Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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rufen bei den jungen Thieren leicht Durch
fälle hervor. Die weitere Fütterung der jungen
Thiere muss zunächst fortgesetzt eine möglichst
reiche sein (s. Fütterung, Nährstoffformen),
und insbesondere ist auch darauf zu sehen,
dass die verabreichten Futtermittel genug Kalk
und Phosphorsäure enthalten, die nämlich zur
Ausbildung des Körpers, insbesondere des
Knochengerüstes der jungen Thiere uner
lässlich sind. Gut geeignete Futtermittel sind
nun ausser Gerste und ausgesiebtem Hafer
schrot, die fein geschrotenen Futter
bohnen, Erbsen, Rapskuchen, Leinkuchen,
Roggen- und Weizenkleie, Kartoffeln, Rüben,
Turnips. Lässt der Aschegehalt des Futters
zu wünschen übrig (1kg Schweinemilch ent
hält ca. 10 g phosphorsauren Kalk), so ver
abreicht man nebenbei etwas Futterkno
chenmehl (5—10 g pro Haupt), welches
mit dem Futter vermischt wiid. Ausserdem
gibt man den jungen und auch den älteren
Thieren häufig noch, um dem grossen Mine-
ralbedüfniss derselben Rechnung zu tragen,
andere aschereiche Substanzen, wie Stein
kohlen- und Holzasche, Hohlzkohlen, Stein
kohlengrus. welche man an leicht zugäng
lichen Stellen ausstreut. Haben die Thiere
ein Alter von 3 bis 4 Monaten erreicht, so
bietet ihre Ernährung geringere Schwierig
keiten. Soll das Wachsthum der Thiere be
schleunigt und die ganze Entwicklung der
selben gefördert werden, so muss allerdings fort
gesetzt ein nährstoffreiches und leichtver
dauliches Futter verabreicht werden, als wel
ches besonders Milch und Molkereiabfälle,
neben geeigneten Kraftfuttermitteln, gut
tauglich sind. Man zieht so die sog. Fleisch
schweine auf, welche viel Fleisch liefern
sollen, während Speckschweine, die erst
in einem späteren Alter behufs Speckpro-
duction gemästet werden, in der Zeit bis zur
eigentlichen Mast weniger reichlich zu füttern
sind. Zur eigentlichen Fleischmast stellt
man 8—lOmonatliche Thiere auf, deren Ent
wicklung noch nicht beendet ist und bei
denen somit das gegebene Futter hauptsäch
lich zur Neubildung von Muskelfasern dient.
Fettreichere Thiere (Speckschweine) erhält
man nur bei der Mast in späterem Alter, in
welchem Falle man auch ein kernigeres
Fleisch und einen kernigeren Speck bekommt,
was noch dadurch befördert wird, wenn die
Thiere während ihrer Entwicklung Gelegen
heit hatten, viel Bewegung zu machen, wo
durch nämlich das Muskelgewebe derber und
fester wird. Werden die Mastthiere zu alt,
so liefern sie ein hartes, unschmackhaftes
Fleisch, weil sie dann zu starke und feste
Muskelfasern besitzen.
Ueber die den Schweinen behufs Mast
zu gebenden Nährstoffmengen, resp. über das
beste Nährstoffverhältniss gehen die Ansichten
auseinander. Es scheint, dass hier in erster
Linie die Beschaffenheit der verschiedenen
Futterstoffe massgebend ist. Man lässt aber
das Nährstoffverhältniss mit fortschreitender
Mast gemeinhin sich erweitern (s. Fütterung),
weil dadurch ein kernigerer Speck gewonnen

werden soll und weil die Thiere bei anhaltend
stickstoffreicher Fütterung häufig erkranken.
Ferner erheischen die meisten Futtermittel bei
der Schweinefütterung eine gewisse Zube
reitung, da die Schweine nicht gut kauen,
sondern sehr hastig fressen (schlingen). Alles
Körnerfutter ist deshalb womöglich zu schroten.
Auch das Kochen der verabreichten Futter
mittel und Futtermischungen erweist sich in
vielen Fällen als nützlich.
Speckschweine, die man erst in einem
Alter von 1% bis 2 Jahren oder noch später
zur Mast aufstellt, lässt man zweckmässiger
weise in ihrer Entwicklungszeit weiden, indem
man sie mit den nicht säugenden Mutterschwei
nen auf Brachfelder und andere geeignete Bo-
denfläehen treibt, wo dieselben grüne Pflanzen,
Insectenlarven und Pflanzenwurzeln aufnehmen.
Ausserdem werden diese Thiere Morgens und
Abends im Stalle gefüttert, was man aber,
*o lange die Schweine nicht gemästet wer
den, möglichst einfach und billig durchzu
führen trachtet. Freilich darf bei Läufer
schweinen oder Faseln die Ernährung nie
eine zu kärgliche, besonders nicht stickstoff
arm sein, da das Thier zur Körperentwicklung
vornehm lieh stickstoffhaltiger Nährstoffe bedarf.
Das Schwein mästet sich sehr schnell,
aber es verzehrt auch verhältnissmässig
grössere Futtermengen als irgend ein anderes
Thier. Die bestverwendbaren Mastfuttermittel
und überhaupt auch Schweinefuttermittel
sind: Kartoffeln, alle Arten von Rüben, Kür
bisse, die Samen der Gerste, des Mais,
der Hirsearten, des Reis, der Bohne, Erbse,
des Buchweizens, der Eiche, einzelne Gel
le uch en Sorten. die Müllereiabfälle des
Weizens, Roggens, der Gerste, des Mais, der
Hirse, des Buchweizens, Biertreber, Brannt
wein Schlempe, Molkereiabfälle, Fleisch
futtermehl und andere Fleischabfälle, Blut
und Blutkonserven, Abfälle der Stearin-,
Seifen- und Kunstbutterfabrication (Fett-
grieben). Näheres über die besonderen Wir
kungen der bezeichneten Futtermittel s. d. Pott.
Schweinehals, s. Hals.
Schweinehof, s. Schweinestallung.
Schweinejagd, Schweinehatz, Sau
hetze, vom 1 October bis December, s.
Hetze.
Schweinekrätze, Scabies suis, wird durch
die Sarcoptesmilbe, Sarcoptes squamiferus
und durch die Haarsackmilbe, Acarus s. De-
modex iölliculorum suis, verursacht.
Die von Gurlt 1846 entdeckte, dann von
Spinola, Hertwig, Gerlach, Delafond, Bour-
guignon, Fürsten borg beobachtete und be
schriebene Sarcoptesmilbe befällt vorzugs
weise die Augengruben, Obren, den Hals. die
untere Bauch- und die inneren Schenkelflächen,
kann sich aber im Laufe der Zeit über den
ganzen Körper ausbreiten. Die Milbe verur
sacht erst kleine rothe Pappeln und Bläschen,
die durch Reiben zerstört werden und rothe
nässende Flächen oder Schrunden hinterlassen.
Die Borsten an den afficirten Stellen werden
glanzlos und fallen zuletzt aus. Die stark
juckenden rothen Flecken vergrößern sich

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