Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/469/
paratum, darstellen, indess hauptsächlich nur
kohlensauren Kalk enthalten. Vogel.
Seplasiarius (von Seplasia, Marktort in
Capua) der Salbenhändler, derMaterialist. Anr.
Lepsin, eine stickstoffhaltige Substanz,
welche von Schmiedeberg und Bergmann
aus faulenden Hefezellen nach der für die
Isolirung der Alkaloide aus Leichentheilen
geltenden Methode von Stas-Otto dargestellt
wurde. Die schwefelsaure Verbindung des
Sepsins ist krystallinisch und ihre Lösung
wirkt auf Hunde und Frösche ebenso giftig
wie die faulende Hefe, aus der das Sepsin
dargestellt wurde. 8. auch Leichenalkaloide.
Loebisch.
Sepsis (von oy)<{i, faules Geschwür, Fäul-
nisserregendes), die Fäulniss, die Auf
lösung. Anacker.
Septicaemia (von oirjiteiv, faulen; o^ir-
tixo’s, faulend; atp.a, Blut), die Blutfäulniss,
die Blutzersetzung. Anacker.
Septicämie, Septichämie. Septämie, Sept-
hämie, Sepsis, von oyjictjxo's, faulmachend
und a;p.o, Blut; Septicohäinie, infection sep-
tique, septicemie, ist eine wohl charakterisirte
Infectionskrankheit, die von der einfachen
putriden Vergiftung (putride Intorication,
jehorämie) und von der Pyämie, mit welchen
Krankheiten sie früher vielfach zusammenge
worfen und identificirt wurde, abzutrennen ist;
Historisches. Die Septicämie ist eine
den Völkern des Alterthums sehr wohl be
kannte Krankheit. Plato sagt: „Wenn das
Fleisch sich zersetzt, so dringen die Keime
dieser Zersetzung ins Blut, das dadurch be
sondere scharfe und giftige Eigenschaften
erlangt und eine Zersetzung der flüssigen
uni festen Körperbestandtheile hervorruft.“
Galen beschreibt ein putrides oder pestilen-
tielles Fieber, das sich zu Verwundungen
ninzqgesellt und durch Resorption septischer
Substanzen entsteht.
Im X Vlll. Jahfhuniertschrieben Kirchner,
Needbaih, tahcisi, Välisneri, Scuderi, Räsori,
Raspail niederen Organismen einen Einfluss
bei der Äetiologie der putriden Vergiftung
und Septicämie zu. Haller cohstätirte bereits
1763, dass faules Wasser, ins Blut lebender
Thiere gebracht, schnell den tod derselben
Herbeiführt.
Aber erst im XIX. Jahrhundert wurde
die Lehre über die putride Ihtoxicätion, Sep
ticämie und Pyämie genauer erforscht, er
weitert Ünd klarer gestellt. Von Bärthelemy
Würdet! 1813, von Gäspärd 1822 und von
Magendie 1823 EipeHtaehte Über die Wirkung
putrider Stoffe angestellt. An diese reihen
sich die Versuche von Leuret, DupUy,
Trbusseaü 1826 und Hamont 1818. Diese
Fdrscher fanden die Wirkung der fänlendeh
Substanzen abhängig von der beigebrachtes!
Menjre und dem Grade der Fäulniss. Am
ihtetisiVsten wirkten die fauligen Stoffe direct
in die Venen injieirt; weniger intensiv von
den Brehchien, ata wenigsten vom Darm
abs. Die einzelnen Producte der Fäulniss,
wie Kohlensäurd, Schwefelwasserstoff; Ammo
niak etc. wirkten anders, als die putriden

Substanzen in toto. Die Versuchsthiere gingen
nach Injection gewisser Quantitäten putrider
Stoffe in die Venen unter Zunahme der Puls
end Athemfrequenz, Erbrechen, blutigen
Durchfällen, Tenesmus und Abnahme der
Kräfte in kurzer Zeit ein. Bei der Section
fanden sich Transsudate in den serösen Höhlen,
Ecchymosen in verschiedenen Körperstellen,
starke Affection der Darmschleimhaut (Ent
zündung, Blutungen). Das Blut nicht geronnen,
dunkel theerartig. Die Cadaver faulten schnell.
Zu ähnlichen Resultaten kamen Sedillot,
1846, Stich 1853, Virchow 1856. Virchow
und Stich wiesen zuerst auf metastatische
Processe bei Injectionen nicht filtrirter fau
liger Stoffe hin und Virchow fand die Inten
sität der Wirkung weniger von der beige
brachten Menge als von dem Grade der Zer
setzung abhängig und das putride Gift gleich
einem Ferment wirkend.
Panum 1856, Weber 1864 und Billroth
fanden, dass die einzelnen Fäulnissproducte,
wie Leucin, Tyrosin, buttersaures und Valeriän-
sauresAinmoniak,Schwefelwasserstoff,Schwefel
ammonium, kohlensaures Ammoniak etc. nicht
die Erscheinungen der putriden Vergiftung
hervorriefen und Billrotb constätirte, dass
die putriden Substanzen, subcütän beigebracht,
anders wirken, als direct in die Blutbahnen
gebracht. Panum kam nach einer Reihe von
Untersuchungen zu den Resultaten, dass das
putride Gift nicht flüchtig ist, in das De
stillat nicht übergeht, dass es durch Trockrien
und Eindampfen nicht zerstört wird, in ab
solutem Alkohol unlöslich, in Wasser aber
löslich ist und dass es durch Auswaschten
aus Eiweisssubstanzen entfernt werden kaün.
Panum vergleicht das putride Gift mit dem
Schlangengift, dem Curare und den Pflanzen-
alkälöiden. Nach Hemmer (1866) ist das
putride Gift ein Eiweisskörper, der fertaent-
artig wirkt und Gährungsvotgänge hervor
ruft. Schweninger wie auch bereits Magettdie
constatirteri, dass das Einathmen, der Aus
dünstungen fauliger Substanzen bei Thieren
keine nachtheiligen Folgen hervorruft. Nach
Schweninger ist die Wirkung des putriden
Giftes unabhängig von der beigebrachten
Menge und dem Grade der Fäulniss.
Von Bergmann und seinen Schületh
Raison, WeidenbaUm, Schmitz, Petersbn,
Schmidt und Brehm wurde Von 1866 bis 1872
eine Reihe von Experimenten mit fauligen
Stoffen angestellt.
Raison (1866) erzeugte durch sübcutähe
Application fauliger Stoffe brandige Entzün
dungen, durch Injectioh in die Blutbahhen
putride Vergiftung. Durch Kochen, Zusatz Von
Natron, Filtriren durch Holzkohle, verlor das
putride Gift seine Wirksamkeit nicht. Nur
durch Salzsäure wurde es zerstört und durch
Bleioxyd aus seiner Lösung gefeilt.
Weidenbaum (1867) eonstatitte, dass
langsames Eindampfen und Zusatz von Blei
zucker die Wirksamkeit fauliger Flüssig
keiten abschwächte und dass das Destillat
und alkoholische Extract derselben unwirk
sam wär.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66