Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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b) Selbst bei einem und demselben Subject
ruft das gleiche Object durchaus nicht immer
die gleichen Empfindungen hervor, sondern
mit dem Zustandswechsel, dem das Subject
als Lebewesen unterworfen ist, wechseln auch
die Empfindungen, die es von Objecten, erhält,
mehr oder weniger, c) Auf dem physikali
schen Gebiete sind in dieser Richtung ver
schiedene Erscheinungen ganz bekannt, so
z. B. dass die Fähigkeit, Farben zu sehen,
resp. zu unterscheiden und Töne zu unter
scheiden, individuell verschieden ist und bei
den Thieren darf man specifische Ver
schiedenheit vermuthen. Bezüglich des Zu
standswechsels des Individuums ist nament
lich der Unterschied zwischen krank und
gesund bekannt; der Kranke sieht und hört
anders als der Gesunde, u. zw. nicht bloss
quantitativ, sondern auch qualitativ, d) Noch
grösser fällt der Unterschied nach Indivi
dualität, Specifität und Disposition auf dem
chemischen Gebiete aus. Das gilt besonders
für die Gefühlswerthe der Empfindungen,
die mit den Ausdrücken angenehm, unan
genehm und indifferent bezeichnet wer
den. Hier sind beim Menschen nicht zwei
Individuen und bei den Thieren nicht zwei
Arten zu finden, welche auf alle Objecte
gleich reagiren würden und von den Zu
standswechseln gilt das Gleiche: Der Ge
sunde beurtheilt die Gerüche und Geschmäcke
fast durchweg anders als der Kranke und
Aehnliches gilt vom Hungrigen und Satten.
V. Relatives: Bei den Empfindungen
der Sinne handelt es sich nicht bloss um
die einzelne Empfindung und das Verhalten
des Subjectes zu ihr, sondern die Lebewesen
sind gleichzeitig verschiedenen Empfin
dungsreizen und auch einem Nacheinander
von solchen ausgesetzt. Hier spielt nun die
Relation, in der diese zu einander stehen,
eine grosse biologisch wichtige Rolle. Es
treten hier zwei gegensätzliche Relationen
scharf zu Tage, die mit den Worten Har
monie und Disharmonie bezeichnet wer
den. Wissenschaftlich ist bisher in dieser
Richtung fast nur das Gebiet der physika
lischen Empfindungen (Hören und Sehen,
Töne und Farben) geprüft worden, wobei
man fand, dass es sich hier um Verhältnisse
der Schwingungsdauern resp. Wellenlängen
handle, worüber Näheres bei den Special
artikeln nachzusehen. Bei Geschmack und
Geruch ist dieser Unterschied zwischen Zu
sammenpassendem und Nichtzusammenpassen-
dem der Praxis sehr geläufig, wissenschaft
lich ist erst Referent dieser Sache näherge
treten, worüber im Artikel „Neuralanalyse“
das Nähere zu finden ist. Jaeger.
Sinter. Man versteht hierunter minera
lische Absätze aus Quellen. Dieselben bestehen
entweder aus kohlensaurem Kalk oder aus
Kieselsäure, ferner werden von manchen
Quellen Eisen als Oxydhydrat oder Carbonat,
ferner Gyps und andere Verbindungen aus
geschieden. Weitaus die häufigsten und aus
gedehntesten sind die Absätze von kohlen
saurem Kalk. Warme und kalte Quellen,

besonders yvenn sie Kohlensäure gelöst ent
halten, vermögen Kalk in bedeutender Menge
aufzunehmen; treten sie zutage, verdunsten
und verlieren sie ihre Kohlensäure, so scheidet
sich der Kalk aus. Diese Ausscheidungen
treten gewöhnlich in der Form von Aragonit
auf und überziehen krustenförmig die Gegen
stände, über welche das Wasser geflossen ist
(Fels-, Holz-, Blattincrustationen). Man nennt
solche Kalksinter wohl auch Kajktuff. Tropft
kalkhaltiges Wasser in Höhlen des Kalk
gebirges aus Spalten der Decke herab, so
entstehen die sog. Tropfsteine (Stalaktiten,
Stalagmiten). Färbungen dieser Gebilde, be
sonders in Gelb und Braun, werden von gleich
zeitig mit ausgeschiedenen Eisenverbindungen
erzeugt: so setzen die heissen Quellen von
Karlsbad abwechselnd verschieden gefärbte
Products ab, wodurch Gebilde, die mit den
bekannten Achaten äusserlich eine gewisse
Aehnlichkeit haben, entstehen. Aus heissen,
in seltenen Fällen auch aus kalten Quellen
scheidet sich beim Verdunsten und Abkühlen
des Wassers Kieselsäure als Kieselsinter, Kie
seltuff, Kieselguhr in ähnlicher Weise ab,
wie oben vom Kalk auseinandergesetzt wurde.
Bekannt sind in dieser Hinsicht die gross
artigen Sinterbildungen der Geysirs auf Is
land. Absätze von anderen Mineralien, so
z. B. von Eisenocker, Raseneisenstein und
Sumpferz oft in grossen Lagern sind nicht
selten, untergeordnet dagegen sind Absätze
anderer Mineralien, wie z. B. von Galmey
(kohlensaures Zinkoxyd), Schwefelzink, Schwe
feleisen u. a.m. Blaas.
Sinus, die gebogene Fläche, die Ver
tiefung, die Höhle.
Sinus cavernosi (von caverna, die
Höhle), die Zellblutleiter des Gehirnes.
Sinus circularis (von circus, der
Kreis, der Ring), der kranzförmige Blutleiter
des Gehirnes.
Sinus longitudinalis (von longus,
lang), der Längenblutleiter des Gehirnes.
Sinus occipitalis (von occiput, das
Ober- oder Hinterhaupt), der Oberhauptblut
leiter.
Sinus petrosi (von petrus, der Fels),
die Felsenblutleiter des Gehirnes.
Sinus spinales (von spina, das Rück
grat), die Rückgratsblutleiter.
Sinus urogenitalis (von oopov, Harn;
genus, das Geschlecht), der Harngeschlechts-
gang, das Beckenstück der Harnröhre. Anr.
Sinus der Kopsknochen, s. Kopf höhlen.
Sinushaare — Tast- oder Spürhaare,
s. Haut.
Sinuskatarrh, s. Katarrh und Kopfhöhlen
entzündung.
Sipho s. siphon, die Saugröhre, die
Spritze. Anacker.
Siphonia (von oitpiov, Saugröhre), der
Federharzbaum. Anacker.
Siphonia eiastica, echter Kautschuk
baum, Federharzbaum, hoher prachtvoller
Baum Brasiliens und des Sudans, Euphor-
biacee L. XXL 1. Er enthält in allen Theilen
einen scharfen Milchsaft, der durch Ein-

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