Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Shirehorse nennt man die grösste bri
tische Pferderasse (breed), welche in vielen
Grafschaften des Inselreiches, ganz besonders
aber im sog. Fen-country (Marschlandschaft),
gezogen wird und eine der allerschwersten
in ganz Europa ist. Es sollen nicht selten
Shirehorsehengste mit einem Lebendgewicht
von 900 bis 1000 kg vorkommen, und es
liefern dann solche Individuen die beliebtesten
Karrenpferde (dray-horses) für die grossen
Bierbrauereien in London und anderen Städten.
Alle besseren Pferde dieses Schlages
haben in manchen Punkten grosse Aehnlichkeit
mit dem Clydesdaler, und es kommen jetzt
auch sehr häufig Kreuzungen dieser beiden
Schläge sowohl in England, wie in Amerika
und auf dem europäischen Continente vor.
Wesentliche Unterschiede im Körperbau
der Shirehorses und Clydesdaler treten eigent
lich nur bei geringwerthigeren Exemplaren
jenes erstgenannten Schlages auf; die besseren
und besten Producte stehen in ihren Lei
stungen keinesfalls hinter den Clydesdaler
Pferden zurück, ja sie übertreffen dieselben
gar nicht selten.
Die schwarze Farbe, welche früher be>
den Karrenpferden in Lincolnshire besonders
beliebt war, sieht man jetzt bei ihren Stamm
verwandten, den modernen Shirehorses, nicht
häufig; das dunkle Braun (mit weissen Ab
zeichen am Kopfe und an den Beinen) ist
heute viel beliebter, und ebenso werden jetzt
Schimmel dieses Schlages nicht mehr so gern
gesehen, als in früherer Zeit.
Die Shirehorses sind äusserst robust,
starkknochig und stets mit grossen Hufen
ausgestattet. An den Unterfüssen findet sich
ein starker Behang von dicken Haaren, ebenso
ist auch das Mähnen- und Schweifhaar sehr
reichlich entwickelt; Schopf- und Mähnen-
haare werden häufig sehr lang, der Schweif
wird in der Regel ziemlich kurz gestutzt
oder auch hübsch aufgebunden. Auf dem
Continent wird der Behang an den Unter
füssen neuerdings vielfach abgeschoren.
Der verstorbene Mr. Lawrence Drew
plaidirte mehrfach für eine Kreuzung der
Clydesdaler mit guten Shirepferden, weil
nach seiner Meinung auf diese Weise einige
Mängel jener Rasse — die geringere Grösse
und die unzureichende Aufwölbung des
Rippenkorbes — am schnellsten beseitigt
werden.
Nach S. Sidney (the book of the Horse)
ist das Shirehorse als Endresultat jener Ver
besserungen, welche in England bezüglich
des schweren Ackerpferdes in der zweiten
Hälfte dieses Jahrhunderts vorgenommen
wurden, anzusehen und er vermuthet, dass
dieser Schlag jene Pferde der alten schwarzen
Lincolnshirerasse bei weitem überträfe oder
bei Seite stelle (superseded), welche im
vorigen Jahrhundert der berühmte Robert
Bakewell in Dishley aus der Kreuzung von
Lincolnshire Stuten und holländischen Hengsten
gezüchtet hat.

Bis zum Jahre 1825 galten die Blackhorses
von Lincolnshire für die besten, schwersten
Zugpferde Englands; erst in der neueren und
neuesten Zeit gelang es mehreren namhaften
Züchtern in den mittleren Grafschaften Eng
lands, Karrenpferde heranzubilden, welche
den Bakewell’schen Drayhorses den Rang
streitig machten und auf den grossen Aus
stellungen die ersten Preise vom Platze
trugen. — Es gibt jetzt in England einen
besonderen Shirehorseclub, der über die
Pferde des fraglichen Schlages ein besonderes
Stutbuch (Stud-book) führt. Freytag,
Shropshire - Viehzucht. Die Grafschaft
Salop oder Shropshire liegt im westlichen
England und umfasst einen Flächenraum von
3418 km 3 (62 1 Quadratmeilen) mit 248.014
Einwohnern. Der schiffbare Fluss Severe
theilt diese Grafschaft in zwei ziemlich
gleiche Theile, von denen der nördliche
meist eben und recht gut angebaut ist, wäh
rend der südliche Theil grosse Weidestrecken
enthält und daher besser zur Viehzucht ge
eignet erscheint.
Fast in der Mitte des Landes erhebt
sich der isolirte Berg Wrekin (402 m hoch),
an dessen Hängen sich vortreffliche Schaf
weiden finden.
Von der ganzen Oberfläche dieser Graf
schaft sind 33'7% unter dem Pfluge, S2°/ 0
bestehen aus Weide- und Wiesenland und
5'6% aus Wald. Der Ackerbau wird in der
Regel ganz sorgfältig betrieben und liefert
Früchte aller Art.
Bei der Viehzählung im Jahre 1888 fan
den sich daselbst:
32.049 Ackerpferde,
153.147 Rinder,
429.760 Schafe und
61.428 Schweine.
Die Schafzucht ist unstreitig der
wichtigste Zweig der dortigen Hausthierzucht,
und es hatte diese schon im vorigen Jahr
hundert einen recht guten Namen. Viele
Landleute von Shropshire beschäftigen sich
fast ausschliesslich mit der Aufzucht und
Mästung von Schafen und sollen dabei in
der Regel ein gutes Geschäft machen.
Die gegenwärtige Shropshired own-
zucht wurde hergestellt, indem man die
ursprüngliche Art mit Southdowns kreuzte,
um sie zu verfeinern und ferner mit Lei-
cesters, um die Grösse zu erhalten. Jetzt
wird jedes importirte „Blut“ verworfen, da
es den Typus verderben würde.
Der Kopf (der vordere Theil) ist länger
und umfangreicher, als bei den Southdowns,
die Nase ist leicht nach oben gebogen, die
Ohren sind ziemlich gross und beweglich.
Das Gesicht und die Beine sind schwärzlich
braun, letztere oft dunkler als ersteres, wel
ches meistens mehr ins Graue hinüberspielt;
allerdings zeigt sich letzterer Umstand nicht
regelmässig, sondern besonders intensiv nur
in bestimmten Jahrgängen, u. zw. rings um

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