Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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den zuletzt die Leberzellen ganz, wobei die
Blutgefässe sich erweitern. Beim Hungern
und bei der senilen Atrophie schwinden alle
Gewebe gleichmässig, am vollständigsten
atrophirt das Fettgewebe, nächstdem die
Muskel, Milz, Hoden, Leber, am wenigsten
die Knochen und das centrale Nervensystem;
Herz und Prostata dagegen werden bei alten
Thieren oft hypertrophisch angetroffen.
Pathologische Producte und Neubildun
gen verfallen ebenfalls durch mangelhafte
Ernährung der Atrophie, so z. B. Eiter, Tu
berkel, Rotzknoten, Krebse etc., nachdem
dieselben zu moleculären Massen zerfallen.
Solche Massen bestehen aus Eiweiss, Fett,
Kalk, Pigment und werden entweder resor-
birt oder bleiben als käsige Massen zurück.
Durch Atrophie und Schrumpfung neugebil
deten Bindegewebes entstehen Contractionen,
Verengerungen, Stricturen, Verkleinerungen
(Lungen- und Lebercirrhosis, granulirte Leber
und Niere).
Die Ursachen der reinen Atrophien sind
meist mangelhafte Ernährung, Hunger, Säfte
verluste, Verengerung oder Verschluss der
zuführenden Blutgefässe oder langandauernder
Druck.
Die Folgen der Atrophien hängen von
dem Grade derselben und von der Wichtig
keit der betroffenen Organe ab. Zunächst
entwickeln sich Functionsstörungen, die bei
Atrophien der Leber, Nieren, Lungen, des
Herzens sehr deletäre Folgen haben können:
Atrophien der Muskeln mindern die Arbeits
kraft, Atrophie des Fettgewebes verringert
den Werth des Fleischviehes, Atrophien der
Geschlechtsdrüsen heben schliesslich die Zeu
gungsfähigkeit auf, Atrophien der Knochen
verursachen Locoraotionsstörungen und Kno
chenbrüche, Atrophien der Wandungen von
Höhlen, Canälen und Blutgefässen führen zu
Perforationen, Berstungen, Blutungen, Fistel
bildungen etc. Nur die Atrophien der patho
logischen Producte und Neubildungen sind
günstig für den Organismus, indem dadurch
Heilung oder wenigstens ein Stillstand im
Krankheitsprocess eintreten kann.
Beim absoluten Fasten schwinden alle
Körpersrewebe schnell und der Tod erfolgt in
4—6 Wochen, nachdem das Körpergewicht
um 40 — 60% abgenommen hat. Es schwinden
dabei vom Fett 93—97%, von den Drüsen
60%, Milz 66'7%, Leber 53'7%, Hoden 40%,
Nieren 25%, Lungen und Pankreas 17%,
Musculatur 42%, Blut 27%, Haut 20'6%,
Darm 18%, Knochen 13%, Nervensystem
3 2%, Herz 2'6%. Auch im hohen Alter wird
der Schwund oft ein hochgradiger und kann
den Tod durch allgemeine Ernährungs- und
Functionsstörungen des Organismus veran
lassen. Semmer.
Schwungfedern oder Schwingen nennt
man die langen Federn der Flügel, welche
bei den Vögeln den Flug ermöglichen. Man
unterscheidet solche der ersten Ordnung,
welche an der Hand, solche der zweiten,
welche am Vorderarm sitzen und solche der
dritten Ordnung, nämlich die schwächeren

Federn am Oberarm. Die Kiele der Schwung
federn sind von allen Seiten von grossen und
kleinen, aber kürzeren Deckfedern umgeben,
so dass aus dem ganzen Flügel eine breite
Platte gebildet wird, an welcher die Schwung
federn so angelagert sind, dass beim Heben
des Flügels die Luft zwischen ihnen durch
streift, beim Senken darunter gefangen
wird. Ableitner.
Schwungkraft, Fliehkraft, (Zentri
fugalkraft, s. Centralbewegung.
Schwyzer Vieh. Schwyz, einer der drei
schweizerischen Urcantone und der vier Wald
städte, umfasst einen Flächenraum von 908 km J
(16'4 Quadratmeilen) mit 50.396 Einwohnern.
Entsprechend der voralpinen Natur des
Landes bildet hier die Viehzucht, besonders
die von Rindern, den Haupterwerbszweig der
Bevölkerung. — Bei der letzten Zählung
(1886) fanden sich daselbst:
5 293 Pferde,
3 Maulthiere,
4 Esel,
88.531 Haupt Rindvieh,
25.905 Schweine,
936 Schafe,
18.166 Ziegen und
20.006 Bienenkörbe.
Das Stift Einsiedeln, welches von jeher
für die Viehzucht grosses Interesse gezeigt
hat, unterhält ein Gestüt zur Reinzucht der
heimischen Pferderasse, und es kommen von
dort alljährlich viele brauchbare Zucht- und
Arbeitspferde in den Handel.
Auch die Schweinezucht wird im Canton
umfangreich betrieben, und es gilt das Schwyzer
Borstenvieh mit für das beste der ganzen
Schweiz.
Die Rindviehzucht ist jedoch ohne Frage
der wichtigste Zweig der dortigen Hausthier
zucht; durch zahlreiche Sennereien und einen
bedeutenden Export von Zuchtrindern werden
in diesem Canton Jahr für Jahr grosse Summen
Geldes erworben; und es zeigen infolge dessen
die Viehzüchter eine Rührigkeit, welche volle
Anerkennung und Nachahmung verdient.
Man sagt dem Schwyzer Volke mit Recht
nach, dass es lebhaft und sehr bildungsfähig
sei; es finden sich dort unter den Landleuten
recht viele, welche bei der Aufzucht und
Auswahl von Zuchtvieh viel Geschick und
peinliche Sorgfalt an den Tag legen.
Die Schwyzer Rindviehrasse erfreut sich
schon seit alter Zeit eines besonders guten
Namens und ist daher auch von ihrer Heimat
aus weit verbreitet; man trifft dieselbe fast
in allen europäischen Staaten; selbst in den
entferntesten Gouvernements von Ostrussland
kann man sie zu sehen bekommen.
Das Schwyzer Rind gehört zur Gruppe
des grossen Braunviehes und liefert im
sog. Einsiedler Schlage die schönsten Re
präsentanten der kurzhornigen Species (Bos
brachyceros), welche letztere in den Cantonen
Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus, Appen
zell, St. Gallen, Graubünden, Bern (Ober-
hasli) heimisch ist und hier fast immer rein
gezüchtet wird. In den Cantonen Zürich

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