Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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weisszellen sind, dass ferner der Schleim
und Fermentgehalt der Drüsenzellen mikro-
skopisch feststellbar ist u. s. w. Zahlreiche
Untersuchungen der Schüler Heidenhain’s
und andere Forscher haben die Heidenhain-
schen Lehren zum Theil bestätigt, zum Theil
erweitert.
a) Die Secretion des Fermentes.
Das Speichelferment wird von den Zellen der
Speicheldrüsen aus Bestandtheilen des Blutes
bereitet. Die infolge dieser secretorischen
Thätigkeit der Drüsenzellen an ihnen ablaufen
den morphologischen Aenderungen sind fol
gende: Vor dev Secretion, im ausgeruhten
Zustande sind die Zellen gross und bestehen
aus einer hellen, mit Karmin nicht färbbaren
Grundsubstanz und einem zackigen, fast cen
tral gelagerten Kern. Die Grundsubstanz
zeigt nur ganz peripher die feine Körnung
des Protoplasma und enthält im Uebrigen,
besonders peripher, eine Anzahl gröberer
Körnchen. Während der Thätigkeit wird
der Kern rund, die helle Grundsubstanz (das
Paraplasma Kupffer’s) schwindet, die Körn
chen wandern nach der Innenschicht und
werden aufgelöst, während sich peripher und
in der Umgebung des Kerns eine Vermehrung
der feinkörnigen, färbbaren, netzförmig in
den Zellleib sich fortsetzenden Protoplasma-
masse bemerkbar macht. Nach der Secre
tion sind die Zellen klein, dicht und fein
gekörnt, dunkel, trübe, mit Karmin färbbar
und enthalten einen runden, etwas peripher
gerückten Kern (ermüdete Drüse). Während
des Ruhestadiums wird der Zellleib wieder
grösser und der Kern zackig, während die
helle Grundsubstanz und die grösseren peri
pheren Körnchen entstehen.
Sonach gestaltet sich die Secretion des
schleimfreien Speichels wie folgt: Während
der Ruhe wachsen die Drüsenzellen und pro-
duciren das Ptyalin, resp. das Proptyalin
(Ptyalinogen) und häufen es in sich auf. So
bald der Secretionsreiz erfolgt, tritt das
Strömen des Blutserums durch die Drüsen
zellen nach dem Hohlraumsystem der Drüsen
ein, wobei infolge eines in den Drüsenzellen
ablaufenden chemischen, vielleicht fermenta
tiven Vorganges das Ferment resp. Zymogen,
welches nach Heidenhain in der hellen
Zellsubstanz und nach Langley in den groben,
bei der Secretion gegen das Lumen vorrücken
den Körnern gegeben ist, löslich gemacht,
allmälig gelöst und dem Secrete beige
mischt wird; sowohl die groben Körnchen,
wie die helle Grundsubstanz der Zellen, also
zwei Zellbestandtheile, verschwinden all
mälig bei der Secretion. Bei lang an
dauernder Secretion bann der Speichel des
halb schliesslich ganz fermen tfrei werden.
b) Die Schleimproduction. Das im
Speichel enthaltene Mucin kommt vorgebildet
im Blute nicht vor, muss also von den Drüsen
zellen geliefert werden. Da nur die mit ganz
bestimmten, eigenthümlichen Zellen ausge
statteten Drüsen und Epithelien Schleim
liefern, so müssen die betreffenden Zellen die
Schleimproducenten sein.. Sie heissen deshalb

auch Schleimzellen. Sie kommen in einigen
Drusen allein, in anderen mit Eiweisszellen
gemischt, namentlich derart vor, dass Gruppen
von Drüsenräumen mit der einen, andere mit
der anderen Zellart ausgekleidet sind.
Die Schleimzellen sind vor der Secre
tion gross, hell, klar, oft bauchig ausgedehnt
und besitzen einen an die Peripherie ge
drängten, platt gedrückten Kern. In der hellen
Grundsubstanz (Paraplasma, Mucigen) kommt
nur sehr wenig körniges Protoplasma vor,
welches sich um den Kern herum ansammelt
und in Form feiner zarter Fäden (resp, eines
Netzes) das Paraplasma durchzieht.
Während der Secretion nimmt die
hyaline Grundsubstanz ab oder verschwindet
ganz, der Kern wird kugelig, das Kernkörper
chen wird deutlich, die Zellen werden viel
kleiner und erscheinen dicht gekörnt; das
körnige Protoplasma wächst demnach während
der Secretion. Die helle Grundsubstanz, welche
verschwindet, ist eine mucigene Masse, welche
bei der Secretion löslich gemacht, gelöst und
in Mucin umgewandelt wird.
Die mikroskopischen Erscheinungen
der Schleimsecretion sind verschieden, je nach
dem es sich um Drüsen mit oder um solche
ohne Halbmonde, oder um Oberllächenepithel
handelt (letzteres kommt hier nicht in Be
tracht). In den Drüsen mit Randzellencom-
plexen werden die wachsenden, produciren-
den Zellen bauchig wie Becherzellen und
drücken die etwa unthätigen oder jugend
lichen Zellen zusammen. In den anderen
Drüsen behalten die Zellen ihre Gestalt und
werden nur höher und grösser.
Beide Processe, die geschilderte Schleim
und die Fermentproduction, laufen in den
meisten Speicheldrüsen neben- oder mitein
ander ab. In der Parotis und den unteren
Backendrüsen (der Wiederkäuer) fehlt die
Schleim- und in der Orbitalis, wie es scheint,
die Fermentbildung. Bei lang anhaltender
Drüsenthätigkeit treten sehr viele Leucocyten
im Zwischengewebe der Drüsen auf.
Einfluss des Nervensystems. Der
Secretionsvorgang steht unter der Herrschaft
des Nervensystems. Er ist in der Regel ein
Retlexvorgang und wird durch Erregung sen
sibler Nerven, die ihre Erregung auf die
Innervationscentren übertragen, selten durch
die Psyche oder directe Reizung der Speichel
centra eingeleitet. Von den Centren aus er
folgt die Reizung der Speichelfasern, welche
wesentlich im N. facialis, glossopharyngeus
und sympathicus liegen. Der Regel nach wird
jede grössere Speicheldrüse von zwei Arten
von Nerven, von cerebrospinalen und sympa
thischen versorgt, z. B. die Submaxillaris
vom N. facialis (durch die Chorda tympani)
und N. sympathicus (Ursprung: oberhalb des
ersten Halsganglion), die Parotis vom
Facialis oder Glossopharyngeus (Bahnen: N.
petrosus superficialis minor empfängt eine
Anastomose vom N. Jacobsonii, Ganglion oti-
cum Arnold!, N. auriculotemporalis) oder von
einer motorischen Trigeminuswurzel und vom
N. sympathicus (aus dem Plexus um die

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