Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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webe und darnach theilen einige Autoren die
Scrophulose in Drüsenscrophel, Bindegewebs-
scrophel, Hautscrophel, Gelenkscrophel und
Scbleimhautscrophel. Am häufigsten tritt die
Scrophulose in Form der Drüsenscrophel auf.
Die Lymphdrüsen am Kopf und Halse, aber
auch an der Brust und am Bauch, die Achsel
und Leistendrüsen unterliegen einer indolenten
Schwellung, die nachher in käsige Entartung
oder Vereiterung übergeht. Dabei können die
vereiterten Drüsen nach aussen durchbrechen
und zu langwierigen Fistelgeschwüren Anlass
geben. Bei der Bindegewebsscrophulose ent
stehen eitrige Infiltrationen im Bindegewebe
an verschiedenen Körpertheilen mit nach
folgender käsiger Entartung, wobei knoten
artige Verdickungen im subcutanen Binde
gewebe sich bilden, die nachher durchbrechen
und in Geschwüre übergehen können. Die
Hautscrophulose zeichnet sich durch chroni
sche, eczematöse und impetiginöse Haut
entzündungen aus.
Bei der Gelenkscrophulose entwickelt
sich eine chronische Schwellung, Verhärtung
und Verdickung der Gelenke mit Ausgang
in Bindegewebs- und Knochenwucherungen,
Eiterungen, cariöse und nekrotische Zerstö
rungen der Knochen und Knorpel, Fistel
bildungen und Ankylosen.
Die Schleimhautscrophulose charakteri-
sirt sich durch katarrhalische oder entzünd
liche Affectionen der Conjunctiva und des
Gehörganges, der Nasen-, Kehlkopf- und
Bronchialschleimhaut nebst Schwellung der
Bronchialdrüsen, des Rachens und der Darm
schleimhaut mit Schwellung der Darmfollikel
und Mesenterialdrüsen.
Selten kommen die genannten Formen
der Scrophulose für sich allein vor, sondern
sie compliciren sich meist miteinander.
Der Verlauf der Scrophulose ist ein
langsamer, chronischer.
Der Ausgang in den Tod oder in all
gemeine tuberculöse Phthisis ist bei ungün
stigen hygienischen Verhältnissen häufig,
unter günstigen äusseren Verhältnissen kann
aber auch Genesung eintreten.
Pathologische Anatomie. Bei der
Section der an Scrophulose eingegangenen
Thiere findet man ausser den genannten,
äusserlich wahrnehmbaren Erscheinungen fast
sämmtliche Lymphdrüsen des Körpers ver
größert, erbsen- bis taubeneigross und grösser,
im Stadium zeitiger Infiltration oder in kä
siger Entartung und Vereiterung begriffen,
zuweilen auch von Knötchen durchsetzt oder
in Kalkentartung begriffen. Im subcutanen
Bindegewebe fibröse Verdickungen, eitrige
und käsige Herde, ebenso in den Ovarien,
Hoden und Milchdrüsen. Die Gelenke meist
mit eitrigem Exsudat gefüllt, die Umgebung
der Gelenke verdickt, mit käsigen und eitri
gen Herden durchsetzt, die Gelenkflächen
rauh, cariös oder verwachsen; beim Ausgang
in Tuberculöse finden sich Tuberkel in den
Lungen, der Leber, Milz, am Darm, in den
Lymphdrüsen und tuberculöse Geschwüre auf

den Schleimhäuten; hier lassen sieh auch
stets Tuberkelbacillen nachweisen.
Die Diagnose der Scrophulose ist bei
ausgebildeter Krankheit und Schwellung
sämmtlicher Lymphdrüsen keine schwierige
und nur in den ersten Stadien oder bei ober
flächlicher Untersuchung kann die Krankheit
mit Angina,Katarrhen, acuten Hautexanthemen
und Gelenkrheumatismus verwechselt werden.
Eine scharfe Grenze zwischen Scrophulose und
Tuberculöse lässt sich aber nicht ziehen.
Die Prognose der Krankheit ist bei
schlechten hygienischen Verhältnissen eine
ungünstige.
Die Behandlung der Scrophulose ist
eine rein diätetische. Man sorge für einen
warmen, luftigen, trockenen, reinen Aufent
haltsort, für reichliche, gesunde Nahrung,
der man verdauungsstärkende, bittere, ad-
stringirende und aromatische Mittel zufügen
kann. Ferner ist es angezeigt, die Thiere bei
gutem Wetter täglich auf die Weide zu
treiben oder wenigstens auf den Hof heraus
zulassen, um ihnen Bewegung im Freien zu
verschaffen. Einige Autoren empfehlen auch
Eisenpräparate und Phosphate. Das von
Vielen gerühmte Jod und der Fischleberthran
sind für die gewöhnliche Praxis zu kost
spielig (s. Tuberculöse, Darrsucht, Drüseit-
scropheln, Gelenkseuche, Hautscropheln).
Literatur: Aristoteles, Geschichte der Thiere.
— Spinola, Krankheiten der Schweine. Berlin 1842.
— Lebert, Traitd pratique des maladies scrofuleuses.
Paris 1849. — B a z i n, Le^ons th6or. et clin. sur la
scrofule. Paris 1861 — Hardy, Lecons sur la scrofale.
Paris 1864. — Lafosse, Pathologie. Toulouse 1868. —
Sch öppel, Untersuchungen über Lyraphdiüsentuber-
culose. 1871. — B e n i o n, Maladies du porc. Paris 1872.
— Roloff, Die Schwindsucht der Schweine, Berlin 1875.
— Z ü n d e 1, Dictonnaire. Paris 1877.— Friedberger
und Fröhner, Spec. Pathologie und Therapie. Scmtncr.
Scrotum s. scorium (von y_6piov, Haut),
der Hodensack (s. d.). Anacker.
Scrupel. Früheres Apothekergewicht,
s. Medicinalgewicht.
Scutellaria galericulata. Gemeines
Helmkraut feuchter Wiesen, einheimische
Labiate L. XIV. 1, so genannt wegen dem
kleinen Näpfchen (Scutella) an der Blüthe
hinter der Oberlippe am Kelch, wird als
bitteradstringirendes Stomachicum bei
acuten fieberhaften Magendarm catavrhen im
Aufguss benützt oder als Tinctura Scü.-
tellaria, die auch gegen Schluchzen wirk
sam sein soll. Früher galt auch die Scu
tellaria later! flora als Mittel gegen
Wasserscheue. Vogel.
Scutellum (von scutum, der Schild, der
Schildknorpel), das Schildchen. Anacker.
Scutiformis, schüsselförmig, bei Blüthen
gebraucht, ebenso bei Hautausschlägen, z. B.
den Borken des Favus; scutulatus ist eine
ähnliche Bezeichnung für schildförmig, be
sonders bei Pflanzen. Vogel.
Scutulum (von scutum, der Schild), der
Grind von rundlicher Form, der bei Favus
vorkommt, (s. d.) Anacker.
Scylax (von y.6u>v, Hund), ein junger
Hund, ein junges Thier. Anacker.

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