Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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eindringen und diese Theile zerstören, oder
indem der Granulationsprocess in der Spon
giosa eines oder mehrerer Sprunggelenks
knochen anhebt (Ostitis centralis fungosa, s.
grannlosa) und dadurch die Gelenkknorpel
vom Knochen aus zerstört werden, zur Caries
(Caries fungosa) Veranlassung geben. Anchy-
losis der straffen Gelenke (Anchylosis cen
tralis und peripherica) sind oft noch günstige
Ausgänge der in Rede stehenden Erkrankung
(Fig. 1891 und 1892). Gelenksvereiterung hat
häufig Unbrauchbarkeit und den Tod der
Patienten zur Folge. Ueber die seröse Ge
lenksentzündung s. Sprunggelenksgallen.
Je nach Intensität und Ausdehnung der
Entzündung sind die Erscheinungen verschie
den. Bei acuten Entzündungen treten deut
liche Merkmale auf, aus denen man auf den
Sitz und die Art des Leidens, das sich zu
nächst durch Schonen der betreffenden Ex
tremität und durch Lahmgehen documentbt,
Schliessen kann. Das Thier hinkt, stützt sich
nicht auf die kranke Gliedmasse und hält
das Sprunggelenk mehr oder weniger flectirt.
Das Gelenk ist geschwollen, vermehrt warm
und bei Druck schmerzhaft; im Verlaufe ver
breitet sich die Geschwulst (Phlegmone) nach
oben und nach unten, es bilden sich am
Sprunggelenke nicht selten fluctuirende An
schwellungen, meistens Abscesse, die sich an
verschiedenen Stellen spontan öffnen und
Eiter und Jauche, mit Synovia vermischt,
fliesst aus (s. Sprunggelenkswunden). Bei mehr
schleichend verlaufender Sprunggelenksent
zündung bilden sich vorzugsweise periarticu-
läre Veränderungen (Spat, Rehbein, Hasen-
hake, Tumor albus). Das Gelenk wird bei
der Bewegung steif gehalten, d. h. wenig oder
gar nicht gebeugt, bleibt aber im Zustande
der Ruhe leicht flectirt; der Fuss wird mit
der Zehe auf dem Boden gestützt. Da sich
das Pferd nicht nur im Zustande der Ruhe,
sondern auch während der Bewegung wie ein
spatlahmes verhält, so wird diese Form von
den Veterinären öfters als unsichtbarer Spat
bezeichnet.
Bei Behandlung der acuten Entzündung
muss das Thier vor allem absolute Ruhe
haben; man macht dabei anfänglich kalte
Ueberschläge. Abscesse sind rechtzeitig zu
öffnen (Arthrotomie), nachdem man vielleicht
vorher warme Ueberschläge oder Bäder
applicirte, und dann ist die Eiterhöhle, resp.
die Gelenkshöhle mittelst lauwarmer antisep
tischer Flüssigkeit (Sublimat 1 Theil und ab
gekochtes Regenwasser 5000 Theile) wieder
holt gründlich auszuspülen. (Vgl. Sprungge
lenksgallen und Sprunggelenkswunden.) Pflug.
Sprunggelenksfracturen werden verursacht
durch Schlag (Hufsehlag), Wurf, Stoss, Fall,
Schuss u. dgl., es entwickelt sich eine heftige
Entzündung; die Thiere (Pferde!) können
sich mit der betreffenden Extremität nicht
stützen, der Fuss wird beständig gehoben,
man constatirt mehr oder weniger abnorme
Beweglichkeit und hört (?) ein Crepitations-
geräusch. Derartige Fracturen kommen sehr
selten vor; am besten tödtet man solche

Thiere, sobald man sich von der Erfolglosig
keit einer Behandlung vergewissert hat. Bei
Schussfracturen und Fracturen durch Huf
schläge entstanden, kann man oft mit dem
Finger oder einer Sonde durch die Wunde
zur Stelle der Fractur gelangen und dadurch
die Diagnosis sichern (s. Sprunggelenkswun-
den). Die öfters vorkommenden Brüche des
Fersenbeines gehören eigentlich nicht
hieher, doch sei bemerkt, dass dieses schmerz
hafte und kaum heilbare Leiden nicht immer
so leicht zu diagnosticiren ist, da die Um
gebung des Calcaneus stark geschwollen und
das Knochenfragment dadurch so fixirt ist,
dass seine abnorme Beweglichkeit und eine
Crepitation nicht leicht nachgewiesen werden.
Die Dislocation des abgebrochenen Knochen
stückes ist nicht sehr merklich, obgleich man
das durch die Wirkung der Gastrocnemii er
warten sollte; allein durch die Lage des
Kronbeinbeugers und dessen Haftbänder wird,
soferne nicht hier gleichzeitig Zerreißun
gen stattgefunden haben, das Fragment fixirt
und ziemlich unbeweglich. Nicht selten be
steht ein offener Knochenbruch. Pferde haben
grosse Schmerzen, lahmen, gestatten eine
merkliche Beugung des Sprunggelenkes,
schwitzen und fiebern. Pflug.
Sprunggelenksgallen. Von den häufiger
vorkommenden Gelenksgallen verdienen die
Sprunggelenksgallen eine besondere Be
achtung, denn sie sind gewöhnlich ein merk
licher Schönheitsfehler und verursachen zu
weilen auch ein Lahmgehen der Pferde. Die
am Sprunggelenke vorkommenden Gallen sind
entweder Sehnengallen (s. Sehnenscheiden
gallen) oder wirkliche Gelenksgallen. Beiderlei
Gallen communiciren zuweilen miteinander.
Die eigentliche Sprunggelenks
gal 1 e ist eine Anhäufung von wässeriger Synovia
vorzugsweise im Talocruralgelenk; doch kann
auch innerhalb der anderen Gelenkskapseln
sich Wasser ansammeln, was jedoch nur selten
geschieht. — Die Sprunggelenksgallen sind
gewöhnlich die Folge einer chronischen,
serösen Gelenksentzündung (Arthritis s. Sy-
novitis chronica serosa) oder auch und viel
leicht häufiger als man annimmt, die Folge
einer grösseren Durchlässigkeit (Transsuda
tion) der Gefässe der Synovialkapsel, wie
man Gleiches in anderen serösen Höhlen
wahrnehmen kann. Diese Flüssigkeitsansamm
lungen innerhalb der Synovialkapsel stellen
jenen Zustand dar, den man mit Gelenks
wassersucht (Hydarthros) bezeichnet.
Die chronische Arthritis kann vom An
fange an als solche bestehen, oder sich aus
einer acuten herausbilden, und dann beginnt
die Krankheit mit Hinken auf der kranken
Extremität; auch während des Bestandes
einer Gelenksgalle kann eine Entzündung
einsetzen (entzündliche Sprunggelenksgalle)
und dann fangen die Pferde trotz der schon
lange schmerzlos bestandenen Galle auf ein
mal an, lahm zu gehen. Entzündete Gallen
sind schmerzhaft, warm und vergrößern sich
gewöhnlich auch. — In den Gelenksgallen
findet öfters eine Vergrößerung und Vermeh-

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