Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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hohlraum ergossen, worauf sich die erschlaf
fende und infolge des Nachlassens der Con-
tractionen vom Druck befreite Zelle von
Neuem vollsaugt etc. Der geschilderte Vor
gang erfolgt nur auf Anregung vom Nerven
system. Dieses versetzt die Drusen- und
Muskelzellen in den thätigen Zustand. Beim
Fehlen des Nervenreizes ruhen die Zellen
und sistirt die Wassersecretion. Die letztere
beruht also in einer Eigenthätigkeit der
Drüsenzellen und nicht in den Circulations-
verhältnissen der Drüsen.
2. Die Secretion der specifischen
Bestandtheile. Die specifischen Bestand-
theile (Eigenbestandtheile) der Drüsensecrete
finden sich entweder schon im Blute (fertig
ausgebildet oder in Form von Vorstufen)
vor, oder sie müssen aus anderen Blut
bestandtheilen erst in den Drüsen gebildet
werden. Ueber die Absonderung dieser Stoffe
wissen wir Folgendes: a) die im Blute vor
handenen Körper werden in der betreffenden
Drüse infolge einer specifischen, auf Nerven
reiz hervortretenden Attraction der Drüsen
zellen dem Blute in grösseren Mengen ent
zogen. Dies geschieht entweder schon in
den Ruhestadien oder erst im Stadium der
Wassersecretion. Im ersteren Falle lagern
sich die betreffenden Stoffe in die Zellen,
welche dann ihre Reservoire darstellen, ein,
um bei der Wassersecretion dem Secretwasser
beigemischt zu werden; ß) die Bildung der
nicht im Blute vorgebildeten Stoffe geschieht
entweder in der Weise, dass im Momente
der Secretion an besonderen, dem Blute ent
zogenen Stoffen ein chemischer Vorgang ab
läuft, vermöge dessen aus ihnen der speci
fische Secretbestandtheil entsteht, oder sie
geschieht in der Weise, dass der letztere
schon in den Ruhestadien in und von den
Drüsenzellen producirt, in ihnen abgelagert
und erst während der Wasserabsonderung
langsam löslich gemacht, gelöst und dem
Secret allmälig beigemischt wird. Gewöhn
lich bilden die Drüsenzellen in den Ruhe
stadien nicht den Eigenbestandtheil der Le
erste selbst, sondern nur eine Vorstufe des
selben, so z. B. das Zymogen der Verdauungs
fermente (Protrypsin, Propepsin, Pepsinogen).
Die Umwandlung der Vorstufe in den be
treffenden Körper erfolgt entweder während
dsr Wassersecretion unter gleichzeitiger Bei
mischung zum Secretwasser, oder sie erfolgt
im Drüsenhohlraumsystem oder in den Aus
führungsgängen, oder auch erst später in
dem nach aussen oder in eine Körperhöhle
ergossenen Secrete.
Die Zellarbeit kann in ihren Resultaten
zum Theil durch die mikroskopische Betrach
tung der Zellen festgestellt werden. Die
thätig gewesene Drüsen zelle hat ein ganz
anderes Aussehen als die ausgeruhte Zelle.
Während des Secretionsaetes verschwindet
das in den Zellen in Form von Körnchen
oder hyalinen Massen aufgehäufte Material
und die Zellen werden dadurch natürlich
kleiner und arm oder ganz frei von dem be
treffenden Secretstoffe. Daneben beobachtet

man Veränderungen am Kern und den Kern
körperchen in Bezug auf Grösse, Gestalt,
Lage, Färbbarkeit u. s. w.
Die Zellen geben aber während der Se
cretion nicht allein das aufgehäufte Secret-
material ab, sondern sie bilden auch in ge
ringen Mengen neues für die Secretion sofort
verwendbares Material und vor Allem aber
neue feinkörnige, netzförmig angeordnete,
arbeitsfähige junge Zellsubstanzen. Dadurch
nehmen die Zellen ein feinkörniges Aussehen
an und werden fähig zum weiteren Leben
und zu der während des nachfolgenden Ruhe
stadiums erfolgenden Bildung neuen Abson
derungsmateriales. Durch diese Neubildung
wird es verhindert, dass die Zellen infolge
der Lücken, welche durch das Verschwinden
des genannten Materiales in ihnen auftreten,
zu Grunde gehen. — Gewisse Zellarten wer
den aber trotzdem bei der Secretion, nament
lich bei recht lebhafter Thätigkeit, zerstört
und dem Secret beigemischt. Die dadurch
im Zellbelag der Drüsenräume entstehenden
Lücken werden durch Ausbildung und Ver
mehrung der Ersatzzellen ausgefüllt.
Nach meinen eigenen Beobachtungen,
welche mit denen einiger neuerer Beobachter
übereinstimmen, liegen bei vielen Drüsen die
Verhältnisse so, dass die Zellen einer Drüse
nicht alle gleichmässig thätig sind, sondern
dass die Zellen und Zellgruppen derselben
Drüse abwechselnd ruhen und arbeiten. Bei
Untersuchung einer sog. thätigen Drüse
findet man thätige und unthätige Drüsen-
theile (Gruppen von Acini oder Tubuli), ja
sogar thätige und unthätige Zellen in dem
selben Acinus neben einander.
Die vorstehenden Betrachtungen haben
gezeigt, dass die secretorische Arbeit der
Drüsen wesentlich durch die Eigenthätigkeit
der Drüsenzellen und der umgebenden Muskel
zellen, resp. der contraetilen Membrana pro-
pria vollzogen wird. Die frühere Vorstellung,
welche die Drüsenzellen nur als Filter für
die Bluttranssudate ansah, hat sich als un
richtig erwiesen. Dies ergibt sich vor allen
Dingen aus der schon erwähnten That
sache, dass die Drüsenthätigkeit auch an
ausgeschnittenen und solchen Drüsen, deren
Blutgefässe unterbunden werden, noch an
dauert, ja dass sogar an todten Thieren, kurz
nach dem Eintritte des Todes gewisse Drüsen
durch Reizung ihrer Nerven wieder in Thä
tigkeit versetzt werden können. Hinge die
Drüsenthätigkeit nur von der Blutcirculation,
resp. der Säfteströmung ab, dann könnte in
beiden Fällen eine Drüsenthätigkeit nicht
bestehen. Wenn sonach durch die angege
benen Thatsachen der Beweis für die Eigen
thätigkeit der Drüsenzellen erbracht ist,
dann zeigt uns aber die andere Thatsache,
dass in den beiden angegebenen Fällen die
Drüsensecretion nur unvollkommen und nur
kurze Zeit bestehen kann, wie gross der
Einfluss der Blutcirculation auf
die Secretionen ist. Das Blut liefert den
Zellen das Secretionsmaterial. Fehlt dies,
dann muss die Secretion, d. h. die Drüsen-

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