Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/580/
häufig ist der Hoden auch vergrößert.
Die einzelnen Cysten zeigen in ihrem
Innern kammerförmige Ausbuchtungen und
sind hier zuweilen mit flockigem Exsudat
besetzt. Der Inhalt der Cysten besteht in
einer mehr oder weniger trüben, milchigen
und eiterartigen Flüssigkeit, welche viele
Epithelien, fettig zerfallene Zellen und Samen
fäden enthält. Oester vermehrt sich in der
Umgebung der Cysten das Bindegewebe in
dem Umfange, dass die Samencanälchen
atrophireu. Diese pathologischen Verände
rungen lassen Schliessen, dass die Sperma-
tocele mit einer schleichenden Entzündung
des Hodens einhergeht, zuweilen liegt die
nächste Ursache der Samenretention in einer
Entzündung und Verstopfung des Neben
hodencanals, denn man findet ihn alsdann
ebenfalls erweitert und eine käsige Masse
in ihm angehäuft. Den stark vergrößerten
Hoden entfernt man am besten durch die
Castration. Anacker.
Spermatochorda (von orcepp.a, Same;
Xop8v], Saite), der Samenstrang. Anacker.
Spermatucystis (von cicepp.a, Same;
xoct;?, Bläschen), das Samenbläschen. Anr.
Spermatogenese (von owipp.«, Same;
yeveois, Erzeugung), die Lehre von der Er
zeugung des männlichen Samens, resp. der
Samenfäden. Nach neueren Forschungen ent
wickeln sich die Samenfäden der Säugethiere
aus Stammzellen, welche Mutter- und Tochter
zellen produciren. Wenn der Hoden func-
tionirt, verändern sich zunächst die Tochter
zellen, ihr Kern nähert sich der Zellenwand
und schnürt sich ein, der vordere Theil des
selben verwandelt sich in den Kopf, der
hintere Theil in den Faden der Spermato-
zoide und löst sich nunmehr vom Zellenleib
ab. In gleicher Weise machen die Mutter
zellen eine Metamorphose durch. Nach Nie
sing (cfr. Oesterr. Monatsschr. und Revue
der Thierheilk. -1890) verläuft die Sperma
togenese in drei Schüben ohne Betheiligung
der Stammzellen. Die Samenfäden des zweiten
und dritten Schubes liegen bündelweise in
einer Protoplasmamasse, sie werden ausge-
stossen durch Ausdehnung der Nachbar
zellen. Nach dem dritten Schube regeneriren
sich die Zellen von den Stammzellen aus.
Niesing bestreitet das Vorkommen von Fuss
zellen mit Copulationsfäden.
Nach Schweigger-Seidl (cfr. Henle’s Ber.
über die Fortschr. der Anat. und Phys. pro
1865) entspricht der Samenfaden einer um
gewandelten einstrahligen Wimperzelle; im
Testikel kommen nur zwei Arten von Zellen
vor, von denen nur die eine mit kleinerem,
hellen Kerne die Umwandlung in Sperrn a-
tozoiden eingeht. La Valette St. George
(Centralbl. für medicin. Wissenschaften, 1879)
unterscheidet Ursamen (Spermatogonien),
die als Zellhaufen in das Samencanälchen
als sog. Spermatogemmen hineinwachsen.
Ursamen- und Follikelzellen liegen abwech
selnd mit einander an der Innenfläche der
Membrana propria. Während der sexuellen
Thätigkeit wuchern die Spermatogonien un-

gemein durch Theilung, sowie durch Um
bildung ihrer Abkömmlinge (Spermatocyten)
in Samenkörperchen (Spermatosomen). Sie
produciren einen Zellenhaufen, der entweder
eine besondere Hülle (Keim- oder Samen
kugeln), Spermatocysten (bei Insecten und
Amphibien), erhält oder hüllenlos bleibt
(Samenknospen, Samensprossen, Spermato
gemmen). Anacker.
Spermatopathia (von oitepp.a, Same;
jcdDos, Leiden), das Samenleiden, die Samen
krankheit. Anacker.

Spermatopoea (von machen), sc. remedia, die Samenabsonderung
befördernde Mittel. Anacker.

Spermatorrhoea (von oweppa, Same;
po-ch, Fluss), der Samenfluss. Derselbe ist bisher
als ein selbständiges Leiden nicht beschrie
ben worden, er kann infolge Schwächung der
Zeugungsorgane und übermässiger Ausübung
des Coitus auftreten und dann am häufigsten
als sog. Pollutionen, bei denen sich Samen
unwillkürlich ergiesst. Als Heilmittel dienen
hier geschlechtliche Enthaltsamkeit und kalte
Bähungen der Mittelfleischgegend; bei all
gemeiner Schwäche werden innerlich toni-
sirende Mittel (China, die Fowler’sche Solu
tion, Eisenpräparate) gute Dienste leisten. Anr.
Spermatoschesis (von aTtepp/*, Same;
a/eot?, anhalten), die Samenverhaltung. Anr.
Spermatozoa (von onepp.a, Same; £<äov,
Thier), die Samenthierchen. Spermatoz oen
Samenfäden oder Samenkörperchen (s. Ge
schlechtsorgane). Eichbaum.

Spermatozoides (von 07ts'pp.a, Same;
(ö)ov, Thier; sI8o?, Gestalt), die thierartigen
Samenkeime. Anacker.

Spermin,

Aethylenimin

ein

krystallinischer Körper, welcher in neuerer
Zeit infolge der von dem greisen französi
schen Physiologen Brown-Sd quard empfohle-
nenen Injectionen mit Samenflüssigkeit behufs
allgemeiner Steigerung der Lebenskräfte,
wieder besonderes Interesse erregt, indem
man nämlich annimmt, dass das Spermin
die in obiger Beziehung wirksame Substanz
des Hodensaftes sei. — Diese Krystalle,
welche als Charcot-Neumann’scheKrystalle
bei Leukämie in der Milz aufgefunden wurden,
ausserdem im Sputum (Leyden’sche Asthma
krystalle), Blut, Knochenmark, wurden zum
Theil für Calciumphosphat, Tyrosin, Vitellin
gehalten, bis Schreiner nachwies, dass sie
das phosphorsaure Salz einer Base C,H,,N
darstellen, welche nach neueren Untersuchun
gen als Aethylenmin erkannt wurde. Das
von Schreiner beschriebene phosphorsaure
Salz hat wahrscheinlich die Formel

(CH,. NH. CH,.) ,Ca (PO*) ,H,
und ist demnach Dispermincalciumphosphat.
Dieses Phosphat wird aus frischem
Sperma des Menschen in folgender Weise
dargestellt: Man kocht das Sperma mit Alko
hol, der Niederschlag wird nach mehrstündi
gem Stehen abfiltrirt, bei 100° getrocknet

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66