Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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SPANIENS VIEHZUCHT.

Die Neigung zur Maulthierzucht war aber
bei den Landleuten zu gross, als dass man
sich von derselben abbringen liess. 1829 wurde
eine oberste Junta constituirt, um dem Verfall
der Pferdezucht entgegen zu wirken; die
Maulthiere und die von ihnen gezogenen
Kutschen wurden einer besonderen Steuer
unterworfen und die Staatshengste zum Be-
schälen der Pferdestuten gratis hergegeben etc.
Ein im Jahre 1889 abgegebenes Gutachten einer
Delegirtenversammlung spricht ganz offen
aus, dass Spanien für keine Art des Gebrauches
einen vollständig geeigneten Typus aufzu-
weisen habe.

Die Zucht der Maulthiere und Esel war
und blieb fast überall die beliebteste; diese
Thiere sind nun einmal die bevorzugtesten
des Landes und auf ihre Zucht wird an den

meistens etwas nach oben gebogen, die Dorn-
fortsätze treten ziemlich stark hervor, wodurch
sich ein schneidiger, scharfer Bücken zu er-
kennen gibt, dessen Tragfähigkeit aber hie-
durch keineswegs beeinträchtigt wird.

Die Bastarde können ansehnliche Lasten
selbst auf schlechten Gebirgspfaden forttragen,
ohne sehr bald zu ermüden. Ihr Kreuz ist
abschüssig, abgeschliffen und der etwas tief
angesetzte Schwanz von der Wurzel an lang
behaart.

Die unteren Gliedmassen sind von festem
Knochenbau, mit kräftigen Sehnen und derben
Hufen bestens ausgestattet.

Meistens sieht man in der Manche
kastanienbraune Maulthiere, doch kommen
auch drosselfarbige uni suchshaarige Exem-
plare nicht selten vor; Isabellen und Schimmel

Fig. 1860. Maulthier (Raza Manchega).

meisten Orten verhältnissmässig grosse Sorg-
falt verwendet. Der eigene Bedarf des Landes
an Thieren dieser Art wird nicht allein ge-
deckt, sondern es kann auch alljährlich eine
grosse Anzahl jener Bastarde exportirt werden.

Der Spanier schätzt dieselben sowohl als
Zug-, wie als Keitthiere sehr hoch; deren
Ausdauer und Genügsamkeit, ihre rasche Ent-
wicklungsfähigkeit und Zähigkeit machen sie
zu allgemein geschätzten Hausthieren.

Von den verschiedenen Kassen oder
Schlägen gilt die der Mancha (Eaza Manchega)
(Fig. 1860) für die beste im ganzen König-
reich. Diese Maulthiere haben einen mässig
starken, etwas kurzen Kopf mit nicht zu lan-
gen Ohren; ihr Hals ist von mittlerer Länge
und nur schwach mit feinen Mähnenhaaren
bewachsen, ihr Widerrist ist niedrig, die Schul-
tern stehen ziemlich steil, die Brust ist eher
schmal als breit zu nennen, der Bücken

sind nur vereinzelt wahrzunehmen. Die Höhe
der Baza Manchega schwankt zwischen 1 48
und 180 m.

Bei der Auswahl der Pferdestuten und
Eselhengste geht man in jener Gegend sorg-
fältig zu Werke; gewöhnlich werden nur die
besten Stuten dem Eselhengste zugeführt und
man bezahlt für letztere, vorausgesetzt, dass
sie gross und kräftig sind, willig ein ziem-
lich hohes Deckgeld.

Das Castriren der männlichen Maulthier-
fohlen ist allgemein im Gebrauch, wohin-
gegen dasselbe bei den Pferdehengsten sel-
tener in Anwendung kommt. Zwischen den
Maulthieren der Provinzen Mancha, Leon,
Castilien und Murcia bestehen manche Ver-
schiedenheiten bezüglich der Körperformen
und Leistungen; auch bleibt sich ihre In-
telligenz nicht immer gleich. Die Maulthiere
von Aranjuez zeichnen sich durch Feinheit

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