Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/434/
Das Pferd wird umgelegt, die betreffende
Extremität ausgebenden, nachdem sie in einen
Beigurt gelegt ist, der von je einem Manne
nach vorne und nach hinten gehalten wird.
Der Vorderfuss wird mehr nach vorne, der
Hinterfuss mehr nach hinten gezogen, auf
einen Strohbund gelegt und hier nieder
gehalten.
a) Der offene Schnitt am Vorderfuss.
Ungefähr in der Mitte des Schienbeines wer
den auf der äusseren Seite der Hufbein
beugesehne die Haare abgeschnitten, abge
bürstet etc. und dann wird mit dem geballten
Bistouri die Haut auf dem äusseren Bande
der Sehne ca. 4 cm lang nach abwärts durch
schnitten und durch Präparation die Sehne
möglichst blossgelegt; hierauf drückt man
ein stumpfes Tenotom fläch vor der Hufbein
beugesehne in die Tiefe, bis man auf der
inneren Seite des Fusses das Instrument
unter der Haut fühlt, wendet unter Beugung
des Fessels das Messer mit der Schneide
gegen die Sehne, lässt diese durch verstärkten
Zug der um den Fessel liegenden Beigurt
nach vorne und durch Bückwärtsziehen
des Schienbeins mittelst eines umgelegten
schmalen Handtuches nach hinten strecken
und durchschneidet sie unter Hin- und Her
ziehen des Messers. Man hört ein Krachen,
fühlt ein Nachgeben der Sehne und eine
Lücke im Sehnenverlauf, sobald der Schnitt
gelungen ist.
Im Bedürfnissfalle wird dann auf gleiche
Weise auch noch die hinter der Hufbein
beugesehne liegende Sehne des Kronbeinbeu-
gers durchschnitten. Hierauf wird die Wunde
gehörig mit 3%igem Carbol- oder 2%igem
Lysolwasser oder mit Sublimatwasser (1:1000)
gereinigt und ein aseptischer Verband mit
telst Tricotbinde umgelegt; der Verband
wird so bald als nöthig immer wieder erneuert.
Nach einigen Wochen ist die Wunde in den
häufigsten Fällen geheilt, namentlich wenn
während der Nachbehandlung eine absolute
Buhe des Thieres und ein strenges antisep
tisches Verfahren eingehalten wurde.
An der hinteren Extremität wird in glei
cher Weise von innen aus operirt.
b) Der subcutane Schnitt wird wegen
der Gefässe und Nerven am Vorderfuss
zweckmässig von aussen her, am Hinter
fuss von innen aus begonnen. Das Pferd
liegt, die Extremität wird wie vorhin fest
gelegt, die Haare werden abgeschnitten etc.,
Haut und Instrumente mit Lysol desinficirt.
Ungefähr wieder in der Mitte des Schien
beines sticht man das Brogniez’sche spitze
Tenotom, dessen Schneide nach dem Hufe zu
gerichtet ist, unmittelbar vor der Sehne des
Hufbeinbeugers durch die Haut und das
Bindegewebe in die Tiefe, bis man auf der
anderen Seite unter der Haut die Spitze
des Messers fühlt. Nun nimmt man das In
strument heraus und führt das stumpfe
Tenotom in gleicher Weise wie das vorige in
die gemachte Wunde ein, lässt die Sehne
durch Abbeugen im Fessel erschlaffen, wen
det dabei das Messer mit der Schneide gegen

die Sehne, lässt die Sehne wie bei a) strecken
und durchschneidet alsbald dieselbe und wenn
nothwendig auch gleich die Kronbeinbeuge-
sehne. Haut, Gefässe und Nerven sollen nicht
verletzt werden. Die Nachbehandlung ge
schieht wie beim offenen Schnitt.
Diese Tenotomien haben meistens nur
einen vorübergehenden Erfolg, das alte Leiden
recidivirt. Das Beschläge muss man stets
den bestehenden Verhältnissen entsprechend
einrichten.
C. Der Nackenbandschnitt (Tra-
cheliotomie, von rpäyijXos, Nacken). Von
Langenbacher (? 1818) in Wien zuerst
ausgeführt. Die Operation kommt bei der
sog. Genickfistel der Pferde zur Ausführung,
wenn das Nackenband selbst nekrotisch wurde,
oder wegen beständiger Beibung seine Um
gebung sich abschleift und deshalb keine
Heilung der Fistel eintritt. Die Operation
wird am besten am stehenden Thier im
Defays’schen Nothstand vorgenommen;
ausserdem am liegenden Pferde. Die Trache-
liotomie ist angezeigt, wenn bereits durch
Ulceration das Nackenband freigelegt ist;
gewöhnlich sind um diese Zeit schon seit
liche Einschnitte gemacht und kann man
meistens auch mit dem Finger unter dem
Nackenbande durch. Ist letzteres nicht der
Fall, so muss man sich zum Operations
zwecke mit dem Messer erst diesen Weg
bahnen; ich glaube aber, dass, wenn man
dieses erst thun muss, um den Nackenband
schnitt ausführen zu können, man mit der
Operation noch zuwarten kann. Die Opera
tion nützt unzweifelhaft; beim Tragen des
Kopfes tritt keine Veränderung ein; eine
tiefe Narbe bleibt zurück.
Zunächst wird das Geschwür ganz
gründlich gereinigt und desinficirt. Man lässt
den Kopf des Thieres heben, geht mit dem
desinficirten Finger unter das Nackenband
und schiebt neben oder auf dem Finger, oder
wenn man nur mit einer schwach gebogenen
breiten Hohlsonde unter das Nackenband ge
langen kann, in der Binne der Sonde das
Tracheliotom, die Schneide gegen das Ligam.
nuchae gerichtet, unter das letztere; entfernt
Finger oder Sonde, lässt den Kopf stark
abbeugen und schneidet, das Tracheliotom
fest gegen das Band angedrückt und hin-
nnd herziehend, das Nackenband durch, ohne
die Haut über demselben oder nebenliegende
Muskeln zu verletzen. Man operirt nicht zu
nahe am Hinterhauptbein und kann unter
Umständen über dem 1. oder 2. Halswirbel
auch nur einen von den zwei Strängen, aus
denen an dieser Stelle das Ligament besteht,
durchschneiden. Lafosse empfiehlt die sub
cutane Methode. Ist das Lig. nuchae ne
krotisch etc., so muss das kranke Stück
entfernt werden; man schneidet zuerst das
Band an der unteren (hinteren) Stelle durch,
hebt den Kopf, fixirt den Stumpf des Liga
ments mit einem starken, spitzen Haken
und schneidet mit einem scharfen Messer
(Scheere?) das kranke Stück heraus. Hierauf
gründliche Beinigung der Wund-, resp. Ge-

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66