Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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der geschwollenen Drüse vereinzelte weiss
gelbe, trübe, trockene Punkte auf, die infolge
fettiger Degeneration an Umfang zunehmen
und schliesslich sich über die ganze Drüse
erstrecken und diese in eine gelbe, krüm-
liche, körnige, gekochtem Eiweiss ähnliche
Masse (Käse) umwandeln, welche öfter von
Bindegewebsstreifen und Kalkkrümeln durch
setzt ist. Bildet sich in der Drüsengeschwulst
ein trüber, molkiger Eiter, so haben wir ein
scrophulöses Geschwür vor uns. Beim Rind
vieh erreichen die Drüsen an den Luftröhren
verzweigungen, in der Brusthöhle und am
Gekröse oft einen colossalen Umfang, selbst
in der Haut an den vorderen Gliedmassen
und am Rumpfe können wallnussgrosse Scro-
pheln auftreten; öfter sind sie Theilerschei
nungen der Perlsucht. Bei Hunden dege-
neriren die geschwollenen Gekrösdrüsen öfter
gelatinös. Mit der Drüsenentartung hängen
ähnliche Erkrankungen in der Haut, in der
Schleimhaut oder in den Organen zusammen,
es bildet sich auch in ihnen Eiter und Käse,
eine scrophulöse Affection, die man Scro-
phuliden oder, weil sie ohne merkliche
Entzündung zu Stande kommt, kalte oder
Lymphabscesse genannt hat. Anacker.
Scrophulariaceae (Personatae). Rachen-
blüthige Gewächse oder Maskenblüther,
einheimische Kräuter oder Haibsträucher, zu
denen auch der rothe Fingerhut, Digitalis
purpurea; das Wollkraut, Verbascum; das
Purgir- oder Gottesgnadenkraut, Gratiola
officinalis, die Veronicaarten (Ehrenpreis)
und die Braun würz,
Scrophularia nodosa (L. XIV. 2)
gehört, welche früher einen Ruf gegen alle
Drüsengeschwülste (Scropheln), sowie gegen
Halsbräune besass, jetzt aber verlassen
wurde. Vogel.
Scrophulosis, von scrofula, Kropf, Schwel
lung derHalsdrüsen,Skrophelkrankheit: franz.:
scrofule; engl.: scrofula; Italien.: scrofole;
span.: escrofulas; russ.: solotucha, ist eine
chronische Krankheit, die vorzugsweise bei
Ferkeln vorkommt (daher auch der Name von
scrofula, Ferkel), seltener bei Kälbern und
Hunden angetroffen wird und sich durch
chronische Schwellungen, Verkäsungen und
Vereiterungen der Lymphdrüsen, chronische
Entzündungs- und Eiterungsprocesse in der
Haut, in den Schleimhäuten, Knochen und
Gelenken sich auszeichnet und häufig in
Tuberculose übergeht.
Historisches. Die Scrophulose der
Schweine gehört zu den ältesten, bekannten
Schweinekrankheiten und wird bereits von
Aristoteles eingehend beschrieben. Weitere
Beschreibungen der Scrophulose der Ferkel
wurden von Toggia, Dupuy, Lafosse, Roloff,
Spinola, Benion u. a. geliefert. Die Scrophu
lose bei Hunden wurde von Lafosse, Leblanc
und Benion und bei Rindern von Ayrault,
Rothenbusch u. a. beobachtet.
Die Scrophulose wurde bis in die Neu
zeit für eine besondere, selbständige, specifi
sche Krankheit gehalten, bis Klebs durch
Impfung mit tuberculösen Massen an Thieren

Scrophulose erzeugte, Schuppe! in den scro-
phulösen Drüsen Tuberkel nachwies und bei
der Scrophulose Tuberkelbacillen constatirt
wurden. Seit der Zeit wird die Scrophulose
von vielen Autoren nur als eine Form oder
Vorstufe der Tuberculose betrachtet, in
welche sie in der That häufig übergeht.
Birch-Hirschfeld bezeichnet sie als tuber-
culöse Lymphadenitis.
Ganz identisch mit der Tuberculose ist
die Scrophulose aber nicht, denn es werden
häufig Heilungen der Scrophulose beobachtet,
die bei der Tuberculose zu den seltensten
Ausnahmen gehören. Arloing hat in der That
durch Impfungen an Meerschweinchen und
Kaninchen einen durchgreifenden Unter
schied zwischen Scrophulose und Tuberculose
constatirt. Während die wahre Drüsenscrophu-
lose bei Meerschweinchen stets eine allge
meine Tuberculose erzeugt, bewirkt sie bei
Kaninchen nur eine Localerkrankung ohne
Verallgemeinerung, die Tuberculose dagegen
erzeugt bei beiden Thieren eine tuberculose
Allgemeinerkrankung. Das Tuberkelcontagium
gewinnt im Organismus des Meerschwein
chens an Virulenz, während das Virus der
Scrophulose im Meerschweinchen unverändert
bleibt. Daraus schliesst Arloing, dass die
Bacillen der Scrophulose eine weit geringere
Virulenz besitzen als die Tuberkelbacillen.
Aetiologie. Als Ursachen der Scro
phulose werden beschuldigt mangelhafte Er
nährung, verdorbene Nahrungsmittel, schlech
ter, schmutziger, enger, dumpfer Aufent
haltsort ohne Ventilationen, Mangel an Be
wegung und frischer Luft, Kälte, Feuchtig
keit, ebenso übermässige Ernährung bei
mangelhafter Bewegung, besonders bei den
edleren importirten Schweinerassen, Inzucht
und Vererblichkeit. Obgleich die Vererblich
keit der Scropulose von vielen Autoren in
Abrede gestellt wird, so lässt es sich nicht
leugnen, dass die Nachzucht scrophulöser
und tuberculöser Thiere häufiger an Scro
phulose leidet als die Nachzucht gesunder
Thiere. Es werden somit die Krankheits
keime oder besondere Anlagen zur Erkran
kung an Scrophulose, wie eine schlaffe,
schwache, widerstandslose Constitution ver
erbt. Bei Ferkeln, Kälbern und Hunden
spielt noch die Fütterung mit Milch, Fleisch
und Abfällen von tuberculösen Kühen eine
wichtige Rolle, da nach Klebs u. A. durch
tuberculöse Substanzen Scrophulose erzeugt
werden kann. Eine besondere Disposition
verleihen noch die angeführten schlechten
hygienischen Verhältnisse. Ob der Scrophel-
oder Tuberkelbacillus vom Anbeginn der
Krankheit an stets vorhanden ist oder erst
später hinzukommt und einen günstigen
Boden für seine Entwicklung findet, ist noch
Gegenstand der Streitfrage. Das Scrophel-
virus ist jedenfalls wenigstens im Beginn der
Krankheit nicht ganz identisch mit dem
Tuberkelvirus.
Die Symptome der Scrophulose sind
etwas verschieden, je nach der vorwiegenden
Affection einzelner Körperorgane und Ge-

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