Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Pilocarpin, Physostigmin, Muscarin, Nicotin,
Quecksilber, Jod und ausserdem alle scharfen
und reizenden Mittel, wenn sie in die Mund
höhle oder in den Magen eingeführt werden
(Pyrethrum, Pimpinella, Pfeifer, Senf, Meer-
rettig, Canthariden, alle bitteren Mittel), so
dann alle Nauseosa und Emetica, das Kauen
süsser Dinge u. s. w.
Die Speichelmengen, welche bei Ein
wirkung von Pilocarpin oder Muscarin ab-
fliessen, sind sehr bedeutend. So constatirten
wir z. ß. bei einem Pferde nach subcutaner
Injection von 0 2 g Piloc. hydrochlorat. im
Laufe von 2% Stunden die Secretion von
6 kg Speichel, bei zwei anderen Pferden secer-
nirte in derselben Zeit nach Injection von
0 3 g Piloc. hydrochlorat. 10 kg, resp. 9 kg
Speichel; bei einem vierten Pferde wurden
nach Injection von 0 7 Piloc. hydrochlorat.
in 10 Minuten 1000 g Speichel, in 4 Stunden
15 kg Speichel entleert.
Da das Pilocarpin auch alle anderen
Drüsen, mit Ausnahme der Nieren, anregt,
Schwitzen und Diarrhöe hervorruft, so be
dingt es bedeutendes Absinken des Körper
gewichtes; wir constatirten bei Pferden eine
Gewichtsabnahme von 10 bis 30 kg, je nach
der Grösse der verwendeten Pilocarpindose.
Hemmend auf die Speichelsecretion
wirken Atropin, Daturin, Cicutin, Jodäthyl
strychnin, grosse Dosen Nicotin, Säuren und
Adstringentien.
Pilocarpin und Muscarin steigern nach
meinen Beobachtungen wesentlich die Wasser-
secretion, wie Atropin wesentlich diese
hemmt. Auf die Secretion der specifischen
und organischen Bestandtheile scheint Pilo
carpin nicht einzuwirken (Ellenberger).
Die quantitativen Verhältnisse der
Secretionen und die Einspeichelung
der Nahrung. Die Menge des in einer be
stimmten Zeit oder während einer Mahlzeit
secernirten Speichels richtet sich nach der
Thierart, resp. nach der Ausbildung der
Speicheldrüsen, nach der Rauhigkeit und
Trockenheit der Nahrung, nach der Länge
des Kauactes, nach der Sorgfalt des Kanons;
nach der Folge der Mahlzeiten, nach dem Ge
halte der Nahrung an sialagogen Mitteln u. dgl.
Der Antheil der einzelnen Drüsen an der
gesammten Secretion richtet sich nur zum
Theil nach ihrem Grössenverhältnisse und
ihrem Blutgefässreichthume. So ist die Parotis
des Pferdes nur viermal so gross als die Sub-
maxillaris, liefert aber 15—30mal mehr Speichel
als diese; die Parotis des Rindes ist der Suh
ln axillaris gleich an Masse, secernirt aber
4—6mal mehr Speichel als diese. Die Drüsen-
thätigkeit hängt also von bestimmten, uns
noch nicht näher bekannten Verhältnissen ab.
Beim Kauen secerniren alle Drüsen, in
den Pausen zwischen den Mahlzeiten dagegen
beim Pferde nur die kleinen Munddrüsen;
die Parotiden und die submaxillaren Drüsen
ruhen. Beim Rinde ruht nur die Submaxillaris;
die Parotiden secerniren während der Abstinenz,
um den Inhalt der Vormägen feucht zu erhalten
und für die Rumination vorzubereiten. Sie

liefern aber während des Kauens in der Zeit
einheit 4—8mal mehr Speichel als beim Hun
gern. Beim Ruminiren secerniren andere
Drüsen als bei der Nahrungsaufnahme.
• I. Die Gesammtsecretion. Die Menge
des täglich bei den Pflanzenfressern secer
nirten Speichels ist eine sehr bedeutende.
Beim Pferde betrug die Gesammtmenge
des secernirten Speichels bei der Aufnahme
von Heu das Vierfache des Gewichtes des
genossenen Futters (beim Kauen von 500 g
Heu wurden 2000 g Speichel secernirt), bei
Hafer- und Häckselaufnahme die doppelte
und bei Grünfuttergenuss die Hälfte des
Futtergewichtes.
Bei einer Tagesaufnahme von 5000 g Heu
und 5000 g Stroh beträgt die Speichelmenge
40 und bei Aufnahme von 8 kg Hafer nur
10 kg; beim Kauen von Heu werden in der
Stunde etwa 4000—6000 g, beim Kauen von
Hafer 1500—2000 g, beim Kauen von Gras
etwa 1000 g secernirt.
Das Rind sondert in 24 Stunden bei
einer Ernährung mit Heu und Stroh ca. 56 kg
Speichel (40 kg Kau- und Wiederkau- und
16 kg Fastenspeichel) ab.
Der Hund secernirt in einer Stunde ca.
100—120 g.
Ueber die von anderen Thieren secer
nirten Speichelmengen liegen keine genauen
Untersuchungen vor.
Der Mensch sondert in 24 Stunden
200—2000 g ab.
II. Die Secretion der einzelnen
Drüsen., 1. Die Parotiden. Beide Paro
tiden des Pferdes lieferten bei den vielen
von uns angestellten Versuchen in der Stunde
beim Kauen von Hafer, Heu oder Häcksel
2000—4000 g, also z. B. in 4 Stunden 16.000 g.
Beim Rinde secernirte eine Parotis in
einer Stunde 200—700 cm 3 , z, B. in 2% Stun
den 3300, in 5 Stunden 3700 g Speichel. Bei
einer Pilocarpininjection sammelten wir aus
einem Stenson’schen Gange in 1% Stunde
2720 cm 3 Speichel.
2. Die Submaxillardrüsen. Eine
Drüse lieferte bei unseren Untersuchungen
a) bei Pferden während einer Mahlzeit
150—800 g, b) bei Rindern beim Kauen in
einer Stunde 200—480 (10 Beobachtungen),
in 2—3 Stunden 300—500 g u. s. w.; c) bei
einer Pilocarpininjection lieferte eine Drüse
in 1% Stunde 475 g, in einem anderen Falle
in 10 Minuten 150 g. d) Beim Hunde sam
melte man in 15 Minuten 2—30 g.
3. Ueber die von den kleinen Drüsen
gelieferten Secretmengen ist Sicheres nicht
bekannt.
c) Wirkungen.
A. Die Fermentwirkung des Speichels
richtet sich wesentlich nur auf einen Nähr
stoff, die Stärke. Der Speichel macht diesen
unlöslichen Nährstoff löslich (Amylolyse,
Stärkeverdauung). Diese Wirkung beruht in
dem Einflüsse eines im Speichel enthaltenen
Fermentes, welcher zuckerbildendes, sacchari-
ficirendes, amylolytisches, diastatisches
Speichelferment oder Ptyalin genannt wird.

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