer
seits den Uebergang der Schweine der alten
Welt zu dem abgeschlossenen amerikanischen
Typus Dicotyles, andererseits zu den pflanzen
fressenden Dickhäutern vermitteln hilft, wie
sie in der jetzt lebenden Thierwelt, viel
reichlicher als in den einzelnen Thiergrup
pen der Tertiärzeit gegeben sind.
Die dritte Stufe der angepassten Ver
einfachung der Füsse ist bezeichnet durch
die Gattung Sus, welche der obermioeänen
Schicht angehört und der Gattung Hyothe
rium unmittelbar folgt. Das Gebiss der
Gattung Sus ist ausgezeichnet durch die
schräg, fast wagrecht stehenden Schneide-
zähne des Unterkiefers, durch die verlän
gerten und gekrümmten Hauer und durch
die zahlreichen kleinen Nebenhöcker der Mo
laren, welche die Haupthöcker derselben utn-
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geben. Die Zahnformel ist: Schneidezähne -5-,
Eckzähne —. Prämolaren Molaren die
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Eckzähne sind von den Prämolaren durch
eine Zahnlücke (Barre, diastema) getrennt.
Die mioeänen Formen der Gattung Sus setzen
sich durch das Pliocän und das Diluvium
unmittelbar bis zur Gegenwart fort; sie sind
durch zahlreiche Arten vertreten, deren ge
schlechtlicher Zusammenhang jedoch keines
wegs festgestellt ist.
In den siwalischen Hügeln Indiens sind
Schweinereste aufgefunden worden, welche
R. Lydekker („Siwalik and Narbada Buno-
dont Suina“ in Mem. of the geol. Survey of
India. Ser. X, vol. III. p. 2, 1884) den Gat
tungen Hippohyus und Sus zuschreibt. Die
allgemeine Form des Schädels vom Hippohyus

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