Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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SATTEL.

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Anfertigung vorzüglich in London geschieht.
Sein Gerüst ist der in der Pig. 1656 darge-
stellte Sattelbaum. Zur Herrichtung des Sitzes
werden vom After- zum Kopfstück zwei Gurte
gezogen, u. zw. je nachdem der Sitz gerade
oder gewölbt sein soll, straffer, bezw. durch-
hängender. Dann werden in der Regel nur
zwei Quergurte von Steg zu Steg über die

Fig. 1658. Officierdienstsattel.

Fig, 1659. Glatter englischer Herrensattel.

Längsgurte gelegt und die Sitzfläche mit
Leinwand bespannt. Das sind die hauptsäch-
lichsten Verrichtungen des Begurtens des
Baumes, dem das Matratziren folgt. Dasselbe
besteht aus dem Aufpolstern des Sitzes und
geschieht mit Wolle, besser mit Haaren und
einer Leinwandbekleidung. Darauf wird der
Sitz überzogen und die Satteltaschen ange-
bracht. Zum Ueberzug verwendet man bei
den besseren Sätteln Schweinsleder, auch die
Satteltaschen sind bei feineren Sätteln aus
schwächerem Rindsleder, das mit Schweins-
leder überzogen ist, hergestellt. Bei dem
Ueberziehen werden die verschiedenen klei-
neren Polsterungen, die sog. Beinfutter ge-
macht. Das sind Wulste, an welche die
Schenkel des Reiters sich anlegen. Zum

Koch. Encyklopädie d. Thierheilkd. IX. Bd.

Schluss wird das Sattelkissen gefertigt und
unter den soweit hergestellten Sattel einge-
nagelt. Das Kissen ist am besten mit Reh-
haaren gefüllt. Je nach Geschmack und Aus-
stattung werden die Satteltaschen und der
Sitz verschiedenartig aufgeputzt und durch-
steppt. Besonders bei Damensätteln finden
sich häufig derartige Verzierungen.

Zu den älteren jetzt wenig gebräuch-
lichen Sätteln gehört der deutsche und fran-
zösische Sattel (Pig. 1660). Ersterer ist letz-
terem sehr ähnlich und soll aus ihm ent-
standen sein. Der deutsche Sattel besteht aus
den beiden im Kopf vereinigten Orten. Zwi-
schen After und Steg (s. Pig. 1686) befinden
sich bei ihm noch die sog. Gestellchen.
Dieselben entsprechen an Form und Zweck
den Orten, sie reichen gleich diesen zu beiden
Seiten tief herab. Der After ist horizontal
bogenförmig und verbindet die beiden Gestell-
chen. Der ganze Sattel ist flach und mit
zwei hohen Bauschen an den oberen Theilen

Fig. 1660. Französischer Sattel.

der Orte versehen, die bei dem französischen
Sattel kranzartig über den Kopf laufen. Wäh-
rend bei dem deutschen Sattel die Gestell-
chen fast die Länge der Orte haben, so be-
sitzen jene bei dem französischen Sattel etwa
nur die Hälfte derselben. Infolge der Orte
und Gestellchen haben beide Sattelarten eine
sehr feste seitliche Lage auf dem Rücken
des Pferdes, sie verschieben sich selbst bei
schwerem Einsitzen des Reiters in den Sattel
nicht leicht. Gerade in dieser Hinsicht liegt
der ungarische Sattel am wenigsten fest.

Der Damensattel (Pig. 1661 und 1662)
ist eine besondere Art. Er gehört mit dem
Pachtersattel (s. unten) zu den Quersätteln.
In der frühesten Zeit ritten auch die Frauen
in gleicher Weise wie die Männer. Anna

v. Luxemburg, die Gemahlin Richard II., führte
den seitlichen Sitz, beide Füsse auf einer
Seite des Pferdes, im Jahre 1380 in England
ein, da sie diese Art des Reitens für anstän-
diger hielt. Der Baum wie die Form des

Damensattels ist im Ganzen gleich demjeni-
gen des englischen Herrensattels. Der Sitz
ist nur breiter und flach gepolstert. An den
Orten befinden sich gabelförmig zwei fest-
stehende Hörner, zwischen welchen das rechte
Bein der Reiterin ruht. Ein drittes, nur ein-
geschobenes und bewegliches Horn dient zur
Anlehnung des linken Schenkels. Des seit-
lichen Sitzes wegen ist nur ein, der linke

Steigbügel erforderlich, der oft die Form

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