Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Das fluchtige Senföl (Rhodanallyl) ist
in den Senfsamen nicht als solches enthalten,
sondern bildet sich aus der in den Samen
befindlichen Myronsäure (1'69—4'78%) unter
Einwirkung eines Fermentes, des Myrosins.
V. Dirks und Ulbricht vermochten
aus schwarzen Senfsamen 0>03 —1'15%
Senföl zu gewinnen. Wenn die Thiere Senf
samen verzehren, bildet sich das Senföl auch
im Magen derselben und verursacht heftige
Erkrankungen. Sogar die sog. „Senftreber“,
nämlich die Rückstände der Senfbereitung,
erwiesen sich als giftig, indem sie bei Kühen
Koliken und Fieber hervorriefen; eine Kuh
starb nach 29 Stunden infolge von Pansen
entzündung und Psalterverstopfung. Bei Füt
terungsversuchen mit Schafen, ausgeführt
von Ulbricht, wurden allerdings bis 284 g
schwarzer Senf pro Haupt und Tag, von einem
185 kg schweren Bullenkalb täglich 148 bis
444 g, von zwei hochtragenden Kühen 343
bis 820 g pro Tag ohne nachteilige Folgen
verzehrt. Dessenungeachtet sind Samenge
mische, die viel schwarzen Senf enthalten,
mit grosser Vorsicht, womöglich geschroten
und behufs Austreibung des flüchtigen Senf
öles gekocht zu verfüttern. Auch die samen-
(schoten-) tragenden Senfpflanzen äussern
häufig giftige Wirkungen.
Der weisse Senf (Sinapis alba), ein
heimisch in Mittel- und Südeuropa, Nord
afrika und im gemässigten Westasien, wird
als Grünfutter, Gewürz- und Oelfrucht ange
baut. Sehr schnellwüchsige, dankbare, blatt
reiche Grünfutterpflanze, auch auf gerin
geren Böden gedeihend, allein oder im Ge
misch mit anderen Pflanzen angebaut. Muss
aber schon vor, resp. bei Beginn der Blüthe
gemäht werden, da er sonst zu holzig wird
und weil der schotentragende Senf den
Thieren, besonders dem Milchvieh weniger
zuträglich ist. Kurz vor der Blüthe, resp.
bei Beginn der Blüthe gemähter Grünsenf
enthält im Mittel:
14’0% Trockensubstanz
2'5 „ Stickstoffsubstanz
0 5 „ Rohfett
5 3 „ stickstofffreie Extractstoffe
4 1 „ Holzfaser
16 „ Asche
N. Hornberger fand bei einem Roh
proteingehalt (Gesammt- Stickstoffsubstanz)
von 2’27 bis 2'95% 18—2'23°/ 0 wiikliches
Eiweiss. Bezüglich seiner Verdaulichkeit
dürfte sich der Giünsenf den besten Klee
sorten ähnlich verhalten.
Der Grünsenf ist ein ausgezeichnetes
Milchfuttermittel, das nach Eugfene March and
eine albuminreiche und caseinarme, beson
ders aber eine sehr fettreiche Milch liefert,
aus der man eine gelbe, sehr schmackhafte
Butter gewinnt. Senf als alleiniges Futter für
Milchkühe ist übrigens nicht zu empfehlen,
da er zu wasserreich ist und leichten Durch
fall hervorruft. Am besten gibt man von
Senf nur bis zur halben Tagesration. Für
Kälber, Pferde und Schafe ist der weisse Senf
als Nebenfuttermittel empfohlene werth, in Ba

den dient er auch zur Herstellung von Schaf
weiden, man darf ihn aber nur überweiden,
da die Thiere sonst leicht „auflaufen“. Auch
als Dürrheu ist er gut verwendbar. Senf
dürrheu enthält im Mittel:
85'8°/ 0 Trockensubstanz
11 6 „ Stickstoffsubstanz
1 9 „ Rohfett
38 1 „ stickstofffreie Extractstoffe
24 0 „ Holzfaser
8 2 „ Asche
Bei der Dürrheugewinnung ist Schoten
ansatz besonders sorgfältig zu vermeiden, da
sich sonst leicht beim Trocknen nahezu reife
Samenkörner bilden.
Man kann den Grünsenf auch durch
Einsäuern conserviren. Eingesäuerter Senf
enthält nach E. v. Wolfs:
15T% Trockensubstanz
2 5 „ Stickstoffsubstanz
0 4 „ Rohfett
6 1 „ stickstofffreie Extractstoffe
3 8 „ Holzfaser
2 3 „ Asche
Gut eingesäuerter, nicht zu breiiger
Sauersenf wird vom Milchvieh gerne und
mit gutem Erfolg gefressen.
Die Samen des weissen Senfes ent
halten im Mittel:
92'4% Trockensubstanz
28'0 „ Stickstoffsubstanz
29 6 „ Rohfett
23'8 „ stickstofffreie Extractstoffe
6 5 „ Holzfaser
4 5 „ Asche
Sie enthalten nach Laubenheimer und
H. Will eine der Myronsäure analoge Verbin
dung, das Sinalbin (Schwefelcyan-Sinapin),
welches wie jene durch das gleichzeitig vor
kommende Myrosin gespalten wird und in
Zucker, schwefelsaures Sinapin und Schwefel-
cyan-Akrinyl zerfällt. Die Samen des weissen
Senfes entwickelten nach Dirks und Ulbricht
zwar nur 0 02—0'084°/ o flüchtiges Del. Grös
sere Gaben dieser Samen dürfen dessenunge
achtet nur zei kleinert und gekocht (bis zur
Austreibung des flüchtigen Oeles) verfüttert
werden.
Senfhaltiger Hafer erwies sich bei
zwei alten Pferden dadurch nützlich, dass
dieselben alsbald besser frassen, fleischiger
wurden, glatteres Haar bekamen, mehr Aus
dauer zeigten, und weniger von Dampf — an
dem dieselben sonst hochgradig litten — be
lästigt waren.
Senfspreu. Während das Stroh der
Senfpflanze (Sinapis alba und Brassica nigra)
fast keinen oder doch nur sehr geringen
Futterwerth hat, wird die Senfspreu (die
sog. „Senfkappen“) von den Wiederkäuern
und Pferden gerne verzehrt. Sie gilt als
ebenso nährstoffreich, aber leichter verdau
lich als die Rapsschoten.
Senfsamenrückstände (Senfkuchen).
Alle Senfsamen enthalten ausser flüchtigem
Oel (s. Senfsamen) ein fettes, mildes, geruch
loses Del, welches fabriksmässig dargestellt
und das wie Rüböl verwendet wird. Zur Gewin-

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