Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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SPANIENS VIEHZUCHT.

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geschickter Fechter (Toreros und Matadores)
de» Todesstoss zu empfangen. (Matador heisst
der Mann, welcher beim Stiergefecht dem
schwer verwundeten Stier den Genickfang
gibt.)

Die Zahl der jährlich in den Stiergefechten
umkommenden Rinder (Bullen) und Pferde ist
heute noch ganz beträchtlich, so z. B. finden
in Madrid an jedem Sonn- und Feiertage
grössere Stiergefechte statt, bei welchen
mindestens 6 Stiere in die Arena geführt und
daselbst niedergestossen werden. Es soll in
Spanien 97 Arenen geben, in denen alljähr-
lich über 400 Vorstellungen dieser Art statt-
finden; in jeder derselben werden durch-
schnittlich 10—15 — von sog. Picadores ge-
rittene — Pferde durch die wilden Stiere
schwer verwundet oder auch gleich getödtet.

Die Zucht der Gefechtsstiere wird von
den Heerdenbesitzern — in der Regel reiche
Herren, sogenannte Granden — viel sorg-
fältiger betrieben, als man erwarten sollte,
d. h. es werden immer nur solche Bullen
zur Zucht ausgewählt, die sich durch Grösse,
Kraft und Muth auszeichnen, denn es ist
nach spanischen Begriffen für die Züchter
und Lieferanten der Gefechtsstiere schimpflich,
wenn ihre Thiere sich in der Arena feige zeigen,
und erst durch Wurfpfeile mit Schwärmern
(banderillas con fuego) oder gar durch Hunde
(perros) angefeuert und wüthend gemacht
werden müssen.

Nur die tapfersten (mas braves) Stiere
werden aus den Heerde» für die Arena aus-
gewählt, und alle Feiglinge sofort dem
Schlächter überlassen.

Die Provinz Galicien soll im Besitz
vieler halbwilder Rinder sein, die sich bei
den Gefechten durch Muth, Kraft und Ge-
wandtheit auszeichnen; das dortige Vieh hat
einen breiten Kopf mit grossen, mit den
Spitzen auswärts und etwas nach vorn ge-
richteten Hörnern, ihr Hals ist nicht sehr lang
und wird durch eine grosse, faltige Wamme
geziert; die Leibesformen sind im Ganzen
gefällige, nicht plumpe zu nennen (Fig. 1861).

Don Nicolas Casas de Mendoza liefert
in seiner Zootechnia eine nähere Beschreibung
der spanischen Rassen und Schläge (castas),
und glaubt berechtigt zu sein, dieselben —
ihrer Grösse, Gestalt und Farbe nach — in
drei Gruppen unterzubringen. Die Büffel,
welche an einigen Orten des Südens noch in
kleiner Anzahl vorkommen, haben nach Aus-
sage jenes Autors für Spanien keine Bedeu-
tung, und sie dürften in nicht zu ferner Zeit
von der iberischen Halbinsel gänzlich ver-
schwinden.

Auf dem Klostergute zu Aranjuez wurden
früher mehrere Büffelkühe ihrer schönen,
fetten Milch wegen gehalten, doch sollen sie
sieh oft bösartig gezeigt haben und deshalb
abgeschafft worden sein.

Nach A. Brehm (dritte Auflage von Prof.
Dr. Pechuel-Lösche) kommt der indische
Büffel (Bubalus arni oder B. vulgaris) in
Europa als Hausthier nur noch in der Türkei,

Griechenland, in den Donautiefländern und
in Italien vor.

Casas Mendoza’s erste Gruppe spanischer
Rassen umfasst die Rinder der Bergland-
schaften (Razas de Sierra ö de montana),
welche hauptsächlich in den Provinzen Asturien
und Galicien, auf den Bergen von Santander,
zum Theil auch auf der Sierra de Segovia y
de Leon in nicht geringer Zahl aufgezogen
werden. Die meisten der dort vorkommenden
Schläge (Castas) haben einen kurzen Kopf
mit breiter Stirn, ein grosses, vierkantiges
(cuadrado) Maul, einen kurzen, musculösen
Hals mit stark entwickelter Wamme (papada).
Ihre Brust ist tief, die Schultern sind stark,
und es wird der Rumpf durch einen gut auf-
gewölbten Rippenkorb gebildet. Ihre Beine
sind kräftig, eher kurz als lang zu nennen
und meistens gut gestellt. Die Testikeln oder
Hoden (companones) sind sehr dick, umfang-
reich (abultados); ihre meist dunkelfarbigen
Hörner sind an der Basis sehr dick, bald
kürzer, bald länger. Ihre Haar- und Haut-
farbe ist sehr verschieden; es kommen unter
ihnen aber hauptsächlich viele dunkelbraune,
schwarzgraue -und zuweilen auch gescheckte
Individuen vor.

Die zweite Gruppe umfasst die Thalland-
oder Auerassen (Razas de valles 6 vegas).
Diese haben in der Regel einen langen,
schmalen Kopf, ein mehr schmales, zuge-
spitztes (casi puntiagudo) Maul, einen schlan-
ken, feinen, zuweilen etwas zu schwachen
(döbil) Hals mit kleiner Wamme. Ihr Rumpf
ist lang und gut abgerundet. Höhe und
Körpergewicht dieser Schläge sind sehr ver-
schieden; Beides richtet sich nach der
Beschaffenheit der heimatlichen Aue (vega).
Es gibt unter ihnen an manchen Orten an-
sehnlich grosse und schwere Thiere, aber
auch anderseits wieder viele kleine, zierliche
Geschöpfe. Ihre Unterfüsse sind im Allgemeinen
verhältnissmässig lang und schlank, ihre Ober-
schenkel hingegen häufig grob (gruesos) und
kräftig (robustes). Die HörnerdiesesNiederungs-
viehes sind gewöhnlich fein, mittellang und mit
den Spitzen leicht nach vorn gebogen. Viele die-
ser Rinder besitzen eine befriedigende Mast-
fähigkeit; sie liefern eine schöne Fleisch-
qualität und bei guter Mast viel inneres Fett
(Talg). Die Milchergiebigkeit der Kühe wird
von einigen Autoren gelobt. Casas de Mendoza
macht bezüglich dieser Eigenschaft keine
Angaben, und es ist hiernach wohl anzu-
nehmen, dass sie nicht besonders zu
rühmen ist. An einigen Orten jenes Zuchtge-
bietes hat man Kreuzungen mit podolischem
Vieh, an andern mit Durham- oder Shorthorn-
blut vorgenommen. Durch diese letztere
Kreuzung soll die Nachzucht den nordeuro-
päischen Rindern etwas ähnlicher geworden
sein.

Die dritte Gruppe der Rinder nennen die
Spanier „Razas de las Llanuras“ und wollen
damit andeuten, dass dieselben imFlachlande.in
der Ebene heimisch sind; man trifft sie in der
Umgebung von Salamanca, Zamora, Murcia,
Leon, hauptsächlich aber in Andalusien und

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