Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/603/
beim Pferde in Winkeln von 14—16° zu der
Sagittalebene. Sie wirken auch scbrauben-
artig, d. h. in der Art schiefer Ebenen. Beim
Rinde und den kleinen Säugern ist die Ab
weichung der Führungslinie von der Sagittal-
ebene weniger bedeutend; auch sind die
-Kämme der Rolle weniger scharf ausgeprägt
als beim Pferde, ans welches sich die nach
folgende Erörterung bezieht.
Durch die specifische Form der Rollbeine
wird die Bewegung der angrenzenden Knochen
bestimmt. Infolge der Abweichung der Füh-
rungslinie des Astragalusgelenkes von der
Sagittalebene findet bei der Bewegung des
selben eine seitliche Verschiebung der arti-
culirenden Knochen statt, u. zw. in der Art,
dass beispielsweise die Tibia bei der Beugung
auf dem fixirten Unterfuss nach aussen ver
schoben wird. Die Grösse dieser Seitenbewe
gung ist beträchtlich und beträgt bei stärkster
Beugung reichlich 2 cm.
Wird der Metatarsus gegen die Tibia
bewegt, wie z. B. beim sich hebenden Fuss
des schreitenden Pferdes, dann folgt eine
Verschiebung des Unterfusses medianwärts,
beim Strecken im umgekehrten Sinne. Denkt
man sich aber die Gliedmassen an ihren End
punkten (Hüftgelenk und Huf) fixirt, also den
Moment der Streckung der festgestellten Glied
masse, dann wird die seitliche Excursion nur
noch gegen den mittleren Theil der Glied
masse hin, am meisten im Sprunggelenk
selbst, möglich werden, u. zw. so, dass letz
teres nach aussen getrieben und die Glied
masse um ihre beiden Stützpunkte torquirt
wird. Würde man bei einer Gliedmasse diese
Torsion und seitliche Abweichung der End
punkte verhindern, so wäre auch die Bewe
gung, resp. eine Beugung im Sprunggelenk
nicht möglich. Das Auswärtsdrehen des Sprung
gelenkes und Hufes bei der Streckung der
Gliedmasse kann leicht erkannt werden beim
gehenden Pferde. Die Torsion beträgt nach
den Aufzeichnungen von Peters (Fr. Peters,
Mechanische Untersuchungen über einige
Gelenke des Hufes des Pferdes. 1879) bis
zu 30°. Der Nutzen dieser Einrichtung ist
einleuchtend, wenn man folgender Momente
gedenkt:
Bei der Vorwärtsbewegung des Körpers
macht sich eine seitlich wirkende Kraft
bemerkbar, indem die Stossrichtungen der
hinteren Glieder nicht parallel zu einander
verlaufen, sondern nach vorn convergiren,
also schief zu der Wirbelbrücke, d. h. Längs
achse des Körpers stehen. Infolge der hiebei
nothwendigerweise eintretenden Zerlegung
der Kraft in einen longitudinalen und einen
Seitenschub kommt es denn auch zu dem
sog. Ueberführen der Schwerlinie des Körpers
auf die stützende Gliedmasse.
Diese seitlich wirkende Kraft muss je
weilen von der nun stützenden Gliedmasse
nicht nur paralysirt, sondern in entgegen
gesetzter Richtung weiter geleitet werden.
Das wird nun gerade durch diese bei der
Streckung stattfindende Rotation in schöner
und rein passiver Weise erreicht, indem die
Koch. Encyklopädie d. TMerheilkd. IX. Bei.

Gliedmasse nach Massgabe der Streckung
und des Bedürfnisses sich so um ihre Längs
achse dreht, dass die Muskeln möglichst
zweckmässig zur Wirkung kommen, d. h.
derart, dass die Resultante ihrer Zugrichtung
im richtigen Winkel zur Körperachse stehen.
Dass die Rotation der Gliedmasse ursprüng
lich durch die Muskeln hervorgerufen wird
und dass der Miskelzug überhaupt die Ge
lenksformation bestimmt, hindert nichts an
dieser Auffassung, dass beim ausgewachsenen
Pferde die Sprunggelenksmechanik die Muskel
wirkung wesentlich unterstütze.
Das Sprunggelenk ist in seiner Bewegung
vollständig abhängig von dem Kniegelenk.
Die starken Sehnen der Wadenmuskeln und
des Kronheinbeugers einerseits und der
sehnige Theil des M. tibialis anticus anderer
seits machen die Bewegung der beiden Ge
lenke durchaus von einander abhängig, indem
durch diese soliden Bänder die Tibia zwischen
Femur und Sprunggelenk eigentlich einge
spannt wird. Eine Streckung des Knies ohne
gleichzeitige entsprechende Streckung des
Sprunggelenkes ist schlechterdings nicht
möglich und wird also das Sprunggelenk
nicht von den Muskeln des Unterschenkels,
sondern von denjenigen des Beckens und des
Oberschenkels regiert.
Was den Calcaneus betrifft, so wirkt
derselbe in der Art des Proc. anconäus, in der
Eigenschaft als Hebelarm der Kraft; der
jenige der Last ist diesfalls der Unterfuss.
Je länger also das Fersenbein, desto mehr
gewinnt die Kraft, desto mehr aber büsst
die Ausgiebigkeit der Bewegung ein. Zschokke.
Sprunggelenksschutzkappen. Mit Wollstoff
gefütterte Lederbandagen, für linkes und
rechtes Sprunggelenk gefertigt, sind mit je
drei Strippen und drei Schnallenstücken mit
eingesetztem, elastischem Gurt versehen. Die
Schnallenstücke befinden sich stets auf der
äussersten Seite der angelegt gedachten Ban
dage. Sie dienen zum Schutze gegen Quetschun
gen der Fersenbeinhöcker und des daselbst
liegenden Schleimbeutels (Piephake) und
werden beim Transport von Pferden im Eisen
bahnwagen angelegt. Lungwitz.
Sprunggelenksverrenkung. Bei verschie
denen Gelenken kommen nicht selten Ver
stauchungen (Distorsionen), Erschütterungen
(Contusionen), Luxationen und Subluxationen
vor. Distorsionen und Contusionen
können auch am Sprunggelenke beobachtet
werden und führen zur Entzündung des Ge
lenks. Distorsionen sind hier meistens mit
Zerreissung des Bandapparates verbunden
und dann wegen der Unruhe der Thiere
schwer heilbar. Luxationen und Subluxa
tionen sind immer mit Zerreissung und
häufig mit Fracturen complicirt, somit sehr
schwere Uebel, deren Heilung gewöhnlich
nicht gelingt. Einzelne günstiger verlaufende
Ausnahmsfälle sind übrigens in der Literatur
bekannt. Pflug.
Sprunggelenkswunden kommen häufig zur
thieiärztlichen Behandlung. Es können die
verschiedensten Momente zur Verwundung
38

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66