Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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dienen, können als Zubehörstücke bezeichnet
werden.
Das Sattelkissen ist (mit Ausnahme des
ungarischen Sattels) eine auf der unteren Seite
des Baumes angebrachte Polsterung, die dazu
dient, eine weiche, bequeme, den Druck ab
haltende Unterlage abzugeben.

Fig. 1656. Sattelbaum.
Die Sattelbekleidung bezweckt einen be
quemen Sitz für den Reiter sowie dem Ganzen
ein hübsches, gefälliges, unter Umständen
prunkendes Aussehen zu verleihen. Dement
sprechend ist die äussere Bekleidung oder
der Bezug aus Leder, Sammet, Seide, Tuch
u. s. w. hergestellt. Der gebräuchlichste Stoff
ist Leder und hier das Beste Schweinsleder.
In Bezug auf die Form unterscheidet
man mehrere Arten von Sätteln, u. zw. den
ungarischen, deutschen, französischen, eng
lischen, Pachter-, Damen- und Packsattel.
Einige dieser Arten zerfallen je nach dem
Zweck wieder in Unterarten, als Schul-,
Reise-, Courier- u. s. w. Sättel, die dann aber
alle im Wesentlichen der Hauptart gleichen.

Fig. 1£57. Ungarischer Sattel (ohne Sitzkissen).
Die ursprünglichste Form wird die des | und ungarischen
ungarischen Sattels (Fig. 1601) gewesen sein. ~
Sein Bau weicht völlig von dem der übrigen
Arten ab und wird sich eben in der Urge
walt der ersten Sitze auf dem Pferderücken
ohne wesentliche Aenderungen erhalten haben.

Alle Orientalen und die aus dem Osten vor
gedrungenen Völkerschaften, also auch die
Ungarn, von denen er den Namen entlehnt
hat, bedienen sich dieser Art Sattel. Sein Bau
ist einfach, leicht und doch dauerhaft sowie
bequem für das Pferd. Seine Anschaffungs
kosten sind gering, wenigstens im Vergleich
zu anderen guten Sätteln, denen gegenüber
er den weiteren Vorzug besitzt, dass er nicht
leicht schief wird und ebensowenig zu Sattel
drücken Anlass gibt. Dem Schönheitssinn ent
spricht er indessen nicht, da er dem Pferde
jedesmal ein kameelartiges Aussehen verleiht.
Die Hauptbestandtheile des ungarischen Sat
tels sind die Sattelblätter oder Stege a und a',
der Vordertheil b, der Hintertheil c mit dem
Zwiesel d, der Sitzriemen oder Wolf e, die
Schweissblätter f und f'. Der Vorder- und
Hintertheil werden gewöhnlich Zwiesel oder
Bäume genannt. Der etwa 12 cm breite Sitz
riemen ist an den beiden Bäumen befestigt
und wird durch Binderiemchen straff an die
Sattelblätter angeschnürt und zur Bequem-
lickeit des Reiters mit einem Sitzkissen be
deckt. An Stelle des Sattelkissens benützt
man eine mehrfach zusammengelegte, wollene
Decke, Woilach genannt Die Sattelblätter
sind von Rothbuchen- oder Birkenholz, die
Vor- und Hintertheile ursprünglich ebenfalls
aus Holz oder geeigneten Wurzeln, jetzt je
doch meist aus Gusseisen. Die vorn und
hinten durch Löcher in den Sattelblättern
mit Riemen befestigten Ringe, bezw. Schnallen
g und g' heissen Fröschel. Durch die Ringe
an den Vorderfröscheln wird das Vorderzeug
gezogen, das gleichzeitig durch eine auf dem
Sitzriemen angenähte Schlaufe h läuft. Im
Weiteren dienen die Ringe
zur Befestigung der Pack
taschen. Die Schnallen der
Hinterfröschel halten die
Mantelriemen und das Hin
terzeug. Der Sitz des Sat
tels ist nur schmal, daher
für starke Personen nicht
sehr bequem. Die Lage des
Sattels auf dem Pferde
rücken ist nicht sehr fest,
ebenso gestattet derselbe
durch das Gesäss des Rei
ters nicht eine so abwech
selnde Einwirkung auf das
Pferd. Zur Befestigung des
Sattels wird gewöhnlich ein
an den Enden dreitheiliger
lederner Gurt benützt. D. r
genannten Vorzüge wegen
ist der ungarische Sattel
der eigentliche Militärsattel.
Seitens der Officiere wird
als Dienstsattel indessen eine
Vereinigung des englischen
Sattels (Fig. 1638) benützt.
Derselbe besitzt einen Theil der Annehmlich
keiten des englischen neben den Vorzügen
des ungarischen Sattels.
Die gebräuchlichste Art der Reitsitze ist
nun der sog. englische Sattel (Fig. 1659), dessen

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