Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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gelangen sie aber schnell zu einer gleich
mässigen Entwicklung, die häufig die der
gewöhnlichen Pferde, mit welchen sie zugleich
aufgezogen werden, übertrifft. Es macht sich
dies besonders bemerklich, wenn man Vollblut-
und Halbblutpferde, gleichviel welcher Rasse,
zusammen auszieht.
Im Durchschnitt hat Lavalard bei den
selben nachstehende Beobachtung gemacht:
Während der ersten 30—40 Tage nach
seiner Geburt nimmt das Fohlen um 90 bis
100% Gewicht zu. Während der dann fol
genden 60 Tage vermehrt sich dieses Gewicht,
welches das 40 Tage alte Fohlen wog. um
25—50%. In den dann folgenden 60 Tagen
nimmt das Thier wieder um 15—25% des
Gewichtes zu, das es mit drei Monaten wog.
Zwischen dem 5. und 6. Monat wird das
Fohlen gewöhnlich abgesetzt und nimmt sein
Gewicht in dieser kurzen Zeit nur um 8 bis
10% zu.
Wenn endlich das Fohlen an seine neue
Nahrung, besonders wenn dieselbe richtig
berechnet und aus stickstoffhaltigen und
phosphorsaures Salz enthaltenden Stoffen be
steht, gewöhnt ist, so fährt es fort, 20—30%
bis zu drei Jahren, 10—20% bis zu vier und
selbst bis zu fünf Jahren zuzunehmen.
Während des ganzen Jahres 1888 hat
Lavalard 350 Pferde einer Pferdebahnlinie
vor ihrem Arbeitsbeginn und nach Beendigung
ihrer Arbeit wiegen lassen. Ihre Rationen
waren berechnet worden und es wurde der Be
weis geliefert, dass ihr Yerhältniss genau der
täglich geforderten Arbeit entsprach. Lavalard
hat festgestellt, dass der Verlust während
der Arbeit bei den 520—580 Kilo wiegenden
Pferden im Mittel 5—15 Kilo oder 1—2 5%
ihres Gewichtes betrug.
Die Gewichtsfeststellungen wurden unter
durchaus identischen Verhältnissen, d. h. bei
welchen Futter und Arbeit genau die näm
lichen waren, vorgenommen.
Die grössten Schwankungen wurden bei
sämmtlichen Pferden durch die nämlichen
Ursachen, wie schlechtes Pflaster, sehr hohe
Temperatur etc. herbeigeführt.
Die Verluste werden in einigen Stunden,
die der Rückkehr von der Arbeit folgen,
ausgeglichen und repräsentiren am anderen
Tage von Neuem dasselbe Gewicht, als am
Tage vorher.
Wenn die Arbeitsleistung vermehrt ward,
so sah man die Pferde progressiv ihr Gewicht
verlieren, und es war sehr leicht, sie auf ihr
ursprüngliches Gewicht zurückzuführen (siehe
auch Lebend- und Schlachtgewicht). Air.
Schwergeburt heisst man jede Geburt,
die durch irgend einen Umstand derart be
hindert ist, dass sie ohne Kunsthilfe nicht
von Statten gehen kann. Die Geburtserschwer
nisse liegen einerseits beim Mutterthiere,
andererseits bei der Frucht, dann auch wieder
bei beiden zugleich. Beim Mutterthiere Ge
burtshindernisse bildende Zustände sind:
verschiedenartig fehlerhafte Becken, ein
zu wenig entwickeltes jugendliches Becken,
Geschwülste in der Scheide und im Gebär-

mutterhalse, in der Nähe des äusseren oder
des inneren Muttermundes befindliche Fleisch
spangen, Verengerung der Scheide und der
Scham, ein zu stark entwickeltes Hymen,
Verhärtung, Verengerung und Verwachsung
des Gebärmutterhalses, Fruchthälterbrüche,
Fruchthälterverdrehung, Extrauterinschwan -
gerschaft, mangelnde oder zu starke Wehen.
Die bei der Frucht liegenden Geburtshin
dernisse sind: zu grosse Dimensionen der
ganzen Frucht oder einzelner Theile der
selben, Schädel-, Bauch- und allgemeine
Wassersucht, angeborene Rhachitis, Miss
bildungen der Gliedmassen oder des Halses,
Aufdunsung infolge Absterbens und Fäulniss,
Geschwülste an einzelnen Körpertheilen, Miss
geburten, Zwillings- und Drillingsgeburten,
fehlerhafte Haltungen, Stellungen und Lagen,
Durchtritt des Kopfes oder der Gliedmassen
durch die Scheide oder den Mastdarm, Durch
tritt der Gliedmassen durch den Uterus in
die Bauchhöhle (s. Geburt). Strebei.
Schwerhörigkeit, Dyseko'ia s. Baryekoia
(von So?, schlecht; ßapo?, schwer; aaoösw,
hören), ist bei unseren Hausthieren noch
wenig, am häufigsten bei Pferden und Hun
den beobachtet worden. Schwerhörige Thiere
beachten den Zuruf nicht und kommen den
Befehlen ihres Herrn nicht nach, ausser wenn
die Worte mit ungewöhnlich starker Stimme
gesprochen werden, öfter auch dann nicht.
Bei schwerhörigen Pferden vermisst man das
lebhafte Ohrenspiel, sehr starke Geräusche
werden von ihnen kaum beachtet, selbst das
Abfeuern eines Gewehres in unmittelbarer
Nähe vermag sie nicht aufzuregen. Schwer
hörige Hunde sind träge und theilnahmslos.
Oester liegt der Schwerhörigkeit Ansamm
lung und Verhärtung des Ohrenschmalzes,
wohl auch eine schleichende Entzündung des
äusseren Gehörganges zu Grunde, wobei
Hunde viel mit dem Kopfe schütteln, hin
und wieder auch den Kopf schief halten und
Schmerzen äussern; untersucht man den
Gehörgang genauer, so ist er mit verhärtetem
Ohrenschmalz angefüllt, auch findet man
hier öfter geschwürige Annagungen und
bindegewebige Neubildungen vor, welche den
Zutritt der Schallwellen zum Trommelfell
erschweren. Das Ohrenschmalz kann Milben
enthalten (s. Ohrräude). Angesammeltes
Ohrenschmalz sucht man durch vorsichtige
Ausspritzungen des Ohres zu erweichen und
dann zu entfernen. Die weitere Behandlung
ist unter Ohrkrankheiten und Ohrentzün
dung nachzusehen. Ist das Trommelfell ge
sprungen oder sind die Gehörknöchelchen
lädirt, so sind die Thiere vollständig taub
und unheilbar. Anacker.
Schwerin im Grossherzogthum Mecklen
burg-Schwerin, Hauptstadt des Landes, ent
hielt ehedem ein Gestüt, das Herzog Adolf
Friedrich I. (1608—1658) in eifriger Sorge
um die Landespferdezucht hier anlegte. Der
Herzog hielt auf dem Gestütshofe einen
eigenen Gestütsmeister, den Lüdke Beneke.
Schwerin war ein Hauptgestüt und blieb
als solches viele Jahre von Bestand. Gn.

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