Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/488/
gierung genöthigt gesehen, die Aufstellung
von englischen Voll- oder Halbbluthengsten
gänzlich aufzugeben und zum Ankauf orien
talischer Hengste zu schreiten. — In Lju-
bitschewo wurden als Hauptbeschäler benützt:
1. Fercham, in Constantinopel gekauft,
arabischer Abkunft, von brauner Haarfarbe,
sehr fruchtbar, lieferte meist dauerhafte Nach
kommen mit starken Beineu, gutem Rücken
und proportionirten Leibesformen.
2. Djemisch, ebenfalls in Constantinopel
angekauft, arabischer Abkunft, von weisser
Farbe; derselbe besitzt schöne, edle Körper
formen, dessen Nachkommen erschienen aber
weichlich, hatten viele weisse Abzeichen; ihre
Köpfe waren nicht besonders schön und die
Hinterbacken, wie die ihres Vaters, etwas zu
scharf ausgeschnitten.
3. Aszy, arabischer Schimmel, im Gestüte
des Herrn v. Nitzschwitz in Königsfeld
(Sachsen) gezogen, erschien etwas zu schwach
auf den Beinen, was er jedoch nicht vererbte,
mehrfach gute Fohlen zeugte und sich jahre
lang sehr fruchtbar zeigte.
4. Assur, gleichfalls in Königsfeld an ge
kauft, von brauner Farbe, hatte einen schlecht
angesetzten Hals, den er auf seine Nachkommen
fast ausnahmslos vererbt hat.
5. Hamlet, englischer Vollbluthengst, ein
Geschenk des Königs Milan, konnte wegen
zu hohen Alters leider nur kurze Zeit in
Ljuhitschewo zum Belegen der Stuten benützt
werden; seine Nachkommen gehören zu den
tüchtigsten, kräftigsten Pferden des Gestütes.
In Ljuhitschewo stehen ausserdem noch
48 und in Tjupria 34 Hengste der verschie
denen orientalischen Rassen, welche aus
schliesslich zum Bedecken der Landstuten
gebraucht werden. Die fünf Hauptbeschäler
dienen vorwiegend zum Belegen der 60 Mutter
stuten beider Gestütshöfe.
Das Areal des Gestütes zu Ljuhitschewo
umfasst 2674 Joch und das von Tjupria 480
Joch, welche grösstenteils aus schönen
Weiden und Wiesen bestehen. 142 Joch der
letzteren liegen an der Donau, und sind fast
alljährlich Ueberschwemmungen ausgesetzt.
Borstig macht drei Privatgestüte nam
haft, von welchen das des Herrn Stefan Topu-
sovits in Schabatz und ein anderes, dem Herrn
Kurtevits gehörend, ebenfalls in diesem Kreise
gelegen ist; jedes dieser Gestüte hält 14 Zucht
stuten besseren Schlages. Das dritte Privat
gestüt gehört einem Herrn Tuzakovits und
ist im Besitze von 18 Mutterstuten. Die Pferde
dieser drei Gestüte besitzen die Grösse und
Körperfonn der Staatsgestütspferde; man be
nützt daselbst ausschliesslich königliche Deck
hengste, welche alljährlich im Frühjahr auf
die Stationen in Schabatz und Kragnjevac
gelangen.
Zur Belehrung der Bauern auf dem Ge
biete der Pferde- und Viehzucht ist bereits
Mancherlei unternommen worden. In der
Nähe des Gestütes Ljuhitschewo bestand
früher eine landwirthschaftliche Schule in
Poscharewatz, die aber wegen ungenügenden
Besuches aufgehoben wurde. Jetzt besitzt

Serbien ein landwirtschaftliches Institut in
Kraljewo (Kreis Alexinatz), mit welchem eine
Musterwirthschaft verbunden ist und sich
eines leidlich guten Besuches erfreuen soll.
Die Bienenzucht, welche in früherer
Zeit an vielen Orten Serbiens sehr umfang
reich betrieben wurde, hat jetzt nur in wenigen
Kreisen eine grössere Ausdehnung; die Zahl
der Bienenkörbe scheint sich von Jahr zu
Jahr zu vermindern; es gab im Jahre 1887
nur noch 109.132 Stöcke. — Ebenso scheint
auch die Zucht der Seidenraupe eine nicht
geringe Beschränkung zu erfahren; früher
ist dieselbe jedenfalls viel bedeutender ge
wesen, so z. B. betrug der Export an Cocons
im Jahre 1867 noch 150.000 kg und ist in
der Neuzeit auf 30.000 kg zurückgegangen.
Die Fischerei liefert stets recht befrie
digende Erträge; die Gebirgsbäche sind reich
an Forellen, sowohl die Donau wie die Save
sind für die Uferbewohner durch den Fisch
fang gute Einnahmsquellen. In der Donau
werden viele Hausen gefangen, deren Rogen
zur Caviarfabrication benützt wird; es sollen
dort zuweilen Fische dieser Art vorkommen,
welche 2—3 Ctr. Rogen enthalten.
Die Geflügelzucht wird an allen
Orten in einfachster Weise betrieben. Beson
ders beliebt ist die Zucht von Truthähnen,
welche in den Städten leidlich gut bezahlt
werden; auch Gänse und Enten gibt es in
ansehnlicher Menge, hauptsächlich in den
Flussthälern, und es dürfte sich die Zucht all
dieser Geflügelarten zu einer ganz erheblichen
Einnahmsquelle für die serbischen Landleute
gestalten, wenn man mehr Sorgfalt auf die
selbe verwenden wollte und den Export von
jungem Geflügel und Eier etwas geschickter
betriebe. Freytag.
Sergeant, ein englischer Vollbluthengst,
geboren 1781 v. Eclipse, gewann dem Mr.
O’Kelly das englische Derby. Grassmann.
Sericin, C 15 H, 6 N s 0 8 . Seidenleim nennt
man jene Substanz, welche den gummiartigen
Ueberzug des Rohseidenfadens bildet und
diesen hart und steif macht. Man kann ihn
durch Kochen mit Wasser, noch besser mit
einer dünnen Seifenlösung von der Faser ent
fernen. Nach neuerer Untersuchung ist der
Stoff, den die Seidenraupe durch ihre Spinn
drüsen absondert, lediglich Fibroin, d. i. eine
albuminoide Substanz der Formel C, 5 H 2S N 5 0 6 ,
welche die Hauptmasse der Seide bildet. Aus
dem Fibroin würde dann durch Aufnahme
von Sauerstoff und Wasser das Sericin nach der
Gleichung
C 15 H 23 N 6 0 6 + 0 + H,0 = C 16 H 25 N 5 0 8
entstehen. Der Gehalt der Rohseide an Sericin
schwankt zwischen 20—30%. Loebisch.
Series (von serere, säen), die Reihe. Anr.
Serin, C s H 7 N0 8 , Glycerin aminsäure,
wird durch Kochen von Seidenleim (s. Sericin)
mit verdünnter Schwefelsäure erhalten. Es
bildet harte Krystalle, die in heissem Wasser
löslich, in Alkohol und Aether unlöslich sind.
Da die Substanz sowohl Säure als Amid ist,
so verbindet sie sich mit Basen und Säuren

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66