Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Beim Pferde werden folgende Einzel
sprungarten unterschieden: 1. Der Weit
sprung. Derselbe ist nur aus einer schnellen
Gangart (Renngalopp) möglich, weil dabei
das Trägheitsvermögen des vorwärts be
wegten Körpers mitzuhelfen hat. Die Pferde
erscheinen bei diesem Sprunge, zufolge des
intensiven Ausholens der Gliedmassen, lang
gestreckt und schlagen beim Niedersprung
zuerst mit den Vordergliedmassen auf.
2. Der Hochsprung geschieht unter
rascher und starker Beugung aller Gelenke
unmittelbar nach dem Abwickeln der be
treffenden Gliedmasse. Wenn hiebei alle vier
Füsse gleichzeitigen den Leib gezogen werden,
während des Schwebens, so spricht man wohl
auch vom Hirschsprung. Plötzliche Sprünge
aus ruhigen Gangarten nennt man Lanyaden.
Springen mit der Bedeutung von
Platzen wird in der Thierheilkunde nur
wenig angewendet. Man spricht etwa von
Springen der Fruchtblasen (Allantois und
Amnion) bei der Geburt, von Hornsprüngen
am Hufe etc. Zschokke.
Zur Ausbildung eines Pferdes gehört
auch, demselben Springen zu lehren. Hiezu
darf man aber erst dann übergehen, wenn
das Pferd versteht, im Galopp sich stets
in guter Haltung zu bewegen. Hanken und
Sprunggelenke müssen so weit durchgebo
gen sein, dass die Hinterlasse jederzeit unter
den Schwerpunkt treten und das Gleich
gewicht auffinden, damit sie im Stande sind,
die Last je nach Verhältniss der Kraft auf
die Hinterhand zu übernehmen, um die Vor
derhand zum Sprunge erheben zu können.
Zur Ausbildung des jungen Pferdes ist
es nöthig, dasselbe erst mit dem Gegenstände,
den es überspringen soll, bekannt zu machen,
damit es vor demselben nicht scheut, vor ihm
nicht etwa umkehrt oder in seitlicher Richtung
darüber hinweggeht. Ein seitlicher Sprung
muss nicht nur Verhältnissenässig gross sein,
sondern er ist auch stets unsicher. Man wird
daher die Uebung zuerst aus dem Schritt,
dann aus dem Trab und darauf aus dem
Galopp, aus dem im Allgemeinen nur grössere
Sprünge ausgeführt werden können, beginnen
und zunächst Gegenstände von geringer Höhe
und Breite für die Uebungen wählen dürfen.
Für die Ausführung des Sprunges theilt
man denselben nach seinem Wesen, das in
einem Aufnehmen der Last auf die Hinter
hand durch Erheben der Vorhand, in einem
Fortschnellen der Last durch die Hinterhand
und einem Auffangen jener durch die Vor
hand besteht, in drei Abschnitte, Momente
genannt: in den Ansatz oder Absprung, den
Sprung selbst und das Auffussen. Mach diesen
drei Momenten richten sich die Hülfen. Zum
Ansatz muss das Pferd etwas versammelt
werden. Es darf jedoch nicht eng zusammen
gestellt sein, um die nöthige Freiheit und
Dehnbarkeit für den Sprung nicht zu ent
behren. Der Reiter muss daher unter kräfti
gerem Einsitzen in den Sattel und verstärk
ter Schenkelhälse den Zügel etwas annehmen;
die Richtung des Zügelanzuges wird durch

den zu überspringenden Gegenstand, d. h. je
nach Art des Sprunges bedingt. Für einen
Flach- (Weit-) Sprung ist der Zügelanzug
ein meist horizontaler, für Hochsprünge ein
erhebender. Für den Sprung selbst muss das
Pferd am freiesten sein, daher der Zügel
nachgelassen werden, und unter verstärktem
Schenkeldruck muss der Reiter zur Förderung
des Sprunges mit dem Körper in diesen ein
gehen, d. h. durch die Gesässmuskeln den
Körper mit vorschnellen (jedoch ohne den
festen Schluss zu verlieren). Beim Auffassen,
d. i. das zur Erdekommen, muss das Pferd
durch einen erhebenden Zügelanzug und
durch festeres Niedersitzen in den Sattel
unterstützt werden. Durch ersteren erleichtert
man beim Niedertreten des Pferdes dessen
Vorhand, die eine Stütze in der Faust findet,
durch letzteres verlegt man die Last, also
auch den Schwerpunkt mehr auf die schwe
bende Hinterhand. Hiezu lehnt der Reiter
in dem Moment, in dem das Pferd mit den
Vorderfüssen zur Erde gelangt, seinen Ober
körper etwas zurück. Dadurch wird das Pferd
wie besonders durch das Auffangen mit dem
Zügel während des Auffussens vor dem Nie
derstürzen bewahrt und in den Stand gesetzt,
in derselben Gangart, in der es sich vordem
Sprung befand, nach demselben fortzugehen.
Die Grösse und Stärke der angegebenen
Hülfen richtet sich nach der Grösse des
Sprunges sowie dem Temperament und dem
Vermögen des Pferdes. Sie müssen genau den
einzelnen Momenten angepasst werden, da
anders das gute Gelingen des Sprunges da
durch beeinträchtigt werden würde.
Bei grossem Sprunge hält die Faust in
dem Moment des Auffussens ruhig gegen, das
Pferd lehnt sich in die Zügel, um die Hinter
hand nachzubringen. Bei kleineren und
mittleren Sprüngen wird man in dem Moment
des Sprunges selbst die Vorhand schon etwas
aufrichten und fester mit dem Gesäss ein
sitzen, um dadurch zu veranlassen, dass die
Hinterhand mit der Vorhand möglichst gleich
zeitig auffusst. Gute vermögende Springer
können durch den Reiter bereits in dem
Augenblick der höchsten Erhebung im Sprunge
durch sanft erhebenden Zügelanzug, durch
festeres Einsitzen, Umfassen mit den Schen
keln und massiges Zurücklegen des Ober
körpers veranlasst werden, mit den Hinter
füssen eher den Boden zu berühren als mit den
Vorderhufen. Zu dieser Art des Springens,
welche die schönste ist und den Schulsprung
bildet, gehört aber ein ebenso geübtes Pferd
wie ein ausgezeichneter Reiter.
Ueber die verschiedenen Arten der
Sprünge, s. Sprung. Grassmann.
Springgurke. Eselsgurke, Cucurbitacee
des südlichen Europas L. XXL 12, Momor-
dica Elaterium (Cucumis silvestris, Ec-
ballium officinale, Ph. gall.), bei uns in
Gärten gezogen. Die reifen Früchte springen
bei der leisesten Berührung vom Fruchtstiele
ab und schleudern Samen und Saft weit fort,
die Pflanze heisst deswegen auch Ve?ir-
gurke. Der Saft wird eingedickt und ist als

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