Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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theils vom Menschen (u. zw. von möglichst
gesunden und kräftigen Personen verschie
denen Alters und Geschlechtes, wobei aber
jedes gesondert geprüft wurde), theils von
Thieren. Zunächst prüfte Referent diese Po
tenzen für sich allein, dann in Verbindung
mit verschiedenen Getränken mittelst Neural
analyse. Dann schritt er zu Massenexperi
menten an Gesunden und an Kranken, z. B.
bei im Grossen angestellten Versuchen ope-
rirte er mit diesen menschlichen Individual
stoffen; zu den Tausenden vonPersonen, die sich
an diesen Proben betheiligten, gesellten sich
Tausende von Personen, mit denen andere
Versuche, namentlich mit Cigarren, angestellt
wurden, und andere Tausende von Personen
wurden dadurch herbeigezogen, dass viele
seiner Schüler und Anhänger diese Demon
strationen in ihren Kreisen fortsetzten. Liegt
schon in der Massenhaftigkeit der Versuche
eine Garantie für die Sicherheit des Resul
tates, so wurde ausserdem durch Variationen
der Versuche, durch Ausführung derselben
ohne Vorwissen der Person, durch Versuche
am Thier über jeden Zweifel erhoben, dass
es sich hiebei nicht etwa um die sog. „Sug
gestion“ handelt, die Referent nicht bestreitet,
die aber seines Erachtens gegenwärtig häufig
zur Erklärung von Vorgängen herbeigezogen
wird, die mit ihr nicht das Mindeste zu thun
haben, sondern lediglich Wirkung hochver
dünnter Riechstoffe sind.
Es würde zu weit führen, hier über diese
Versuche, insbesondere die mit den verschie
denen menschlichen Individualstoffen, die
Referent Anthropin (von Anthropos, der
Mensch, also Menschenstoff) nannte, ausführ
liche Mittheilung zu machen. Nur das möchte
Referent betonen: Wer diese Versuche nach
macht, wird finden, dass sie einen tiefen
Blick in Dinge thun lassen, deren Verständ
niss bisher nicht für möglich galt, und er
wird sich überzeugen können, es handle sich
hier nicht um eine wissenschaftliche Spielerei,
sondern um Dinge von grosser praktischer
Tragweite. Das allgemeine Resultat der Ver
suche ist kurz folgendes: Die im Fettschweiss
in besonders grosser Menge enthaltenen spe
cifischen und individuellen Riechstoffe sind
die Träger der specifischen und individuellen
Lebenskraft, der Stoff, der dem gesunden
Körper seine specifische Kinetik und seine
specifische und individuelle Energie verleiht,
der Träger der „Heilkraft der eigenen
Natur“, an welche die Aerzte aller Zeiten
und Schulen appellirt haben, ohne eigentlich
au wissen, was sie ist. Nachdem Referent
gefunden, dass diese „Heilkraft der eigenen
Natur“ ein Stoff, resp. Stoffgemenge ist, hat
er ihm den Namen „Selbstarznei“ gegeben.
Die Specifica und Individualia des Fett-
schweisses spielen diese Rolle indess nicht
bloss bei ihrem eigenen Erzeuger, sondern
sie sind auch die Träger des wohlbekannten
günstigen Einflusses, den kräftige gesunde
Personen auf Kranke und Schwächliche schon
durch ihre gewöhnliche Ausdünstung
ausüben und sind die Hälfte des Räthsels

des Heilmagnetismus oder Mesmeris
mus, der nichts weniger als ein Schwindel
ist, sondern von jedem Menschen constatirt
und in Wirksamkeit gesetzt werden kann,
wovon Referent sich durch zahlreiche eigene
Versuche überzeugt hat.
Diese Stoffe können deshalb auch für
sich, d. h. ohne die Verbindung mit dem
Heilmagnetismus bei anderen Personen mit
einem Erfolg als Arznei verwendet werden,
welcher sie den wirksamsten Arzneien an die
Seite stellt. Sie sind die Heilpotenz, welche der
Magnetiseur auf Wasser und feste Gegenstände
absichtlich überträgt und welche unabsichtlich
der Mensch auf Alles, was er benützt und
berührt, überträgt, weshalb die Benützung
von Garderobestücken, „heiligen Gewändern“
zu Heilzwecken weder Schwindel noch Aber
glaube ist. Diese Auffassung, die Referent
durch eigene Versuche gewonnen, lässt sich
noch durch folgende Thatsachen stützen. Re
ferent macht diese Angaben in der Hoffnung,
andere zu eigenen Untersuchungen anzuregen
und will nur noch einige Punkte anführen, die
geeignet sind, seine Aussagen zu stützen.
Schon früher ist hervorgehoben worden,
dass die übelriechenden Selbstgifte eine beson
dere Anziehung für das Wasser haben oder
eigentlich umgekehrt das Wasser für sie.
Man hat ja deshalb auch vorgeschlagen, be
hufs Reinigung der Luft flache Wassergefässe
in Krankenzimmern aufzustellen (was richtig
ist, aber nur Erfolg haben kann, wenn das
Wasser fleissig gewechselt oder mit lebenden
Pflanzen besetzt wird). Das Gegenstück ist
das Verhalten der Wohlgerüche zu Fetten
und Oelen. Fettstoffe ziehen aus der Luft
mit Vorliebe die wohlriechenden Stoffe an;
deshalb werden in den Speiseölfabriken die
Gefässe nicht geschlossen („das Oel verfei
nert sich“) und viele Hausfrauen verschliessen
auch die Oelflaschen nicht: „das Oel werde
besser“. Diese Anziehung erklärt auch die
Verwendung der Oele und Fette in der Par-
fumerietechnik (das Glycerin verhält sich
ähnlich wie Oel). Damit harmonirt nicht nur
der Umstand, dass die Fette des Fett-
schweisses die wohlriechenden Selbstarzneien,
d. h. Specifica besonders aufspeichern, son
dern auch die Thatsache, dass die Butter
kügelchen der Milch die Hauptträger ihres
Wohlgeschmackes sind, weshalb Sahne besser
schmeckt als abgerahmte Milch.
Dies führt uns zum Körperfett. Seit
alten Zeiten werden die Fettstoffe der Thiere
(und Pflanzen) nicht bloss als Grundlage zur
Aufnahme von Heilmitteln, sondern an und
für sich allein als Heilmittel verwendet
und damit ist schon constatirt, dass die Heil
mittel der Thiere zu dem Fett in näherer
Beziehung stehen als zu den wässerigen
Theilen des Körpers. Die einseitig chemische
Auffassung der Stoffe und die Nichtbeach
tung der Specifica seitens der Physiologie
hat dazu geführt, dass man den Fetten nur
allgemeine Heilwirkung zuschrieb und
jptzt in Fachkreisen darüber lacht, wenn das
Volk den Fetten der specifisch verschiedenen

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