Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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bei der Arbeit. Ihr Kopf ist trocken, d. h. frei
von überflüssigem Fleisch (descarnado), und
an den Hals hübsch angesetzt; sie haben
einen kurzen, kräftigen Rücken, gesunde, feste
Gliedmassen und dauerhafte Hufe.
Dem Spanier erscheint ihr zierlicher,
weicher Gang besonders angenehm; sie treten
im Schritt bedächtig auf und zeigen fast
ausnahmslos eine stolze Haltung.
Bei den sog. Fluss- oder Marschpferden
in der Niederung am Guadalquivir, haupt
sächlich in der Umgegend von Utrera und
San Lucar, la Major, sieht man weniger
hübsche, aber etwas grössere, schwere Pferde
mit Ramsnase und ziemlich langen, tief ange
setzten Ohren.
Der Spanier findet den Ramskopf seiner
Pferde nicht hässlich, bezeichnet ihn als
leichten castilianischen (lijera castellana)
und glaubt, dass Thiere mit so geformtem
Kopfe ausdauernd sind.
Bezüglich der Entstehung des stark ent
wickelten Ramskopfes (bei vielen spanischen
Pferden) wird von den dortigen Hippologen
angegeben, dass jene Form eigentlich erst
zur Regierungszeit Karl's III. (1739—1788)
in Mode gekommen sei. Dieser Herrscher
hatte in seinem Stammlande (Neapel) die
Beobachtung gemacht, dass daselbst viele
Pferde mit Ramsnase vorkamen und ganz be
sonders geschätzt wurden. Auf allerhöchsten
Befehl wurden damals viele neapolitanische
Hengste und Stuten nach Spanien geführt,
zur Zucht benützt, und es soll sich auf diese
Weise der Ramskopf zuerst auf die castiliani-
sche Rasse, später aber auch auf viele andere
Schläge der iberischen Halbinsel vererbt
haben.
Die sog. Feldpferde sind die gemeinsten,
unansehnlichsten im Lande; der Spanier nennt
sie Hacas (Klepper) und verwendet sie zu
den verschiedenartigsten Diensten.
Die Landleute verfüttern im südlichen
Spanien an ihre Pferde. Maulthiere und Esel
hauptsächlich Gerste, Mais und Johannisbrod,
als Rauhfutter Stroh und das Laub von Jo-
hannisbrodbäumen, letzteres ist süss, weich,
schmackhaft und wohlriechend. Wiesenheu
reicht man den Pferden nur ausnahmsweise;
wenn solches hie und da vorhanden ist, so
bekommen es gewöhnlich die Rinder und
Schafe zur Zeit der grössten Dürre oder im
Winter während der oft wochenlang anhal
tenden Regenperiode.
Bezüglich der Pferdezucht in der Central
region ist nicht viel Rühmenswerthes anzu
führen.
Das königliche Gestüt von Aranjuez,
welches noch zur Regierungszeit der letzten
Königin Isabella einen guten Namen hatte
und für den Marstall manches hübsche Pferd
geliefert haben soll, ist längst eingegangen.
Von den Granden Castiliens interessiren sich
nur wenige für eine rationelle Pferdezucht;
sie betreiben lieber die Aufzucht von Rindern
und Schafen.
Der Spanier ist bezüglich der Leistungen
seiner Pferde ziemlich genügsam ; wer bessere

edlere Pferde für die Reiterei oder seine
Carrossen (Carozzas) haben will, kauft fremd
ländisches Material aus England, Frankreich,
Deutschland, Ungarn etc.
Als hervorragende Züchter neucastiliani-
scher Pferde gelten die Herzoge von Veragua,
Riaosares, Perales, Osuna, Frias, Zajat und
der Marquis von Alcanices; Letzterer war
1875 Oberstallmeister des Königs und im
Besitze mehrerer hochedler Rosse aus Anda
lusien.
Die Pferdezucht in der östlichen Region
hat noch weniger Bedeutung als die in der
centralen; die Maulthiere sind dort die belieb
testen Zug- und Lastthiere, sie werden fast
überall gezogen und verdrängen das Pferd
mehr und mehr.
Die Pferde, welche in der Provinz Murcia,
zwischen Lorca und Cartagena in geringer
Zahl aufgezogen werden, sind zum weitaus
grössten Theile Kreuzungsproducte kleiner,
gemeiner Landstuten (Hacas) mit orientali
schen Hengsten, und können auf besondere
Körperschönheiten durchaus keine Ansprüche
machen.
Das alte Fürstenthum Catalonien war
von jeher durch seine Lage am Meere
hauptsächlich auf Schifffahrt, Handel und
Industrie angewiesen; die rührigen Bewohner
des Landes scheinen stets grössere Neigung
für den Kaufmannsstand als zum Landbau
oder zur Thierzucht gehabt zu haben, und so ist
es zu erklären, dass man dort nur wenig Be-
achtenswerthes in Bezug auf Pferdezucht ge
leistet hat. Jedenfalls hat in dieser Provinz
der Garten- und Ackerbau weit mehr Lieb
haber gefunden, als die Viehzucht. Fast alle
besseren Zucht- und Nutzthiere sollen aus dem
Auslande oder von anderen spanischen Pro
vinzen bezogen werden.
Die wenigen, in Mittelcatalonien gezüch
teten Pferde haben im Leibesbau grosse
Aehnlichkeit mit den Pferden aus der fran
zösischen Camargue; sie sind durchschnitt
lich nur 1 50 m hoch, haben einen breiten
Kopf, welcher an dem ziemlich langen Hals
nicht besonders schön angesetzt ist. Ihr
Leib ist oftmals unförmig entwickelt, die
Kruppe abschüssig und der Schwanz nicht
gut angesetzt.
Das Temperament dieser Pferde ist aber
lobenswerth; sie zeigen sich bei der Arbeit
fleissig, ausdauernd und sind in hohem Grade
genügsam; man benutzt sie häufig zum Last
tragen oder auch zum Reiten in den Gebirgs
landschaften.
Die Pferdezucht in der vierten, nördlichen
Region hat nur an wenigen Orten einen
grösseren Umfang genommen; in Aragonien
beschränkt sich dieselbe auf die Dorfschaften
und Gutshöfe zwischen Zaragoza und Huesca,
liefert aber auch hier nur untergeordnetes
Material. Zu den Feldarbeiten benützt man
vorwiegend Ochsen, Kühe und Maulthiere, ja
bisweilen sogar die kleinen Esel. Einige spa
nische Hippologen behaupten zwar, dass
in Aragonien ein brauchbarer leichter Reit-

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